Neu- und Umbau aufbereitungstechnischer ­Betriebsanlagen

Das Aufbereitungstechnische Seminar 2014, zu welchem der Bergmännische Verband Österreichs (BVÖ) zusammen mit dem Fachausschuss für Aufbereitung, der Montanuniversität Leoben und der Arbeitsgemeinschaft „Forum Minera­lischer Rohstoffe“ der Wirtschaftskammer Österreich vom 30. bis 31. Januar 2014 nach Leoben/Österreich eingeladen hatte, war in diesem Jahr dem Thema „Neu- und Umbau aufbereitungstechnischer Betriebsanlagen – Von der Projektidee zur kommissionierten Anlage“ gewidmet. 150 Führungskräfte und Fachleute aus Wissenschaft und Forschung, aus der Grundstoff-, wie auch der Zulieferindustrie sowie aus Politik diskutierten vor dem Hintergrund verschiedenster Projekte die wichtigsten Kriterien der Genehmigungsverfahren aus den unterschied­lichen Blickrichtungen der Behörden, der Betreiber, der Auftraggeber, der Planer sowie der Anlagenbauer. Dabei blieben Finanzierung und Garantieleistungen als wesentliche Vertragskomponenten ebenso wenig ausgespart, wie Aspekte des Umwelt- und Lärmschutzes, die bei den Genehmigungsverfahren zunehmend in den Vordergrund treten.

Mit Hilfe der Aufbereitungstechnik wird aus bergmännisch gewonnenem Rohgut ein Rohstoff mit streng definierten Merkmalseigenschaften hergestellt, der sich für die industrielle Weiterverarbeitung eignet. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Helmut Flachberger zeigte in seinem Vortrag „Aufbereitungstechnische Untersuchungen als wesentliche Grundlage für die Verfahrensgestaltung in Aufbereitungsanlagen“, wie wichtig dabei die Rohgutcharakterisierung als Informationsquelle für die Anlagenauslegung in der Aufbereitung ist, um sowohl technisch wie auch wirtschaftlich das beste Ergebnis zu erzielen. Dies gilt nicht nur für primäre Rohstoffe, wie z.B. Erze, Industrieminerale, Salze, etc., sondern auch für Sekundärrohstoffe, wie Schlacken, Schlämme, Stäube oder Späne, etc. Dabei ist vorab zu klären, welcher aufbereitungstechnisch relevante Materialbestand vorliegt, wie die Materialien miteinander verwachsen sind und welche Mineraleigenschaften genutzt werden können, um sie voneinander zu trennen.

Aus der Zusammensetzung eines Minerals lässt sich ableiten, ob mit dem Rohgut aus der Lagerstätte überhaupt die geforderte Produktqualität erzielt werden kann. Die Verwachsungsanalyse gibt u.a. Kenntnis darüber, wie weit das Rohgut zerkleinert werden muss, bis ausreichend Aufschluss für eine Trennung vorliegt. Aus der Zielkorngröße und der Mahlbarkeitsanalyse lässt sich der spez. Energiebedarf ermitteln, mit dem der gewünschte Zerkleinerungsgrad erreicht werden kann. Aus der Merkmalsklassenanalytik erfährt man, welche Eigenschaften zur Verfügung stehen, um die Trennung zu bewirken, und bei welchen Trennschnittlagen die Trennung durchgeführt werden kann. Darüber hinaus ergibt die Rohgutcharakterisierung in der Regel weitere detaillierte Erkenntnisse zu bestimmten Merkmalen des Rohgutes, die sich z.B. störend auf Flotationsverfahren auswirken könnten.

Welchen – zuweilen auch überraschenden Einfluss – die aufbereitungstechnische Rohgutanalytik für prozesstechnische Entscheidungen haben kann, zeigte Prof. Flachberger an verschiedenen Beispielen aus der Praxis. U.a. bei der Aufbereitung von Bergkristallkonzentrat im Haselgebirge im Salzkammergut stellte sich die Frage, ob auch mit physikalischen Methoden ein Bergkristallprodukt erzeugt werden kann. Als Ergebnis der sorgfältigen Rohgutbetrachtung, wird in diesem Fall aufgrund von magnetischen Mineralphasen, die im Nebengestein enthalten waren, inzwischen als zentrales Sortieraggregat ein Magnetscheider eingesetzt.

