ForumMIRO – Branchentreffpunkt der ­deutschen Gesteinsindustrie, Teil 1

Über 400 Teilnehmer konnte Peter Nüdling (Bild 1), Präsident des Bundesverbandes Mineralische Rohstoffe e.V. (MIRO) im Internationalen Kongresszentrum Dresden zum 5. ForumMIRO, das vom 07. bis 09. November 2012 stattfand, begrüßen (Bild 2). Nach dem überwältigenden Erfolg des Vorjahres war davon auszugehen, dass auch in diesem Jahr die praxisnahe Veranstaltung großes Interesse findet und die Besucher- und Ausstellerzahlen bewiesen es. So waren in diesem Jahr auch noch deutlich mehr Aussteller auf der Fachausstellung vertreten und die Ausstellungsfläche wurde entsprechend vergrößert.

Peter Nüdling prognostizierte in seinen Ausführungen zur wirtschaftlichen Lage des Verbandes anhand von Bedarfs- und Produktionszahlen für 2012/13 gute Aussichten für die Branche. Bedarfsgerecht und verbrauchsnah wurden 2011 ca. 253 Mio. t (+10,5 %) an Kies- und Sand- bzw. 229 Mio. t (+10,1 %) an Naturstein-Körnungen produziert. Als Gründe dafür nannte er die günstigen Bedingungen für die Schaffung von Wohneigentum (Immobilien zur Eigennutzung und als Kapitalanlage). So ist mit einer Steigerung der Investitionen im Wohnungsbau um etwa 3 % zu rechnen. Während im öffentlichen Hochbau verminderte Investitionen erwartet werden, ist im öffentlichen Tiefbau von einer leichten Steigerung auszugehen. Ebenso beflügelt die Energiewende die Bauindustrie. Nach Angaben von trend research sind für den Zeitraum 2011-2012 Investitionen von rd. 250 Mio. € erforderlich, der Anteil für die Bauwirtschaft ist allerdings unklar.

Die Bedeutung der Sekundärbaustoffe wird von der Politik als potenzielle Rohstoffquelle überschätzt. Der aktuelle Monitoring-Bericht des Kreislaufwirtschaftsträger Bau (KWTB) belegt nahezu vollständig geschlossene Stoffkreisläufe im Mineralstoffsegment, wobei die verwerteten Recycling-Baustoffe einen Anteil von etwa 12 % des Gesamtbedarfs an Gesteinskörnungsprodukten decken. Eine Steigerung dieser Quote wird „mangels Masse“ bei realistischer Betrachtung gar nicht möglich sein. Im Bereich der Umsetzung von Vorhaben kritisierte Nüdling die stockende Erneuerung der Straßen und Brücken, wegen der nach wie vor unzureichenden Finanzausstattung zur Ertüchtigung der Verkehrsinfrastruktur. MIRO und andere Verbände fordern dafür 2013 Investitionen von 14 Mio. €, tatsächlich stehen Bundesverkehrsminister Ramsauer aber nur 10 Mio. € zur Verfügung.  Wird damit eine Pkw-Maut zwingend? Trotz aller Unwägbarkeiten steht die Branche vor einem spannenden Jahr 2013.

Der Präsident des Europäischen Gesteinsverbandes (UEPG: Union Européenne des Producteurs de Granulats/European Aggregates Association) Arnaud Colson/Frankreich (Bild 3) stellte in seinem Grußwort die Bedeutung des UEPG in der EU und die besondere Rolle Deutschlands als größten Gesteinshersteller und wirtschaftlichsten Mitgliedsstaat mit hoher Ressourceneffizienz, Biodiversität und hohen Recyclingquoten heraus. Eine der wichtigsten Aufgaben für den UEPG ist die Erarbeitung einer europäischen Gesteinsstrategie bis 2030.

MIRO-Arbeitssicherheitswettbewerb

Arbeitssicherheit ist im Bereich der Kies- und Sandgewinnung das Gebot der Stunde!  Wie in jedem Jahr wurden auch auf dieser Konferenz die besten Unternehmen im MIRO-Arbeitssicherheitswettbewerb geehrt (Bild 4). So erhielten beispielsweise im Bereich der Naturstein-Unternehmen das Werk Kupferberg der Hartsteinwerke Schicker OHG und im Bereich Sand und Kies das Werk Wallendorf der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH die Urkunde in Gold. Kombiniert mit der jährlich erhobenen Unfallstatistik wird der Arbeitssicherheitswettbewerb als Motivationsfaktor für die Unternehmen gesehen.

Architektur ohne Baustoffe ist undenkbar

Mit dieser Feststellung begann Prof. Dr. h.c. mult. Meinhard von Gerkan (Bild 5), seinen Festvortrag, von dessen Titel „Persönlicher Stolz des Architekten prägt den ­Charakter des Bauwerks“ er sich eigentlich distanzierte, im Verlaufe des Vortrags aber zeigte, dass er der Realität entspricht. Sein Credo für die Architektur von heute ist, dass diese vier Prinzipien gehorchen muss: Einfachheit, strukturelle ­Ordnung, Individualität und die Balance zwischen Vielfalt und Einfachheit. Beginnend mit einem historischen Rückblick bis in die Zeiten des Pyramidenbaus unternahm Prof. Gerkan mit einer Fülle von Bildmaterial einen Streifzug durch die Architektur bis hin zur Gegenwart. Besonders attraktive Entwürfe aus der Feder seines Hauses für Bauten in China, Taiwan und Vietnam, aber auch in Deutschland (Flughafen Tegel und Berlin-Brandenburg, der neue Berliner Hauptbahnhof) verdeutlichen die vier Prämissen, die der Autor zum Prinzip seiner Arbeit gemacht hat. Diese Nutzbauten zeigen, wie Baumaterial, Ideenreichtum und Ästhetik zu einer formvollendeten architektonischen Einheit verschmelzen.

In seinen Dankesworten betonte der Hauptgeschäftsführer des MIRO, Prof. Dr. Ulrich Hahn, dass Konzentration auf das Wesentliche nicht nur eine Maxime des Handelns von Prof. Gerkan sei, sondern für die Verbandsarbeit ganz ähnliche Schwerpunkte gesehen werden müssten (Bild 6).

Über die Workshops, die im weiteren Verlauf der Veranstaltung stattfanden, wird in der nächsten Ausgabe der AT INTERNATIONAL umfassend berichtet.

Autorin: Dr. Brigitte Hoffmann, Fachbüro für ­Abfallberatung und Umweltschutz, Oberschöna/Deutschland
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