Neuem offen begegnen

Komplexe Systemlösungen für unterschiedliche Branchen wie Bergbau oder die Zementindustrie

Dr. Andreas Echelmeyer leitet seit Mitte 2016 das Center of Competence for Conveying and Loading Systems bei der BEUMER Group GmbH & Co. KG in Beckum. Wie sich der neue Bereich in den dreieinhalb Jahren entwickelt hat und welche vielfältigen Aufgaben von den Mitarbeitern dieses Kompetenzzentrums übernommen werden, erfuhr die Chefredakteurin der AT MINERAL PROCESSING, Dr. Petra Strunk, im Gespräch mit Dr. Andreas Echelmeyer.

AT: Wie sind Sie in den neuen Bereich gestartet?

Dr. Echelmeyer: Zu Beginn bestand meine Tätigkeit vor allem aus Zuhören, Zuschauen und dem Verstehen der Abläufe. Man nimmt Dinge sehr genau wahr, wenn man von außen kommt, hinterfragt eingespielte Abläufe. Ich habe mir zunächst ein halbes Jahr ein genaues Bild von dem Ist-Zustand gemacht, danach fing ich an, den Bereich zu gestalten.

AT: Welche Aufgaben übernimmt das Center of Competence for Conveying and Loading Systems, für welche Industriesegmente ist es zuständig?

Dr. Echelmeyer: Das Kompetenzzentrum bezieht sich auf keinen bestimmten Industriebereich, wir können ganz verschiedene Projekte bearbeiten, so z.B. im Mining- oder Kraftwerksbereich, Projekte für die Zementindustrie oder im Hafenumschlag. Sobald ein Kunde ein größeres, komplexes Projekt im Bereich Bulk Materials Handling realisieren möchte, kommen wir ins Spiel. Wir diskutieren dann mit ihm die Aufgabenstellung. Dabei müssen wir auch die richtigen Fragen stellen, damit wir am Ende eine maßgeschneiderte Lösung anbieten können.

AT: Warum kam es gerade 2016 zur Gründung dieses neuen Bereichs – gab es einen speziellen Anlass?

Dr. Echelmeyer: Mit der Abwicklung des großen Vale-Projektes (siehe AT 04/2015) hat Beumer sich intern entschieden, Großprojekte auch wieder stärker im Portfolio des Unternehmens zu betonen. Das war der Grundstein, um diese neue Abteilung zu schaffen, aktiv auf den Markt zu gehen und Lösungen auch für Großprojekte anzubieten. Bis dahin wurde eher auf Kundenanfragen reagiert, jetzt gehen wir ganz aktiv auf die Kunden zu.

AT: Wodurch zeichnet sich das Center of Competence for Conveying and Loading Systems aus?

Dr. Echelmeyer: Früher agierten die Beumer-Standorte in diesem Geschäftsbereich  unabhängig voneinander, jeder hatte sich auf bestimmte Förderkomponenten spezialisiert – jetzt haben wir das alles zu einem international agierenden Team zusammengefasst und können komplette Lösungen anbieten. Außerdem besuchen wir die Landesgesellschaften, schauen uns systematisch weltweit an, welche Bedürfnisse die Kunden haben und versuchen zu verstehen, ob die Probleme weltweit ähnlich sind bzw. welche Anforderungen eher regional bestehen.

In den letzten Jahren ist Beumer stark expandiert, Unternehmensgruppen mit neuen Kollegen sind dazu gekommen. Dabei besteht die Aufgabe, alle in diesem Bereich tätigen Kollegen zu integrieren, gemeinsame Ziele zu definieren und gemeinsam aktiv zu handeln. Auch dafür bin ich als Leiter des Kompetenzzentrums verantwortlich. Als Ziel der Neustrukturierung steht am Ende ein gemeinsamer Vertrieb, ein geschlossenes Auftreten mit einer gemeinsamen Strategie.

AT: Was sind die besonderen Ziele und Herausforderungen beim Aufbau einer Struktur, wie reagieren die Mitarbeiter auf eine solche Veränderung?

Dr. Echelmeyer: Die Entwicklung muss dahin gehen, dass sich das Team alles zutrauen kann. Der Ansatz ist nicht der Gedanke „das haben wir noch nie gemacht“, sondern „wir haben das Problem verstanden und entwickeln ein Lösung dafür“. Das setzt die innere Bereitschaft der Mitarbeiter voraus, sich auf etwas Neues einzulassen – dieses Selbstvertrauen muss da sein. Es gibt keine Standardlösungen mehr, sondern es geht um die Kompetenz und das Wissen, das die Mitarbeiter mitbringen, eine maßgeschneiderte Lösung zu schaffen. Das ist sicher für einige Mitarbeiter eine neue Arbeitsweise – man muss sie dazu ermutigen, frei zu denken, neue Wege zu gehen. Dabei möchte ich ihnen auch den Rücken stärken.