Am Beispiel der Errichtung einer Goldmahlanlage für den russischen Goldproduzenten Polyus Gold in der Natalka Mine in Ostsibirien (obertägiger Abbau) berichteten Dipl.-Ing. Thomas Plochberger von der CEMTEC Cement and Mining Technology GmbH, Enns/Österreich, über die „Projektierung von Maschinen und Anlagen aus der Sicht eines international tätigen Anlagenbauers“. Am zweiten Veranstaltungstag gab Mag. (FH) Daniela Kristaly, CEMTEC Cement and Mining Technology GmbH, Enns, zum Thema „Projektfinanzierung und Logistik – vom Start bis zum Abschluss von internationalen Investitionsprojekten in der Mineralrohstoffindustrie“ einen spannenden Einblick in die Herausforderungen, die die Abwicklung eines Projektes in dieser Größenordnung mit sich bringt. CEMTEC lieferte nicht nur das mechanische Mahlequipment, sondern auch das gesamte Prozessequipment, und war daher für das gesamte Prozesslayout verantwortlich. Auf der Grundlage bereit gestellter Ergebnisse aus der Rohgutcharakterisierung erstellte das Unternehmen Simulationsmodelle, um sämtliche Massenströme im Kreislauf zu berechnen und darauf aufbauend die Auslegung der gesamten Anlage (inkl. Sieben, Pumpen und Zyklonen) vorzunehmen. Nach Auftragseingang erfolgte die anschließende Fertigung der Anlage in Zusammenarbeit mit langjährigen Fertigungspartnern (u.a. MCE, Voest Alpine, IFE).

Zuvor allerdings wurde die Projektfinanzierung einschließlich Risikoabsicherung sichergestellt, das Transportkonzept einschließlich Risikoabschätzungen wie Hoch-, Niedrigwasser bzw. Eis sowie alle benötigten Genehmigungen und Dokumente für die Verzollung wie auch Versicherungspapiere vorbereitet und insbesondere die Transportroute wie  auch Transportmaße und -gewicht der Anlagenkomponenten mit dem Kunden abgestimmt und festgelegt. Die Verschiffung der gesamten Anlage mit einem Verpackungsgewicht von knapp 4000 Tonnen erfolgte u.a. ab Linz/Österreich bzw. Durban/Südafrika über Antwerpen und Indonesien zum Zielhafen Magadan in Nordostrussland. Nach der Entladung und Verzollung übernahm der Kunde den weiteren Transport per LKW zum Zielort. Im September 2013 konnte mit der Montage der Mahlanlage begonnen werden, die im Laufe des Winters, u.a. bei bis zu -40 °C errichtet wurde. Seither wird die Montage des restlichen Prozessequipments durchgeführt – direkt vom Kunden, allerdings mit Hilfe von 3 CEMTEC-Mitarbeitern. Die Inbetriebnahme wird 2015 erfolgen.

Als wesentliche Voraussetzung für dieses beeindruckende Projekt nannte Thomas Plochberger verschiedene Kriterien. Bereits in der Phase der Vorprojektierung bzw. der Angebotsphase ist ein erheblicher Aufwand erforderlich, u.a. muss ein hoher Dokumentationsaufwand betrieben werden. Darüber hinaus sind im Vorfeld weltweite Referenzen wichtig. Auch sollte eine Exportfinanzierung gesichert sein. Kurze Lieferzeiten, ein konkurrenzfähiger Preis und verschiedene vertraglich gesicherte Prozessgarantien bezüglich Durchsatz, Produktfeinheit und Verfügbarkeit der Anlage haben ebenfalls eine enorme Bedeutung.

