Entwicklung

Umsatzsteigerung bei Herstellern von
Bergbaumaschinen

Erstmals seit der Wirtschafts- und Finanzkrise ist es den in Deutschland produzierenden Bergbaumaschinenherstellern gelungen, ihre Umsätze zu erhöhen. Die Erlöse stiegen in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10 %. Die Auftragseingänge legten um 17 % zu. Dr. Michael Schulte Strathaus, Vorsitzender des Fachverbandes Mining im VDMA: „Nach starken Umsatzrückgängen in den vergangenen Jahren sehen wir deutlich, dass die Talsohle erreicht ist und es jetzt wieder aufwärts geht.” Für das Gesamtjahr prognostiziert er eine Umsatzsteigerung von etwa 8 %.

Positive Geschäftsentwicklung außerhalb Europas

Grund für die positive Entwicklung ist das Auslandsgeschäft. Der sich abzeichnende Aufschwung wird fast gänzlich außerhalb Europas erwirtschaftet. So konnten nach Angaben des VDMA die Exporte nach China im ersten Halbjahr um 55 % und die nach Russland um 54 % gesteigert werden. Zudem läuft das Geschäft in Kanada, Teilen Südamerikas und dem Australischen Bund gut. In den ersten 6 Monaten wurde nach Kanada fast so viel wie im gesamten Vorjahr geliefert (26 Mio. € gegenüber 29 Mio. €). Die Steigerung in Südamerika um 45 % geht zur Hälfte auf Lieferungen nach Argentinien zurück (14 Mio. €). Nach Australien wurden Bergbaumaschinen im Wert von 23,5 Mio. € geliefert.

Rückläufig ist das Geschäft hingegen in Europa. Die Exporte in die EU-28 Länder sind in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um etwa 40 % zurückgegangen. „Grund hierfür sind im vergangenem Jahr abgeschlossene Investitionen in große Infrastrukturmaßnahmen, die die Vorjahreszahlen beeinflusst haben“, sagt Klaus Stöckmann, VDMA Mining. Weit besser lief das Geschäft im übrigen Europa. Hier stiegen die Exporte um knapp 7 %. Leichte Verluste gab es bei den Ausfuhren in die USA
(minus 4 %).

Das Inlandsgeschäft ist ebenfalls rückläufig. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sank der Umsatz in den ersten 6 Monaten um 35 %. Als Gründe sieht VDMA Mining neben dem Auslaufen des Steinkohlenbergbaus vor allem die Unsicherheiten rund um die Braunkohle. Kapazitätserweiterungen werden weder hier noch in der Kali- und Salzindustrie erwartet. Für die Zukunft rechnet der Verband auf dem Heimatmarkt mit allenfalls gleichbleibenden oder weiter rückläufigen Umsätzen.

Auf dem Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2012 wurden die deutschen Bergbaumaschinen noch gefeiert. Obwohl praktisch alle Industriezweige herbe Verluste verbuchten, erreichten sie mit 6,2 Mrd. € einen absoluten Umsatzrekord. Der Grund dafür lag insbesondere in den langen Durchlaufzeiten. Zwischen Auftragseingang und der Auslieferung der Bestellungen und damit auch der Bezahlung liegen meist ein bis zwei Jahre. Konjunkturelle Einflüsse machen sich demnach also erst mit erheblicher Zeitverzögerung in den Bilanzen der Hersteller bemerkbar. Der Einbruch kam dann ein Jahr später. Seitdem sind die Umsätze um mehr als die Hälfte auf im vergangenen Jahr 2,7 Mrd. € gefallen. 

Doch jetzt scheint die Talsohle erreicht. Darauf deuten nicht nur die schon seit mehr als einem Jahr deutlich steigenden Auftragseingänge hin. Allein in den ersten Monaten dieses Jahres wurde ein Plus von 17 % verzeichnet. Auch die im selben Zeitraum erzielte Umsatzsteigerung von 10 % lassen eine Erholung erwarten.

Kaum neue Bergwerke

Die insgesamt wieder steigende Nachfrage führt der VDMA fast ausschließlich auf Ersatz- und solche Investitionen zurück, die der Bergbauindustrie weltweit helfen, ihre Kosten zu optimieren und die Effizienz, aber auch Sicherheit in den Bergwerken zu steigern. „Das”, sagt Stöckmann, „sind die Treiber des Geschäfts“. Neue Lagerstätten würden derzeit kaum erschlossen. Vielmehr seien Bergwerksbetreiber in einigen Teilen der Welt auch heute noch damit beschäftigt, im Vorfeld der Wirtschafts- und Finanzkrise aufgebaute Überkapazitäten abzubauen.

Um den Mitgliedsunternehmen eine Orientierungshilfe für die Zukunft zu geben, wird im VDMA derzeit an einer Technologie-Roadmap gearbeitet. Sie soll möglichst exakt Auskunft darüber geben, welchen, vor allem technischen Anforderungen sich die Branche in den kommenden 10 bis 15 Jahren stellen muss. Stöckmann: „Das ist ein offener Prozess. Wir stecken mitten in der Diskussion.” Außerdem will man Felder ausmachen, in denen gemeinsam Aktionen mit Mitgliedsunternehmen und Hochschulen durchgeführt werden können. Der Anfang ist bereits gemacht: Zusammen mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) hat der Verband für den 4. und 5. Dezember dieses Jahres unter dem Motto „High performance mining“ (www.high-performance-mining.com) eine Veranstaltung in der RWTH geplant. Auch sie soll den Bergbaumaschinenherstellern helfen, zukünftige Marktanforderungen frühzeitig zu erkennen und sich darauf einstellen zu können.

www.vdma.org

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