Es ist auch viel mehr Teamarbeit gefragt, viel mehr Austausch zwischen den Mitarbeitern und den einzelnen Abteilungen. Bei der Projektbearbeitung müssen die Abteilungen schon ganz früh bei Kundenanfragen integriert werden. Das ist eine neue Vorgehensweise – der Vertrieb, die Konstruktionsabteilung, das Projektmanagement etc. – können schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt Einfluss auf die Gestaltung von Projekten einnehmen.

AT: Gibt es schon Erfolge – größere Projektaufträge?

Dr. Echelmeyer: Ja, absolut. Die Projekte sind größer geworden, früher haben wir solche Projekte eher abgelehnt. Auch werden ganz andere Standards von den Kunden vorgegeben. Unsere Arbeit ist viel internationaler geworden, da die Kollegen an den einzelnen Standorten in Asien und Amerika enger mit eingebunden werden – sie haben ja den direkten Kontakt zum Kunden.

AT: Wann wird der Aufbau der neuen Abteilung einen ersten Abschluss gefunden haben?

Dr. Echelmeyer: Natürlich hört das Lernen nie auf, aber im Moment haben wir schon eine sehr hohe Veränderungsgeschwindigkeit und man benötigt so ca. drei Jahre, damit das Neue verstanden und gelebt wird, die Abteilungen etabliert sind, Abläufe sich eingespielt haben.

AT: Wohin wird die Entwicklung des Kompetenzzentrums gehen, welche Ziele verfolgen sie?

Dr. Echelmeyer: Im Zeitraum von 2003 bis 2012 wurde sehr viel und sehr schnell im Mining-Bereich investiert und die Investitionen mussten auch sehr schnell getätigt werden, Projekte wurden sehr schnell abgewickelt. In dieser Phase kam es auf Geschwindigkeit an. Es gab sehr viele, sehr große Projekte. Dabei wurde weniger auf Optimierung und Effizienz geachtet. So einen Boom wird es, glaube ich, so schnell nicht wieder geben.

Gegenwärtig schaut man auf die Effizienz der Dinge, auf Emissionen, Umweltaspekte, Kosten. Es geht mehr um die Optimierung großer Anlagen. Der Transport von Erzen mit Trucks ist häufig ineffizient, bei automatischer Förderung benötigt man aber Anlagen, die mit unebenem, unwegsamen Gelände klarkommen. In dem Bereich können wir erprobte Lösungen anbieten. Beumer ist auf diesem Gebiet Vorreiter, wir haben eine der ersten kurvengängigen Bandanlagen weltweit gebaut.

Anfangs realisierten wir vor allem Projekte in der Zementindustrie. Aber auch im Mining-Bereich werden sehr gute flexible Lösungen für unterschiedliche Gelände benötigt. Ich sehe Beumer ganz stark im Bereich der Überlandtransporte. Es gibt eine Tendenz zu immer längeren Bandanlagen. Weil der Lkw sehr aufwendig und teuer ist und auch umwelttechnisch Probleme mit sich bringt, rückt die Entwicklung von Bandanlagen über lange Strecken immer weiter in den Vordergrund.

AT: Sicher ist dann die Entwicklung von automatischen Überwachungssystemen gerade in unwegsamem Gelände ein weiterer notwendiger Schritt?

Dr. Echelmeyer: Selbst bei zehn km Länge ist es nicht mehr praktikabel, das Band manuell zu überwachen. Eine vernünftige Zustandsüberwachung gehört zu den Bandanlagen dazu. Es ist auch eine Schlüsselfunktion für uns, dem Kunden diese Aufgabe abzunehmen. Die Überwachung übernehmen entsprechende Monitoring-Systeme. Intelligente Bänder können auch den Ist-Zustand an die Kontrollsysteme weitergeben, so dass Wartungsarbeiten im Voraus prognostiziert werden können.

AT: Wo sehen Sie die zukünftigen Herausforderungen für Ihren Bereich?

Dr. Echelmeyer: Neben der Entwicklung zu immer längeren Bandanlagen spielt auch der Zeitfaktor eine immer größere Rolle. Wir hatten gerade ein Projekt, bei dem eine alte Deponie abgetragen werden musste. Das sind Projekte, bei denen wir schnell reagieren müssen, da das Material in kurzen Zeiträumen umgelagert bzw. aufbereitet werden muss. Außerdem gibt es eine verstärkte Nachfrage nach Anlagen, die nur temporär an einem bestimmten Ort zum Einsatz kommen. In diesem Fall können modulare Bauweisen eine entscheidende Rolle spielen.

AT: Wird es ganz neue technische Lösungen geben?

Dr. Echelmeyer: Für diesen Aspekt ist es gerade spannend, dass wir uns so breit aufgestellt haben – wir bieten Lösungen für die Zementindustrie, den Bereich Kohle- und Erzaufbereitung aber auch für die Lebensmittelindustrie an. Dabei darf man natürlich nicht den Überblick verlieren, auf der anderen Seite ist es auch sehr interessant für so viele unterschiedliche Bereiche, Anlagen zu entwickeln, Konzepte zu erstellen – vielleicht entstehen daraus auch Querverbindungen, neue Lösungen. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt.

AT: Dr. Echelmeyer, vielen Dank für das interessante Gespräch!

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