Anschließend zeigte Dipl.-Ing. Wolfgang Stoiber von der Lafarge CTEC GmbH, Wien/Österreich, in seinem Vortrag über die „Projektierung von Maschinen und Anlagen aus Sicht eines international tätigen Rohstoffkonzerns“ den Ablauf eines Projektes von der Idee bis zum kontinuierlichen Betrieb einschließlich aller erforderlichen Zwischenschritte. Der Referent beschrieb die verschiedenen Projektphasen und die Projektorganisation mit den jeweiligen Aufgaben und Verantwortlichkeiten bis zur Klärung der Wirtschaftlichkeit wie auch der Machbarkeit eines Projektes. Neben detaillierten Vorgaben für die Ausschreibung, die u.a. auch standardisierte Spezifikationen des Unternehmens enthält, wurden am Beispiel von Vertikalmühlen (Vertikal-Rohmühle, Vertikal-Zementmühle) verschiedene Vertragspunkte beleuchtet, die im Detail festgelegt sind – u.a. bezogen auf Durchsatzleistung, spez. Energie, Produktqualität, Emissionen, Verfügbarkeit, mechanische Garantien (u.a. Lebensdauer der Wälzlager) Verschleiß, Sicherheitskonzept während der Bau- bzw. Montagephase, etc. Selbstverständlich gilt es auch, den vorgegebenen Zeitplan einzuhalten.

Die Wirtschaftlichkeit eines Projektes sollte in jeder Hinsicht gegeben sein. Daher hat ein Rohstoffkonzern als Auftraggeber großes Interesse daran, eine Anlage schnellstmöglich zu planen, zu bauen und ohne wesentliche Nachbesserungen mit der höchstmöglichen Verfügbarkeit gemäß der vereinbarten Vertragsdetails in den kontinuierlichen Betrieb zu nehmen. Nach Inbetriebnahme einer Anlage sollte weder eine Minderleistung noch eine Übererfüllung der geforderten Garantieleistung gegeben sein, denn auch dies kann Schäden und Kosten verursachen.

In ihrem Vortrag „Von der Projektidee zur erfolgreich erneuerten Klinkerproduktionsanlage am Standort St. Leonhard der Zementwerk Leube GmbH“ berichteten Dipl.-Ing. Dr. mont. Günter Waldl, Zementwerk Leube GmbH, St. Leonhard, und Dipl.-Ing. Wolfgang Freimann, A TEC Production & Services GmbH, Krems, über ein gemeinsames Projekt zur langfristigen Sicherung einer nachhaltigen Klinkerproduktion. Nach mehr als 40 Jahren war eine Modernisierung der Produktionsanlage notwendig geworden. Nachdem ab 2006 erste Ideen zur Durchführung des Projektes gesammelt wurden, konnte nach umfangreichen Vorstudien und einer Machbarkeitsstudie 2008 das Genehmigungsverfahren durchgeführt werden. Die Umbauarbeiten starteten im Juli 2009 und bereits nach 15 Monaten unfallfreier Bauphase verließ am 20.10.2010 der erste Klinker die neue Produktionsanlage. Das gesamte Projekt mit einem Investitionsumfang von 31,5 Mio. € wurde von einem werkseigenen Projektteam mit Unterstützung der Firma A TEC Production & Services GmbH umgesetzt. Entsprechend stellte Dipl.-Ing. Dr. mont. Waldl das Gesamtprojekt von der Ausgangssituation über den Projektumfang, die verschiedenen Projektphasen, die Organisation einschließlich Garantien und Projektversicherung, bis zur Inbetriebnahme vor. Während Dipl.-Ing. Freimann Projekt­details, d.h. einzelne Anlagenkomponenten und -konfiguration bis zur Abnahme der erneuerten Anlage und ihre Inbetriebnahme, erläuterte.

Nach dreijähriger Erfahrung mit der neuen Kalziniertechnik berichteten die Referenten übereinstimmend, dass die gesetzten Ziele und Erwartungen voll erfüllt werden konnten und sämtliche Garantiewerte erreicht wurden. Der Termin-, wie auch der Budgetplan wurden eingehalten, und selbst während der Umbauphase gab es keine Produktionsengpässe. In Vergleich zur Altanlage hat sich nach der Inbetriebnahme der Neuanlage der Stromverbrauch um etwa 20 % verringert. Die Emissionsgrenzwerte werden problemlos eingehalten. Die Durchsatzleistung der neuen Ofenlinie lässt sich im Ein-Ofen-Betrieb optimal an die saisonal schwankende Absatzmenge anpassen, und die Flexibilität in Bezug auf unterschiedliche Brennstoffe, Rohmaterialien sowie Produktionsmengen ist gegeben.

