ForumMIRO 2025: Bauturbo,
Rohstoffsicherung, Bürokratieabbau und Digitalisierung
Ende November 2025 war es wieder so weit. Am altbewährten Ort, dem Mercure Hotel Moa in Berlin, startete das ForumMIRO, die Leitveranstaltung und der Treffpunkt der deutschen Gesteinsindustrie, seine Veranstaltung mit dem politischen Auftakt. Aktueller konnte das Thema der interessanten Diskussionsrunde kaum sein: „Infrastruktur-Offensive und Bauturbo – aber woher kommen die Rohstoffe?“
In der Podiumsdiskussion trafen Vertreterinnen und Vertreter aus der Bundespolitik und der Rohstoffwirtschaft aufeinander und diskutierten, wie sich Pläne der aktuellen Bundesregierung in der Realität umsetzen lassen. Ziel der Regierung ist es, mit dem geschaffenen Infrastruktur-Sondervermögen den Investitionsstau aufzulösen, Straßen, Brücken und Schienen zu modernisieren und bezahlbaren Wohnungsraum zu schaffen.
Doch für all dies benötigt die Baubranche eine regionale Rohstoffsicherung, welche nach aktuellem Stand nicht in jeder Region Deutschlands gegeben ist. „Es ist nicht mehr 5 vor 12, es ist mittlerweile nahe 12 Uhr“, so Christian Strunk, Präsident des Verbandes MIRO.
Weiterhin wurde diskutiert, was sich bei Genehmigungen und Planungen ändern müsste, wie man diese Verfahren beschleunigen kann und was letztlich machbar ist. Der Tenor war durchweg, dass die sich teilweise bis zu Jahrzehnten hinziehenden Genehmigungsverfahren rapide vereinfacht und beschleunigt werden müssen. Genehmigungsfiktion war hier ein Vorschlag, der sich durch die ganze Veranstaltung zog.
Im anschließenden Get-Together hatten die Teilnehmer bei einem lockeren Buffett und Getränken die Möglichkeit des Austausches, Kennenlernens und Weiterdiskutierens.
Der erste Veranstaltungstag begann mit der Mitgliederversammlung, die u.a. den Präsidenten Christian Strunk wiederwählte. Dieser eröffnete dann am späten Vormittag das ForumMIRO offiziell. In seiner Eröffnungsrede machte Christian Strunk noch einmal sehr deutlich, dass Deutschland zwar ein rohstoffreiches Land sei, und ausreichend mineralische Rohstoffe vorhanden seien, es aber nicht ausreichend Genehmigungen gäbe. Die Konsequenz daraus ist: sollte die Wirtschaft anziehen, können Baustellen ggf. nicht mit Rohstoffen versorgt werden. „Der Wille zum Machen muss sich ändern“, so der Präsident des Verbandes MIRO.
Stefan Rouenhoff, Parlamentarischer Staatssekretär aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, machte in seinem politischen Grußwort deutlich, dass die aktuelle Rohstoffsituation, wie Christian Strunk sie beschrieben hat, nicht nur notwendig für den geplanten Bauturbo der Regierung sei, sondern auch für den Vollzug der energiepolitischen Wende. So werden Rohstoffe u.a. für den Bau von Windkraftanlagen benötigt.
Der Abbau der mineralischen Rohstoffe in Deutschland soll vereinfacht werden, so steht es im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung, doch die Rahmenbedingungen sind, z. B. durch gestiegene Produktions- und Lohnkosten, schwieriger geworden. Das Problem: „Ohne mineralische Rohstoffe kann nichts in Deutschland gebaut werden“, so Rouenhoff. Was aktuell schon gut funktioniert, ist die Kreislaufwirtschaft, so werden Recyclingbaustoffe im Tiefbau bereits gut eingesetzt.
Ein weiterer Themenpunkt der Eröffnungsreden war die Nachwuchsförderung. Auch hier muss weiter Informationsarbeit geleistet werden, denn aktuell gibt es in diesem Jahrgang viel zu wenig Studienanfänger in den für die Gesteinsindustrie relevanten Studiengängen.
In der folgenden Festansprache von Boris Palmer, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, wurden die Forumsteilnehmer auf unterhaltsame Art mitgenommen, welche Diskussionen und Hürden in der alltäglichen Umsetzung von Baumaßnahmen und Genehmigungsverfahren zu meistern sind und zu welchen, teilweise sinnfreien, Entscheidungen dies führen kann und wozu der Genehmigungsstau und der Behördenwahnsinn letztlich real führen können. Der Bürokratieabbau sowie die Vereinfachung der Genehmigungsverfahren standen hier ganz klar im Vordergrund.
Am Nachmittag begannen die begleitenden Workshops. Im ersten Workshop zum Thema „Maschinen und Service der Zukunft“ stellte die Firma Magotteaux ihr PPT Modell vor, ein produktionsbasiertes Bezahlmodell, um Maschinen optimal und kosteneffizient einzusetzen. Die Firma Simatec führte die Teilnehmer anhand eines großen Infrastrukturprojektes in die Thematik ein, welches die beste Brechsandaufbereitung ist, die Trocken- oder Nassaufbereitung.
