Treff der Recyclingexperten in Weimar

Vom 19. bis 20.09.2016 trafen sich über 60 Recycling­ experten aus Wissenschaft und Industrie, um sich im Rahmen der vom FIB, dem F. A. Finger-Institut für Baustoffkunde und der ABW, der Vereinigung „Aufbereitung von Baustoffen und Wiederverwertung e. V.“ organisierten Tagung über neueste Trends im Recyclingbereich zu informieren und auszutauschen. Die zum 8. Mal stattfindende Tagung legte ihren Schwerpunkt auf das Recycling von Bauschutt und damit verbunden der Entwicklung nachhaltiger Baustoffe.

Nach den einführenden Worten eröffnete Prof.-Ing. Horst-Michael Ludwig die Tagung mit dem Vortrag „CO2-reduzierte Zemente für nachhaltigen Beton“. Die Entsäuerung des Kalksteins bei der Zementherstellung macht allein 70 % des CO2 aus, das bei der Produktion von Zement entsteht. Daher werden auch von Seiten der Zementhersteller große Anstrengungen unternommen, um praktikable Möglichkeiten zur CO2-Senkung zu finden. Durch den Einsatz von Flugasche, Hüttensand und Kalksteinmehl kann der Klinkeranteil gesenkt werden. Nach weiteren Stoffen, die im Zement eingesetzt werden können, ist man auf der Suche – genauso wie nach mög­lichen CO2-ärmeren Bindern. „Dabei sollte der Dauerhaftigkeit von neuartigen Bindern im Einsatz als Massenzement besondere Beachtung geschenkt werden“, betont Prof. Ludwig.

Im Anschluss wurde der „Nachwuchspreis Baustoffrecycling“ des ABW e.V. vergeben. Der erste Platz ging an M.Sc. Anna-Lena Höhn, Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP Stuttgart, für ihre Masterarbeit zum Thema „Verwendung von aufbereitetem Altbeton zur Porenbetonherstellung“. Mit dem jeweils zweiten Platz wurden die Master-Arbeiten von M.Sc. Stephan Dose, Bauhaus-Universität Weimar, für seine Arbeit „Einfluss rezyklierter, carbonatisierter Gesteinskörnung auf die Frisch- und Festbetoneigenschaften von Recyclingbeton“ und von M.Sc. Stephanie Grümer, HCU Hamburg, REAP Universität für ihre Master Thesis „Economical and Sustainable benefits of recyclable building materials in comparison to conventional building materials“ ausgezeichnet.

Stoffströme

Diesen Programmschwerpunkt eröffnete Dr.-Ing. habil. Regine Ortlepp vom Leibnitz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden mit dem Vortrag „Kartierung des anthropogenen Materiallagers in Deutschland zur Optimierung der Sekundärrohstoffwirtschaft“. Für den Materialfluss wurden Technische Infrastrukturen (Tiefbau), Bauwerke des Hochbaus, Haustechnik und langlebige Güter, wie z.B. Haushaltsgeräte, Heimelektronik betrachtet. Im Ergebnis dieses Projektes liegt eine systematische Erfassung und Einschätzung von Größe und Zusammensetzung des anthropogenen Materiallagers vor. Mit diesen Erkenntnissen kann das Urban Mining im Sinne der Kreislaufwirtschaft strategisch vorangebracht werden.

Auch die sich anschließenden Vorträge widmeten sich den ­Themen Urban Mining und Kreislaufwirtschaft. Eine Fallstudie aus Wien zum Urban Mining stellte Dipl.-Ing. Fritz Kleemann von der Technischen Universität Wien vor.

M.SC. Christian Stier vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie, Pfinztal stellte im Rahmen des Projektes Resource-App einen Demonstrator vor, der in Echtzeit das Rohstoffinventar eines aufgenommenen Gebäudes ermittelt und diese Informationen so aufbereiten und gezielt weitergeben kann, dass Maschinenführer und Maschinen ressourcenoptimiert den Rückbau von Gebäuden vornehmen können.