Dr.-Ing. Henning Morgenroth, UVR-FIA GmbH, Freiberg, berichtete über „Die neue Aufbereitungsanlage der Erzgebirgische Fluss- und Schwerspatwerke GmbH in Aue (Erzgebirge)“. Nach etwa 40 Jahren Stillstand war in Sachsen Anfang November 2013 wieder ein Bergwerk eröffnet worden. Erste Ideen zu diesem Projekt entstanden 2006, da die Entwicklung der Rohstoffpreise auf dem Weltmark die Erschließung eines bereits in den 1960er Jahren erkundeten Spatvorkommens aus marktwirtschaftlicher Sicht realistisch erscheinen ließen. Nach der 2009 erfolgten Genehmigungserteilung, konnte nach umfangreichen Vorarbeiten zum Bergwerksaufschluss Ende 2013 das erste Roherz aus der Spatgrube in Niederschlag gefördert und zur 40 km entfernten Aufbereitungsanlage in Aue geliefert werden. Unter Tage erfolgen neben dem Abbau des Rohspates (inkl. Versatz der Aufbereitungsberge) bereits die Vorzerkleinerung und eine Bergevorabscheidung. Nach der Mahlung des Roherzes auf < 0,2 mm erfolgen in einer mehrstufigen Flotationsanlage die Abtrennung der Sulfide und Gewinnung eines Fluoritkonzentrates als Säurespat und eines Barytkonzentrates sowie Eindickung und Entwässerung für Produkte und Berge. Geplant ist es, in den kommenden 25 bis 30 Jahren etwa 135 000 t Rohspat jährlich zu fördern. Allerdings besteht derzeit noch Optimierungsbedarf, u.a. hinsichtlich der Endreinheit des Produktes und des Wertstoffaustrags.

Der Nachmittag stand im Zeichen von Garantieforderungen und -leistungen an konkreten Beispielen aus der Sicht von Anlagenbauern und Anlagenbetreibern. Den Beginn machte Dipl.-Ing. Werner Präsoll, Maschinenfabrik Liezen und Gießerei GmbH, Liezen/Österreich mit einer praxisnahen Darstellung der „Verfahrens- und Verschleißgarantien beim Bau von Aufbereitungsanlagen“ am Beispiel einer Nachbrechanlage (Prallbrecher mit Siebanlage) für einen Kalksteinbruch in Algerien. Die Übernahme von mechanischen, verfahrenstechnischen, Verschleiß- und sonstigen Garantien, wie z.B. in Bezug auf Verfügbarkeit oder besondere Maschineneigenschaften sind oft ausschlaggebend für eine Auftragserteilung. Um den Anlagenbetreibern größtmögliche Sicherheit zu geben, aber auch um die Anlagenbauer vor ruinösen Forderungen seitens der Betreiber zu schützen, sind vorab möglichst genaue Definitionen erforderlich – und zwar bezüglich der Rahmenbedingungen (physikalische und chemische Eigenschaften des Ausgangmaterials, Einbausituation für Einzelmaschinen, etc.), der Umgebungsbedingungen (Klima, Anlagenbetriebszeiten), der Durchführung der Garantieläufe und Kriterien der Garantieerfüllung sowie einer finanziellen und auch zeitlichen Begrenzung der Garantieleistung unter Berücksichtigung einer Nachbesserungsphase.

Im Gegensatz zur gesetzlich vorgeschriebenen Gewährleistung stehen Garantieleistungen als zusätzliches freiwilliges Versprechen über ein gewisses Verhalten bzw. über bestimmte Eigenschaften der gelieferten Anlagen, die keiner gesetzlichen Verpflichtung unterliegen. Garantiewerte werden im heutigen Anlagenbau immer mehr zum wirtschaftlichen Faktor. Lieferanten sind bestrebt, über Garantieversprechen Aufträge zu erhalten, während Kunden ihrerseits darüber versuchen, Haftrücklässe nach Projektabschluss einzubehalten. Nicht selten kommt es dabei zu Forderungen nach mehrfachen Garantiewerten, die sich dann gegenseitig ausschließen. In seinem Vortrag über „Garantiewerte bei Mahl- und Sichtprozessen in Theorie und Praxis“ erläuterte Dipl.-Ing. Dr. mont. Jürgen Roth, PMT Jetmill GmbH, Kammern, einige Zusammenhänge, auf deren Grundlage Garantiewerte aufgebaut werden können, die Mechanik, Verfahren und Verschleiß betreffen (s. AT MINERAL PROCESSING 06/2014, S. 67-72). Bei den Verschleißgarantien für Mahlaggregate sollten z.B. nicht nur die Materialkosten für das auszutauschende Element in Betracht gezogen werden; auch der Produktionsausfall während des Stillstands der Anlage ist zu berücksichtigen. Roth beendete seinen Bericht mit dem Appell, dass ein Angebot mit Blick auf die gesamte Lebenszeit einer Investition betrachtet werden sollte, und dass eine gute kooperative Zusammenarbeit zwischen Kunden und Lieferanten auch über den Projektabschluss hinaus wieder zum Vorteil beider Partner in den Vordergrund rücken sollte.

