Maximaler Klimaschutz beim Bauen ist möglich

Brechsand ersetzt Klinker in Zementherstellung – Feess hat Rahmenvertrag mit Holcim

Um CO2 zu reduzieren und Brechsand zu recyceln, der beim Aufbereiten von Bauschutt zu Rezyklat bislang als Abfallprodukt anfiel, darf seit Herbst 2025 dieses mineralische Material der Zementherstellung als Füllstoff beigemischt werden. Hier ersetzt es gemäß einer VDZ-Richtlinie bis zu 20 % Klinker, der bei 1400 Grad gebrannt wird, woher dessen hohe Klimabelastung rührt. Bei diesem Brennvorgang entstehen in der Zementindustrie die CO2-Emissionen. „Diese neue Möglichkeit, den Sand zu verwerten, revolutioniert das Bauschuttrecycling,“ jubelt Walter Feess in Kirchheim/Teck.

Walter Feess (r.) instruiert einen Monteur: Bei Feess bricht und separiert eine gigantische Sortieranlage seit rund einem Jahr den mineralischen Bauschutt in dutzende Fraktionen. Seit Herbst wird auch der Brechsand verwertet
© Feess

Walter Feess (r.) instruiert einen Monteur: Bei Feess bricht und separiert eine gigantische Sortieranlage seit rund einem Jahr den mineralischen Bauschutt in dutzende Fraktionen. Seit Herbst wird auch der Brechsand verwertet
© Feess
Der 72-Jährige gilt als Pionier des Bauschuttrecyclings, wofür er schon 2016 den Deutschen Umweltpreis verliehen bekommen hatte. Sein Credo: Den mineralischen Brechsand nicht im Tiefbau einmalig als Füllstoff zwischen Rohren und Grabenverfüllungen minderwertig vergraben oder gar deponieren, sondern im Hochbau permanent im Wertstoffkreislauf halten. Da beim Aufbereiten von Bauschutt und Altbeton je etwa drei Viertel Rezyklat und ein Viertel Brechsand anfallen, von denen letzterer aus Bauschutt bis Herbst 2025 entsorgt werden musste, sofern er Sulfat bspw. aus Gips enthielt, verbessert sich die Kalkulation des Recyclings gegenüber der herkömmlichen Ressourcengewinnung grundlegend, wenn auch der Brechsand hochwertig verwendbar ist.

Feess: „Jetzt können 100 % des mineralischen Altmaterials in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden.“ Zur Orientierung: Auf den sechs Wertstoffhöfen von Feess, der in der Region Stuttgart 250 Mitarbeiter beschäftigt, fallen jährlich auf Grund der aufwändigen Aufbereitung 25 000 t Brechsande an. Mit dem Zementhersteller Holcim (Süddeutschland) haben die Kirchheimer mittlerweile einen Vertrag, wonach sie ihm im ersten Schritt bis zu 5000 t Brechsand pro Jahr für dessen Zementherstellung in Dottenhausen, an der B27 zwischen Tübingen und Rottweil, liefern dürfen.

Holcim vertreibt diesen Zement unter dem Namen „Susteno“ als R-Zement für zirkuläres Bauen. Holcim Susteno 4 N, so der Markenname, ist laut Homepage ein Portlandkompositzement (CEM II/C-M (T-F) 42,5 N) der DIN EN 197-6 in der Festigkeitsklasse 42,5 N. Die Hauptkomponenten bestehen aus Portlandzementklinker, gebranntem reaktivem Schiefer und besagtem Recyclingsand in der Beschaffenheit Typ 2 (auch aus Bauschutt). Der Portlandzementklinker sorgt für die Festigkeit, der gebrannte Schiefer für das Nacherhärten und der RC-Brechsand belegt, dass dem Rückbau der Materialkreislauf folgt, woraus eine bessere CO2-Quote resultiert.

Die mangelnde Verwertung des Brechsandes war bisher für viele Entsorgungsunternehmen der Grund, nicht in das Recycling des Bauschutts einzusteigen. Denn die Margen sind auf Grund des hohen Personal- und Energieaufwands und des Platzbedarfs knapp kalkuliert. Und für die Betonhersteller, die für jede Rezeptur eigene Silos benötigen, sind einzelne Mischungen nur dann lukrativ, wenn sie kontinuierlich nachgefragt werden.

Feess sieht all diese Engpässe nun schwinden, wenn die Bekanntheit der CO2-reduzierten Typen beim Zement (mit Brechsand) und beim Beton (mit Rezyklat) steigt und sie von Architekten und Bauherren vermehrt ausgeschrieben und nachgefragt werden. Mehr noch: Weil die Kirchheimer seit gut einem Jahr flüssiges CO2 in Brechsand und Gestein eindampfen, kann in Zement und Beton zusätzlich klimaschädliches Kohlendioxid gebunden werden. „Mehr Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz beim Bauen sind aktuell nicht möglich,“ sagt Visionär Walter Feess, der Millionen € in seine technischen Anlagen investiert hat, um „enkeltauglich“ zu arbeiten, wie der neunfache Opa immer wieder betont.

Dem Vernehmen nach plant die niederländische Regierung, mineralisches Rezyklat künftig nur noch im Hochbau zu erlauben. Denn im Boden verfülltes Material, so die Argumentation, ist nicht recycelbar. Übergangsweise sollen ab 2027 Quoten vorgeschrieben werden, die jährlich steigen, so dass sich die heimische Wirtschaft anpassen kann. Zum Vergleich: Laut Bundesverband Transportbeton gab es 2025 1800 Betonwerke, die 36,8 m³ Beton produzierten. Auf Grund der schwachen Baukonjunktur war das Volumen stark rückläufig.

www.feess.de

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