Abschließend brachte Prof. Dr. Tobias Vraetz ein weiteres zukunftsträchtiges Thema auf, nämlich der KI-Einsatz in den unterschiedlichsten Bereichen, sei es zur Planung und Entwicklung, zur Produktion und Anlagensteuerung.
Da Klimaschutz beim Gesteinsabbau eine große Rolle spielt, erfuhren die Forumteilnehmer in einem weiteren Workshop, ob die Rohstoffgewinnung ein Risiko für die Biodiversität darstellt, bevor Klaus-Jürgen Boos die Zuhörer ein Forschungsprojekt zum Thema „Auswirkungen schwimmender Photovoltaik auf die Gewässergüte von Baggerseen“ vorstellte.
Julia Müller von der Firma EcoVadis referierte zum Abschluss über das Thema der Nachhaltigkeitsbewertungen. Sind diese ein Image- oder ein Vorteilsfaktor? Wie wichtig sind solche Arten von Bewertungen und was ist ein messbarer Qualitätsfaktor?
Parallel zu den genannten Workshops fand, wie auch in den Vorjahren, eine Ausstellung in den Räumlichkeiten des Hotels Moa statt. Zahlreiche namhafte Unternehmen aus dem Bereich der Steine-Erden-Industrie nutzten die Gelegenheit, die Besucher über ihre Produkte und Neuentwicklungen zu informieren und über aktuelle Themen mit den Teilnehmern zu diskutieren.
Da, wie eingangs in den Eröffnungsreden angesprochen, die Rohstoffindustrie auch notwendig für die Realisierung der Energiewende ist, war natürlich auch das Handling von Energie und -kosten ein entscheidendes Thema einer weiteren Workshopreihe des ForumMIRO. Welche innovativen Energiespeicherlösungen gibt es und wie kommen diese zum Einsatz, oder aber welche Auswirkungen hat die CO2-Bepreisung der Bundesregierung? Dies waren nur einige der Fragen, die in dieser Workshopsession intensiv diskutiert wurden.
Bevor es in die Abendveranstaltung ging, kam auch der anfangs thematisierte Bürokratieabbau zur Sprache – sowohl mit den Regelungen in Deutschland als auch mit denen der EU. Der Clean Industrial Deal vs. Green Deal: ist es ein Gegensatz oder eher ein Doppeldeal? Joel Huckels versuchte zum Abschluss zu klären, inwieweit KI eine Chance bei den Genehmigungsverfahren sein kann und wieweit der Einsatz der KI tatsächlich den Bürokratieabbau vereinfachen kann oder es bereits tut.
Die Abendveranstaltung, die gerne zum intensiven Austausch und Networking genutzt wird, fand diesmal in Europas größtem innerstädtischen Beachclub statt – die Beach Mitte Berlin. Hier trafen sich die Teilnehmenden bei entspannter und lockerer Atmosphäre.
Der zweite Veranstaltungstag begann mit zwei weiteren spannenden Workshopreihen. Während in der einen Reihe zum Thema Arbeitssicherheit – Kosten runter und Sicherheit rauf – diskutiert wurde, beschäftigte sich die zweite Reihe mit dem Thema der Rechtssicherheit. Auch hier stand im Fokus, wie man diese Art von Problemen schnell und effektiv lösen kann, statt diese weiter aufzubauschen. Das EU Restoration Law war hier eines der zu diskutierenden Themen.
Timm Rotter nahm die Zuhörer abschließend mit in die Diskussion, wie man den bereits mehrfach angesprochenen KI-Einsatz letztlich auch rechtssicher nutzen kann.
Nachdem im vorletzten Workshop das Thema Personalmanagement und die Digitalisierung diskutiert wurde und auch, inwieweit hier KI sinnvoll zum Einsatz kommen kann bzw. wie dem aktuellen Personalmangel entgegengewirkt werden kann, ging es in dem parallel laufenden Workshop um die Fragestellung, inwieweit die Rohstoffsicherung angesichts des Infrastruktur-Sondervermögens der Bundesregierung gesichert ist. Und damit schloss sich der Kreis zu der politischen Diskussion am Beginn der Veranstaltung.
Klar ist, dass sich die Bautätigkeit zunehmend in Richtung Bestandserhaltung statt Neubau entwickeln wird, aktuell die Sekundärrohstoffe aus der Kraftwerkswirtschaft rückläufig sind und es fraglich ist, ob die Rohstoffe noch bis 2045 bereitgestellt werden können.
Fest steht, dass sich etwas ändern muss, Genehmigungsverfahren massiv beschleunigt werde müssen, mit und ohne KI-Einsatz. Der Wille, etwas zu ändern muss vorhanden sein und die Regierung muss an ihrem Wahlversprechen und dem Koalitionsvertrag festhalten und diesen umsetzen.
Schön wäre es, wenn sich beim nächsten ForumMIRO im November 2027 spürbar etwas in dieser Richtung verändert hat.