In seinem Vortrag über die „Neue untertägige Aufbereitungsanlage zur Qualitätsverbesserung von Steinsalz im Salzbergwerk Stetten der Wacker Chemie AG – Einsatz von Spezialsiebmaschinen und sensorgestützter Sortierung“ nahm Dipl.-Ing. Alfred Höllerbauer, Wacker Chemie AG, Haigerloch, die Tagungsteilnehmer mit auf eine Zeitreise. Er berichtete über erforderliche Modernisierungsmaßnahmen, die 2004 mit einer Umstellung von der Elektrosortierung auf die Magnetaufbereitung einhergingen. Als Resultat davon konnte neben einer deutlichen Qualitätsverbesserung der Strombedarf des gesamten Bergwerkes halbiert werden. Von großem Wert für anstehende Montagearbeiten untertage war 2008 die Inbetriebnahme des Clara-Stollens als zusätzlicher dritter Zugang zum Salzbergwerk Stetten. Seitdem wurden kontinuierlich weitere Teile der untertägigen Aufbereitungsanlage ersetzt bzw. umgebaut, mit denen die Industriesalzgewinnung weiter optimiert wurde – nicht zuletzt um dem formulierten Ziel einer ausgeglichenen Bergewirtschaft des Unternehmens gerecht zu werden.

Dipl.-Ing. Dr. mont. Roman van Ommen referierte über die „Weltweite Praxis von Maschinen- und Produktgarantien in Aufbereitungsanlagen“. Neben Begriffsbestimmungen zu Gewährleistung, Garantie, Schadenersatz und Produkthaftung gab van Ommen Hinweise, worauf es bei verfahrenstechnischen und Prozessgarantien ankommt, bzw. welche Werte bei der Evaluierung von mechanischen, Verschleiß- und Verfügbarkeits- bzw. kommerzielle Garantien herangezogen werden. Sein engagierter Erfahrungsbericht sorgte für lebhafte Diskussionen, die auch während der anschließenden gemeinsamen Abendveranstaltung fortgeführt wurden.

Der zweite Tag der Veranstaltung begann mit einem Vortrag von Dipl.-Ing. Alexander Kogler, centerline management consulting, Linz/Österreich, zum „Spannungsfeld Investor vs. Anlagenbauer bei der Abwicklung komplexer Investitionsgüterprojekte. Kogler bezeichnet den Industrieanlagenbau als eine der komplexesten Geschäftstätigkeiten, die es zu bewältigen gibt und betrachtet Projektmanagement als Konfliktmanagement. Vor dem Hintergrund einer hohen inhaltlichen, technischen aber auch sozialen und kulturellen Komplexität sind Spannungen und Konflikte aufgrund fehlerhafter Kommunikation in der Regel vorprogrammiert.

