SPG-Pumpen und das ORCA-Projekt bei OTTO DÖRNER
Die Aufbereitung mineralischer Primär- oder Sekundärrohstoffe ist häufig mit feststoffbeladenen, abrasiven Suspensionen verbunden. Mit dem Projekt „ORCA“ investiert die OTTO DÖRNER Kies und Deponie GmbH an ihrem Standort Seevetal in eine Nassaufbereitungsanlage für Boden-/Bauschuttgemische. Ziel ist es, schwierigere Stoffströme hochwertig aufzubereiten und unter anderem Betonzuschlagstoffe in gleichbleibend hoher Qualität bereitzustellen – ein wichtiger Baustein für mehr Kreislaufwirtschaft im Bausektor.
Die Anlage wird im Rahmen des Umweltinnovationsprogramms des Bundes gefördert und gilt als eine der ersten ihrer Art im norddeutschen Raum. Um die stoffbeladenen Prozesswässer überhaupt erst in dem geschlossenen Wasser- und Stoffkreislauf der ORCA-Anlage führen zu können, sind robuste und passend ausgelegte Pumpen der SPG Slurry Pumps Germany GmbH wesentliche Anlagenbestandteile.
Hinter den robusten Panzerpumpen des in Bünde ansässigen Unternehmens steckt eine langährige Erfahrung. Das Portfolio von SPG umfasst die komplette Auslegung, den Service, die Ersatzteilversorgung und die Reparatur von SPG-Pumpen. SPG-Panzerpumpen finden sich vor allem in den Bereichen der Kies- und Sandindustrie, Stahlverarbeitung, Porenbetonherstellung oder Bergbau, dabei können Fördermedien bis zu Korngrößen von 300 mm bewegt werden. Je nach Kundenanforderung können die Panzerpumpen modular konfiguriert werden. Genau diese Pumpen passten perfekt in das ORCA-Projekt, wobei ORCA für OTTO DÖRNER Recyclinganlage steht. SPG lieferte insgesamt 15 Pumpen für drei Anlagenbereiche.
Am Standort Seevetal (Niedersachsen) entstand mit einem Investitionsvolumen von rund 22 Mio. € das bislang größte Einzelprojekt der Unternehmensgruppe, wobei rund 2,7 Mio. € aus dem Förderprogramm „Umweltinnovationsprogramm“ des Bundesumweltministeriums stammen. Die Anlage soll Gesteinsmaterial aufbereiten und hochwertige Recyclingbaustoffe produzieren. ORCA ist im Wesentlichen eine Nassklassierungsanlage für mineralische Baustoffe, bei der das Prozesswasser aufbereitet und in einem geschlossenen Kreislauf gefahren wird. Die Aufbereitung der mineralischen Abfallstoffe erfolgt bis zu einer Feinkornfraktion 0 – 2 mm, Verunreinigungen durch organische Leichtstoffe werden aus dem Prozess ausgeschieden. Damit trägt die OTTO DÖRNER Gruppe dazu bei, mineralische Bau- und Abbruchabfälle als Ressource für sekundäre Baustoffe zu nutzen.
Das Team der AT MINERAL PROCESSING sprach vor Ort in Seevetal mit dem technischen Projektleiter Simon Gühlstorf von OTTO DÖRNER sowie dem Vertriebsleiter der SPG Slurry Pumps Germany GmbH, Andreas Laag, über Motivation, Anlagentechnik, Pumpenauslegung und die Rolle hochwertiger Sekundärrohstoffe im Markt.
AT MINERAL PROCESSING: Beginnen wir mit einem Blick auf die Unternehmensgruppe: Wo ordnet sich die OTTO DÖRNER Kies und Deponie GmbH im Konzern ein und welche Rolle spielt der Standort Seevetal?
Simon Gühlstorf: Wir sind innerhalb der OTTO DÖRNER Gruppe für den Bereich Kies und Deponie zuständig. Die Gruppe gehört in Norddeutschland zu den führenden Unternehmen der Entsorgungsbranche und der mineralischen Baustoffe – vor allem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. Firmensitz ist Hamburg-Stellingen.
Hier in Seevetal betreiben wir einen großen Standort mit Rohkiesabbau inklusive Wäsche, einer Deponie der Klasse DK I, einem Kompostplatz sowie einer Recyclinganlage. Im Portfolio haben wir die klassische Palette eines Kieswerks: betontaugliche Sande, Füllsande, verschiedene Körnungen von 2/8 über 8/16 bis 16/32. Über einen Umschlaghafen in Hamburg-Harburg können wir zudem Schotter- und Splittprodukte anbieten, die wir geologisch bedingt nicht selbst gewinnen können.