M.SC. Magdalena Zabek analysierte in ihrem Vortrag „Kreislaufwirtschaft Bauen im Rheinischen Revier“ die Akteure, die für die Entwicklung einer kreislaufgerechten Bauwirtschaft entscheidend sind, sowie deren Zusammenspiel.

Die am Tage noch ungeklärten Fragen konnten während der gemeinsamen Abendveranstaltung im Dorint Hotel Weimar noch ausführlich besprochen und neue Kontakte geknüpft werden.

Sortierung

Der zweite Vortragstag widmete sich dem Schwerpunkt Sortierung – eine Technik, die für den Recyclingbereich einen hohen Stellenwert einnimmt. Dr.-Ing. Elske Linß von der Bauhaus-Universität Weimar untersuchte in ihrer Arbeit „Sensorgestützte Sortierung von mineralischen Bau- und Abbruchabfällen“ VIS- und NIR-Spektren zur Identifizierung von Bauschuttbestandteilen und bescheinigte beiden Methoden ein hohes Potential.

Auch Dr. Andrea Karrasch beschäftigte sich in ihrem Vortrag „Bauschuttrecycling und Gesteinssortierung mit Nahinfrarot Hyperspektralkameras“ mit NIR spektroskopischen Untersuchungen an Baustoffen. Gips, Kalksandstein, Porenbeton, Beton und Ziegel konnten erfolgreich nachgewiesen werden.

 

„Optical Computing zur materialselektiven Sortierung feinkörnigen Bauschutts“, lautete der abschließende Beitrag zum Schwerpunkt Sortierung von Prof. Dr.-Ing. Thomas Längle vom Fraunhofer IOSB in Karlsruhe. Dabei wurde eine Technik vorgestellt, bei der auch eine Sortierung für Korngrößen < 2 mm möglich ist. Eingesetzt wurden dazu eine hochauflösende sowie schnelle Zeilenkamera und die Methode des „Optical Computing“.

 

Betone und Wandbaustoffe, Gips

Die zwei sich anschließenden Themenschwerpunkte „Betone und Wandbaustoffe“ und „Gips“ beschäftigten sich nicht nur mit dem Recycling der genannten Baumaterialien, sondern auch mit den verschiedenen Möglichkeiten eines sinnvollen Einsatzes als sekundäre Rohstoffe.

Dipl.-Ing. Raymund Böing, HeidelbergCement AG stellte in seinem Vortrag „Ressourcenschonender Beton – Werkstoff der nächsten Generation“ die Ausgangssituation für rezyklierte Gesteinskörnungen sowie Forschungsvorhaben und beteiligte Unternehmen und Einrichtungen zum Thema R-Beton vor.

 

Auch die weiteren Themen beschäftigten sich mit R-Betonen, den Eigenschaften von Brechsanden sowie der Verwertbarkeit von Aschen.

 

Den Abschluss des Programmes bildete das Thema Gipsrecycling. Im Baustoffrecycling ist es wichtig, aufgrund der störenden Einflüsse von Gips, Bauschutt und Gipsabfälle getrennt zu recyceln. Aber auch die Wiederverwertung von Gipsplatten war ein Diskussionspunkt.

Die zweitägige Veranstaltung schloss mit dem Vortrag von Prof. Dr.-Ing. habil. Anette Müller, ABW e.V. zum Thema „Recyclingtechnologien – Rückblick und Ausblick“. Ihr Fazit – aufgrund der Überbetonung des Schadstoffaspekts zu Lasten von Technologie- und Produktentwicklungen hat die Verwertung von Bauabfällen in 20 Jahren kaum Fortschritte gemacht. Als zukünftigen Weg eines effektiven Baustoffrecyclings sah Prof. Müller eine gezielte Förderung von Forschung und Entwicklung sowie eine (befristete) Förderungen zur Herstellung und Anwendung von Recycling-Baustoffen.

Die 9. Fachtagung Recycling ist im Herbst 2019 geplant.

www.abw-recycling.de

Autor/Author: Dr. Petra Strunk, AT MINERAL PROCESSING

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