Die Beteiligten sollten sich darüber klar sein, dass sie in verschiedenen Prozesswelten mit unterschiedlichen Zielvorstellungen leben. Während der Anlagenbauer nur vorübergehend eingebunden ist und eine rasche Abwicklung komplexer Projekte anstrebt, steht für die Anlagenbetreiber der kontinuierliche Produktionsprozess mit möglichst langfristigem Betrieb der Anlage im Vordergrund. Schon dem Start eines Projektes sollte daher ausreichend Aufmerksamkeit und Zeit gegeben werden. Gegenseitige Erwartungen und Ziele sollten möglichst klar und messbar definiert werden und neben Qualitäts-, Kosten- und Terminzielen auch Kommunikationsstrukturen, Kompetenzen und Zuständigkeiten, den Umgang mit Änderungsprozessen und mögliche Konfliktlösungsstrategien einbeziehen. Betriebs- und Wartungspersonal sollte möglichst frühzeitig in den Prozess eingebunden werden. Außerdem sollte eine exakte und über die gesamte Projektzeit reichende Kommunikationsplanung erfolgen. Regelmäßiges Projektcontrolling und die Akzeptanz der Notwendigkeit von und ein entsprechender Umgang mit Änderungsprozessen sollte ebenso selbstverständlich sein, wie periodische Besprechungen, Dokumentationen und Vermitteln von Lernerfahrungen. Konflikte lassen sich sicherlich nicht immer ganz ausschließen. Mit den geschilderten Maßnahmen sollte es möglich sein, einer Eskalation vorzubeugen bzw. Spannungsfelder zu reduzieren, um zu einem für beide Seiten zufriedenstellenden Abschluss zu kommen.

Worauf es beim „Umbau alter Entstaubungsanlagen auf moderne Jet-Filter“ ankommt, war Thema des Vortrags von Wilhelm Aigner und Stefan Huemer, Scheuch GmbH, Aurolzmünster/Österreich. Ohne eine ordentliche Entstaubung würden viele Produktbearbeitungsprozesse nicht funktionieren. Entstaubung darf dabei nicht nur punktuell betrachtet werden, sondern insgesamt von der Stauberfassung am Entstehungsort und dem Transport in den Rohrleitungen, der Entstaubung in einem Entstaubungsapparat inkl. Staubaustrag über die Unterdruckgenerierung in einem Ventilator bis hin zum geräuscharmen Emittieren durch den Abgaskamin. An verschiedenen Beispielen – u.a. am Umbau eines Elektrofilters im Zementwerk – wurde deutlich, wie wichtig es ist, in jedem Fall die gesamte Entstaubungskette zu erfassen und dabei jedes einzelne Glied auf das nachfolgende optimal abzustimmen, um am Ende eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Entstaubung zu realisieren.

Mag. Manfred Hattenberger, AggloTech GmbH, Ennsdorf, berichtete über die „Realisierung einer Aufbereitungsanlage für Feineisen aus der Roheisenentschwefelung“. Aufgrund der Verwendung schwefelhaltiger Brennstoffe im Hochofenprozess enthält Roheisen immer auch einen gewissen Schwefelanteil, der jedoch auf einen definierten Wert reduziert werden muss, bevor das Roheisen im Konverter zu hochwertigen Stahl umgewandelt werden kann. Bei dem Entschwefelungsprozess fällt unter anderem als Nebenprodukt auch Feineisen < 10 mm an, das noch einen Eisengehalt von ca. 50 % aufweist. Die AggloTech GmbH hatte den Auftrag, für die mechanisch-physikalische Aufbereitung des Feineisens ein entsprechendes Aufbereitungskonzept zu entwickeln.

Hattenberger zeigte den gesamten Entstehungsprozess auf: Von der Problemstellung über erste Forschungsarbeiten und Versuche bei Maschinenherstellern im Technikumsmaßstab mit Verifizierung der Ergebnisse im großtechnischen Maßstab, dem Bau einer Versuchsanlage in Ampflwang als Pilotanlage bis hin zum Bau und Inbetriebnahme der Anlage in Ennsdorf – nicht ohne zuvor ein aufwändiges Genehmigungsverfahren (Dauer etwa 15 Monate) zu durchlaufen, bei dem die Einbindung der Bürgerinitiative eine wichtige Rolle spielte, um das Projekt zu einem auch in der Bevölkerung akzeptierten, positiven Abschluss zu bringen. In der Anlage werden inzwischen drei Produkte generiert: metallische Eisengranalien, welche als Schrott in der Eisen- und Stahlindustrie eingesetzt werden, des Weiteren eisenangereicherte Briketts, die als sekundärer Eisenträger, vergleichbar mit Eisenerzpellets, im Hochofen verwendet werden können und schließlich eine eisenabgereicherte, mineralische Fraktion, die als Sekundärbaustoff bzw. als Zuschlagstoff in der Düngemittelproduk­tion verwendet werden kann. Zuletzt gab es einen Ausblick zur künftigen Ausrichtung der Anlage, u.a. steht eine weitere Optimierung des Produktionsprozesses und der logistischen Abläufe an.