Dazu kommen typische Recyclingprodukte wie Recycling-Schottertragschichten, Frostschutzschichten und Mischrecyclingmaterialien für Baustraßen. Wir betreiben einen Kompostplatz mit Kompost und Substraten für den Landschaftsbau und nehmen über die DK-I-Deponie mineralische Abfälle an. Alles, was stofflich noch sinnvoll zu verwerten ist, wird über unsere Trockenaufbereitung recycelt – und künftig eben zusätzlich über die neue Nassaufbereitungsanlage ORCA.
Am Standort Seevetal sind nach heutigem Stand rund 65 Mitarbeitende tätig; gruppenweit liegt die Mitarbeiterzahl bei etwa 1300.
AT MINERAL PROCESSING: Warum haben Sie sich für den Bau einer Nassaufbereitungsanlage entschieden – und wofür ist ORCA ausgelegt?
Simon Gühlstorf: Wir wollten Stoffströme erschließen, die bislang im Erdreich verschwunden sind. Der Hintergrund ist klar: In der linearen Wirtschaft gehen uns wertvolle Ressourcen verloren. Natürlich kann man auch sagen, „Kies ausheben und wieder verfüllen“ sei eine Form der Kreislaufwirtschaft – das stimmt. Aber insbesondere bei Hochbauabfällen und Boden-/Bauschuttgemischen gibt es viele Materialströme, die wir bislang nicht so hochwertig wieder in Verkehr bringen konnten, wie es eigentlich möglich wäre.
Genau hier setzt ORCA an. Wir wollen Materialien verwerten, bei denen wir heute noch Schwierigkeiten haben, sinnvolle Verwertungswege zu finden. Gleichzeitig möchten wir Produkte in einer Qualität herstellen, die eindeutig hochbautauglich ist – insbesondere Betonzuschlagstoffe.
Die Anlage ist für Boden-/Bauschutt-Gemische ausgelegt, also vor allem für Beton, Ziegel und entsprechende Mischmaterialien. Als klassische Waschanlage macht sie insbesondere bei bodenhaltigen, „schwierigen“ Stoffen Sinn, die trocken kaum hochwertig aufzubereiten sind. Einen sauberen, vorsortierten Betonbruch kann man auch trocken gut verarbeiten – für unser Ziel, mehr problematische Stoffströme in hochwertige Produkte zu überführen, brauchen wir aber den apparativen Aufwand der Nassklassierung.
AT MINERAL PROCESSING: Was konnten Sie mit der bisherigen Trockenaufbereitung nicht leisten, was nun mit ORCA möglich wird?
Simon Gühlstorf: In der Trockenaufbereitung arbeiten wir mit Brechern, Siebanlagen, Metallabscheidern und Windsichtern. Das funktioniert bis zu einem gewissen Punkt sehr gut. Aber Siebanlagen stoßen bei hohen Schluffanteilen schnell an Grenzen, sie setzen zu. Windsichter können zwar nach Dichte trennen, aber keine sandhaltigen Fraktionen in dem Maße differenzieren, wie wir es für hochwertige Produkte brauchen.
Kurz gesagt: Bei bestimmten Gemischen gelingt es uns trocken nicht, die Stoffe so sauber zu separieren, dass am Ende eine wirklich hochwertige Wertstofffraktion steht.
In der Nassaufbereitung ist das anders. Dort kombinieren wir mehrere Dichte- und Korngrößentrennungen:
Im Körnungsbereich arbeiten wir neben einem Windsichter mit einer Setzmaschine.
Durch das Waschen haben wir eine Schwimm-Sink-Trennung.
Im Sandbereich nutzen wir mehrere Zyklonstufen sowie einen Aufstromsortierer zur Dichtetrennung.
Das Ergebnis sind schluffarme Materialien, die sowohl nach Dichte als auch nach Korngröße definiert eingestellt sind. Wenn man ehrlich ist: Genau aus denselben Gründen waschen wir unseren Rohkies. Nur ist der Rohkies geogen bedingt meist „sauberer“. Bei Recyclingmaterial braucht es noch etwas mehr apparativen Aufwand – diese Investition war es uns aber im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft wert.
AT MINERAL PROCESSING: In welchem Stadium befindet sich die Anlage aktuell (Stand Mitte September 2025)?
Simon Gühlstorf: Wir sind mitten in der Inbetriebnahme. Die kalte Inbetriebnahme hat stattgefunden, alle Aggregate sind einzeln angelaufen. Der Wasserkreislauf ist zu etwa 95 % in Betrieb – das heißt, prinzipiell funktioniert alles, an einigen Stellen gibt es noch einige Nachjustierungen.
