Baustoffrecycling in Europa

Am 23. September 2016 veranstaltete die European ­Quality Association for Recycling e.V. (EQAR) in Bratislava/Slowakei anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens den EQAR-Kongress zum Thema „Baustoffrecycling in Europa“. Der EQAR-Kongress macht den Handlungsbedarf für mehr Recycling von Baustoff- und Abrissschutt in Europa zum Diskussionsthema.

In seiner Eröffnungsrede betonte EQAR-Präsident Manfred Wierichs, dass der Stand des Baustoff-Recyclings in den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich sei, obwohl das Baustoff-Recycling auch zur Abfallvermeidung sowie zum Schutz unserer europäischen Landschaftsräume unverzichtbar ist. Die EQAR setzt sich daher für eine Förderung des Baustoff-Recyclings sowie für eine uneingeschränkte Produktanerkennung qualitätsgesicherter Recycling-Baustoffe ein.

In der beim EQAR-Kongress stattgefundenen Podiumsdiskussion wurde der diesbezügliche Handlungsbedarf an Beispielen konkretisiert. Aus Tschechien etwa wurde berichtet, dass in einer urbanen Region (4 km vom Stadtzentrum entfernt) die Ablagerung von 700 000 t Bauschutt pro Jahr als „Pseudo-Rekultivierung“ anzusehen ist, die jedoch trotzdem genehmigt wurde. Dies macht dort das großräumige Baurestmassenrecycling nahezu unmöglich. Für die Slowakei wurde dargestellt, dass seitens des zuständigen Umweltministeriums kein Interesse für die Verbreitung des Recyclings von Bau- und Abbruchabfällen zu erkennen ist. So werden schriftliche Vorschläge zu diesbezüglichen Fachgesprächen erst nach Jahren vom Umweltministerium beantwortet und auch zu dem nun erstmals in der Slowakei stattgefundenen EQAR-Kongress war kein Vertreter des Umweltministeriums der Slowakei bereit, sein Land als ­Referent oder Diskussionspartner zu vertreten.

In EU-Ländern, in denen das Recycling von Bau- und Abbruchabfällen erst noch flächendeckend etabliert werden muss, fehlen wichtige rechtliche Weichenstellungen. Hierzu gehören konkrete landesgesetzliche Vorgaben zu Bau- und Abbruchabfällen, denn für die Entwicklung von Recyclingmärkten ist dies unbedingte Voraussetzung. Vincent Basuyau (Policy Officer Sustainable Construction bei der EU-Kommission) erläuterte, dass es nach der EU-Abfallrahmenrichtlinie in allen EU-Ländern Pflicht ist, bis 2020 mindestens 70 % der nicht gefährlichen Bau- und Abbruchabfälle wiederzuverwenden oder dem Recycling zuzuführen. Die Nichteinhaltung stellt einen Rechtsverstoß dar. Einige EU-Länder erreichen diese Vorgaben bisher nicht. Dies muss jedoch nicht sein, denn es bestehen seitens der EU-Kommission zahlreiche Förderangebote, z. B. für Schulungen und für technologische Investitionen. Basuyau ergänzte, dass die EU-Kommission, unter Beteiligung von Fachleuten aus zahlreichen EU-Ländern, das „EU Construction & Demolition Waste Management Protocol“ erarbeitet hat (Entwurf der Endversion vom 17. Juni 2016).

Das Protokoll enthält zahlreiche Best-Practice-Beispiele für das Recycling von Bau- und Abbruchabfällen und soll den Mitgliedsländern als Handlungsleitfaden dienen. Es ist das Ziel der EU, dass Baustoffrecycling-Material von öffentlichen und privaten Stellen umfassend eingesetzt wird. Die EU arbeitet außerdem an der Inkraftsetzung grüner Vergabekriterien, die sich auch auf den Bau von Straßen und Gebäuden beziehen werden. Der Österreichische Baustoff-Recycling Verband wies diesbezüglich darauf hin, dass bei der öffentlichen Vergabe Mindestquoten für Recycling-Material vorgeschrieben werden sollen. Die rechtliche Grundlage hierzu findet sich in Anhang I, Nr. 7 c) der EU-Bauprodukteverordnung. Dort heißt es, dass für Bauwerke umweltverträgliche Rohstoffe und Sekundärbaustoffe verwendet werden müssen. Leider wird dies in der Ausschreibungspraxis meist nicht beachtet.

Ein beim EQAR-Kongress außerdem mehrfach thematisierter Aspekt war die Forderung nach einer EU-weiten Regelung des Abfallendes für Recyclingbaustoffe. Diesbezügliche End-of-Waste-Kriterien haben bisher nur fünf EU-Mitgliedsländer eingeführt und dies mit sehr unterschiedlicher Regelungstiefe. Damit güteüberwacht hergestellte Recyclingbaustoffe nicht mehr als Abfall eingestuft bleiben und somit gegenüber Primärbaustoffen benachteiligt sind, sollten für diese EU-weite End-of-Waste-Kriterien eingeführt werden. Dies erleichtert auch den Grenzverkehr dieser Materialien über die EU-Binnengrenzen hinaus, was für die Verwirklichung eines innereuropäischen Marktes für Bauprodukte von großer Bedeutung ist. Der Teilnehmerkreis des Kongresses äußerte sich in der Diskussion enttäuscht darüber, dass seitens der EU-Kommission keine Bestrebungen zur europaweit konkreten Regelung des Abfallendes für Recyclingbaustoffe erkennbar sind.

Auch in diesem Jahr wurde beim EQAR-Kongress der EQAR-Award vergeben. Er ging an das Unternehmen „GB Energy Holding s.r.o.“ aus Brno in Tschechien. Prämiert wurde das Verfahren von GB Energy für das Recycling von Abbruchabfällen zu Beton und Betonbauteilen. Dabei handelt es sich um ein integriertes Verfahren vom Bauabbruch bis hin zur Verwertung des Abbruchmaterials in Transportbeton und in Betonbauteilen. Der zweite Gewinnerpreis ging an die Firma Bernegger GmbH aus Molln in Österreich (Bild 1). Das Unternehmen entwickelte eine containermobile Nass-Siebanlage zur Boden- und Baurestmassenaufbereitung, die österreichweit innerhalb einer Woche völlig autark einsatzbereit ist (Bild 2). Ein hoher Anteil des wiederverwertbaren Materials kann durch mehrstufige mechanische Behandlung des Nass-Siebverfahrens gewonnen werden. Das Prozesswasser wird recycelt und in der Anlage selbst kontinuierlich aufbereitet. Die Endprodukte sind qualitativ sehr hochwertig, wohingegen es möglich ist, die feine Fraktion mit Schadstoffen anzureichern und zu entsorgen. Mithilfe der containermobilen Nass-Siebanlage ist eine hochwertige Abfallaufbereitung am Produktionsstandort möglich. Dadurch werden die Transportkosten zu stationären Aufbereitungsanlagen reduziert. 

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