Um die interne betriebliche Planung eines Gesamtprojekts bis zur Ausführung ging es im Vortrag „Project Management for Mineral Processing Plants“ von Robin Marks, Omya International AG, Reinach/Schweiz. Er berichtete über das Projektmanagement System, das im Zuge der Restrukturierung des Unternehmens verbunden mit dem Standortwechsel nach Reinach/Schweiz 2009 von Grund auf neu entwickelt wurde. Das System basiert auf der PMI® Methode und wird seit 3 Jahren erfolgreich zum Initiieren, Planen, Ausführen Überwachen und Steuern sowie Abschließen für alle Projekte des Unternehmens weltweit genutzt. Omya hatte sich für die PMI® Methode entschieden, weil die Standards und die Sprache dieses Systems weltweit anerkannt und es sowohl im Privat- wie im öffent­lichen Sektor im Einsatz sowie für unterschiedlichste Projekte geeignet ist.

Im letzten Vortrag der Veranstaltung zeigte MR Dipl.-Ing. Mag. jur. Alfred Zechling, Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend – Montanbehörde Süd, auf, worauf beim „Neu- und Umbau aufbereitungstechnischer Betriebsanlagen aus behördlicher Sicht“ zu achten ist. Der Neubau einer Aufbereitungsanlage ist in jedem Fall genehmigungspflichtig – je nachdem, ob es sich per Definition um eine Bergbau-, gewerbliche oder Abfallbehandlungsanlage wird dazu die Gewerbeordnung, das Mineralrohstoffgesetz oder das Abfallwirtschaftsgesetz herangezogen. Die wichtigsten Genehmigungskriterien sind dabei Anrainer- und Umweltschutz. Die Zuordnung als Bergbauanlage erleichtert z.B. die Standortwahl, da diese auch in Freiland errichtet werden kann, das nicht als Industriegebiet ausgewiesen sein muss. Auch der Umbau einer bestehenden und bereits bewilligten Anlage ist in der Regel genehmigungspflichtig. Dies entfällt nur, wenn durch die Änderung keine zusätzlichen Emissionen auftreten. Mobile bzw. semimobile Aufbereitungsanlagen gelten als Sonderfälle, die als Bergbauzubehör behandelt werden und als solche keiner Bewilligungspflicht unterliegen.

Mit diesem abschließenden Vortrag erhielten die Tagungsteilnehmer von kompetenter Seite einen umfassenden Einblick in die herrschende Rechtsgrundlage, mit besonderem Hinweis auf die neue Rechtslage im Verwaltungsverfahren, die am 1. Januar 2014 in Kraft getreten ist und mit gravierenden Änderungen für die Durchführung der Genehmigungsverfahren verbunden ist. Mit Spannung dürften daher künftige Erfahrungswerte erwartet werden, ob sich die geänderte Rechtslage und Verfahrensweise in der Praxis bewähren wird.

Der Dank gilt den Veranstaltern, denen es mit ihrer hervorragenden Organisation und Auswahl der Referate wieder gelungen ist, mit dem Aufbereitungstechnischen Seminar 2014 in Leoben zu Jahresbeginn ein erstes Highlight im Veranstaltungskalender zu setzen. Beide Veranstaltungstage waren geprägt von einem hochkarätigen Vortragsprogramm mit vielen ­praxisbezogenen Informationen und Anregungen für strategische Vorgehensweisen zur Sicherstellung einer nachhaltigen Versorgung mit mineralischen Rohstoffen. Es wurde ausreichend Stoff für eine lebhafte und zuweilen auch kontroverse Diskussion in den Pausen und während der Abendveranstaltung geboten. Das nächste Aufbereitungstechnische Seminar wird vom 29.–30.01.2015 in Leoben stattfinden und sicherlich in bewährter Weise ein aktuelles Thema in den Mittelpunkt rücken.

Autorin: Ulrike Mehl, AT MINERAL PROCESSING

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