Die Auswahl und Auslegung der Pumpen passt, was uns natürlich sehr freut. Wenn der geschlossene Wasserkreislauf stabil läuft, ist der nächste Schritt, Material aufzuschalten und die Anlage im Warmbetrieb durchzutesten.
AT MINERAL PROCESSING: Sie schauen ja stark auf hochwertige Sekundärrohstoffe. Wie schätzen Sie den Markt ein: Ist die Nachfrage da, oder mangelt es an der Akzeptanz in Planung und Ausschreibung?
Simon Gühlstorf: Die Zahlenlage zeigt deutlich, dass die Nachfrage höher ist als der aktuelle Output. Es werden weiterhin zusätzliche natürliche Ressourcen anthropogen gebunden – also neu in den Bestand eingebracht – und nicht ausreichend durch Sekundärmaterial ersetzt.
Trotzdem ist die Zurückhaltung in Ausschreibungen und bei Bauherren ein wesentlicher Punkt: Es wird nicht so viel Recyclingmaterial eingesetzt, wie möglich wäre. Unter dem Strich würden wir sicher mehr Material absetzen, wenn konsequent auf Sekundärrohstoffe gesetzt würde.
Vieles spiegelt sich am Ende im Preis wider: Wie teuer ist die Entsorgung minderwertiger Materialien, wie teuer ist es, sie aufzubereiten und zu welchem Preis können wir sie im Wettbewerb zu Naturprodukten verkaufen?
Wenn ich ein schlechtes Ausgangsmaterial habe, wenig Entsorgungsentgelt und hohe Aufbereitungskosten, kann ich es am Markt nicht zu einem konkurrenzfähigen Preis anbieten. Dann lohnt sich die Aufbereitung nicht.
Pauschal lässt sich nicht sagen, ob Recyclingprodukte teurer sind als Primärmaterialien. Für unsere Anlage haben wir bewusst mit Marktpreisen für Betonzuschlagstoffe kalkuliert. Würden wir doppelte Preise ansetzen, hätten wir sofort ein Absatzproblem.
Dazu kommen Vorbehalte in der Praxis: Es gibt mit der Ersatzbaustoffverordnung und den einschlägigen TL-Regelwerken klare Einsatzmöglichkeiten, z. B. für RC2- oder RC3-Material unter versiegelten Flächen. Da würden wir uns noch mehr Mut wünschen. Im Bereich Recyclingbeton hatten wir bislang ein klassisches Henne-Ei-Problem: Große Mengen an Recyclingzuschlagstoff wurden selten vorgehalten, weil sie nur sporadisch nachgefragt wurden – und umgekehrt.
Mit ORCA gehen wir den nächsten Schritt: Wir wollen wie ein „richtiges“ Kieswerk auftreten, das auch aus Bauschutt jeden Tag definierte Mengen liefern kann – beispielsweise 1000 t Zuschlagstoff – mit der Qualität, die ein Transportbetonwerk braucht, um damit verbindlich planen zu können.
AT MINERAL PROCESSING: Wie ist die Verbindung zu SPG zustande gekommen und welche Rolle spielen die Pumpen in der Anlage?
Simon Gühlstorf: Nachdem das grundlegende Anlagenkonzept stand und wir Genehmigungen und Budget geklärt hatten, ging es an die Auswahl der Lieferanten. Im Pumpenmarkt kennt man sich – es gibt nicht unendlich viele Anbieter, die in diesem Segment unterwegs sind.
SPG kam für uns aus mehreren Gründen in Frage: die räumliche Nähe (Bünde ist für uns „um die Ecke“), der gute Ruf der Pumpen, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen aus dem Werk in Bünde und ganz wesentlich – die fachliche Unterstützung bei der Auslegung.
Ich bin 2021 in das Projekt eingestiegen, und wir sind sehr früh mit SPG ins Gespräch gekommen. Die Zusammenarbeit war von Beginn an angenehm und konstruktiv. Die Kollegen haben uns bei der Wahl der Baugrößen, Werkstoffe und Abdichtungen unterstützt, was bei einer so komplexen Nassaufbereitungsanlage ein echter Mehrwert ist.
AT MINERAL PROCESSING: Herr Laag, was war aus Ihrer Sicht entscheidend für das Gelingen des Projekts?
Andreas Laag: Für uns war es sehr positiv, dass wir sehr früh in das Projekt eingebunden waren. Wenn wir von Anfang an bei der Rohrleitungsplanung mit am Tisch sitzen, können wir die Auslegung der Pumpen optimal auf die Anlage abstimmen.
Wichtig sind dabei vor allem:
Strömungsgeschwindigkeit und Sinkgeschwindigkeit in den Rohrleitungen: Wird die Rohrleitung zu groß dimensioniert, droht Absetzen des Feststoffs. Die Folge wären Verstopfungen und eine „immer kleiner werdende“ Rohrleitung.
Druckverluste und geodätische Höhenunterschiede: Sie bestimmen zusammen mit der gewünschten Fördermenge den Betriebspunkt der Pumpe.
Wenn wir wissen, welches Gemisch – also wie viel Wasser mit welchem Feststoffanteil – an welcher Stelle ankommen muss, können wir sehr genau sagen, welcher Rohrleitungsdurchmesser und welcher Pumpentyp sinnvoll sind.
Natürlich ändern sich im Projektverlauf manchmal Leitungswege, Höhen und Längen. Im Fall von ORCA konnten wir die ursprüngliche Pumpenauswahl aber weitgehend halten; am Ende wurden hauptsächlich die Drehzahlen angepasst. Das spricht dafür, dass das Konzept von Anfang an stimmig war.
AT MINERAL PROCESSING: Wie gut arbeiten die Pumpen jetzt in der Inbetriebnahme?
Andreas Laag: Wir sind mit der Performance sehr zufrieden. In der kalten Inbetriebnahme zeigte sich, dass die Pumpengrößen gut gewählt sind. Ein Regler ist nur so gut wie das Aggregat, das er regelt – wenn die Pumpe nicht zum System passt, hilft die beste Regelung nichts.
Wir sind sehr zufrieden. Die Pumpen lassen sich sauber anfahren, sie liefern die erforderlichen Fördermengen und wir müssen sie nicht künstlich „totdrosseln“, weil sie überdimensioniert wären.
Das ist aus zwei Gründen wichtig – zum einen arbeiten die Pumpen so im optimalen Wirkungsgradbereich, zum anderen vermeiden wir unnötige Energieverluste durch zu große Pumpen.
Und falls im späteren Betrieb doch einmal etwas passieren sollte, haben wir in Bünde einen umfangreichen Lagerbestand – sowohl an kompletten Pumpen als auch an Ersatzteilen. Das ist für Betreiber ein zentraler Punkt: Im Störfall muss schnell Ersatz verfügbar sein.
AT MINERAL PROCESSING: Ein kurzer Blick zu der SPG Slurry Pumps Germany GmbH: Seit wann gibt es das Unternehmen und wo liegen die Schwerpunkte?
Andreas Laag: SPG wurde vor etwas mehr als zehn Jahren von Reinhard Langer gegründet. Später hat er SPG an seinen Sohn Jens Langer übergeben, der das Unternehmen in wirtschaftlich nicht ganz einfachen Zeiten übernommen und konsequent weiterentwickelt hat.
Heute sind wir in einer komfortablen Position: Trotz schwieriger Baukonjunktur wächst unser Geschäft, weil wir als relativ kleines Unternehmen schon mit wenigen zusätzlichen Prozent Marktanteil deutlich zulegen können.
Für uns sind drei Punkte zentral:
Großer Lagerbestand an Pumpen und Ersatzteilen, um kurze Lieferzeiten zu gewährleisten.
Intensive Beratung: Wir stimmen Rohrleitungen, Strömungsgeschwindigkeiten, Werkstoffe und Abdichtungskonzepte eng mit den Kunden ab.
Spezialisierung auf abrasive Medien, wie sie etwa im ORCA-Projekt auftreten.
AT MINERAL PROCESSING: Was wünschen Sie sich mit Blick in die Zukunft – technisch und marktseitig?
Simon Gühlstorf: Technisch wünschen wir uns natürlich eine stabile, robuste Anlage, die die erwarteten Qualitäten liefert. Die ersten Tests stimmen uns zuversichtlich.
Marktseitig wäre es wichtig, dass sich Planer und Auftraggeber noch stärker für Sekundärrohstoffe öffnen – insbesondere dort, wo die Regelwerke es bereits heute erlauben. Wenn Ausschreibungen konsequent Recyclingmaterial vorsehen, wird auch die Investition in hochwertige Aufbereitungstechnik leichter darstellbar.
Mit ORCA schlagen wir aus unserer Sicht eine Brücke: Wir zeigen, dass man aus „schwierigen“ Boden-/Bauschuttgemischen hochwertige Produkte bis hin zum Betonzuschlagstoff herstellen kann. Und wir können diese Qualitäten in relevanten Mengen liefern. Wenn das am Markt angenommen wird, ist viel gewonnen – für uns als Unternehmen, aber vor allem für die Kreislaufwirtschaft im Bau.
