Innovation trifft Kommunikation
Auf dem Presseevent „Innovation trifft Kommunikation“ am 26.03.2026 in Hannover startete Komatsu mit zwei Impulsvorträgen zu „Digitalen Lösungen auf der Baustelle“ und „Assistenzsystemen als Schlüssel zur Effizienz“. Neben einem Werksrundgang gab es auch die Möglichkeit, die neuesten Maschinen – PW148-11 & PW190-11, PC220LCi-12, HM460-6 sowie PC01E & PC05E – live „in Aktion“ zu erleben.
Komatsu als europäischer Hersteller: Von Hannover in die Welt
Zur Eröffnung des Presseevents rückten Andre Wohlers, Geschäftsführer Komatsu Germany GmbH, und Marco Maschke, Leiter Deutschlandbüro/GM German Office Komatsu Europe, „Die Rolle des Werks in Hannover“ in den Vordergrund. Von Dampfmaschinen über erste Serienautos bis zu modernen Baumaschinen: „Komatsu ist immer da innovativ, wo es nötig ist“, betont Andre Wohlers. Dabei spielt der Standort Hannover für das Unternehmen bis heute eine entscheidende Rolle. Rund 90 % der bei der Komatsu Germany GmbH produzierten Maschinen werden in die EU verkauft. Für den vollständigen Ablauf von der Maschinenplanung über die Entwicklung bis zum fertigen Produkt existieren auf dem Firmengelände sechs Stationen:
1. Eigenfertigung von Schlüsselkomponenten: Produktion von Achsen und Getriebe, Schaufeln sowie Vorder- und Hinterrahmen
2. Produktionsstätte von Radladern und Mobilbaggern
3. Station für dynamische und statische Tests: Qualitätssicherung durch Funktionalitäts-, Leistungs- und Sicherheitsprüfungen für alle Systeme und Werte
4. Europäisches Reman Center: Aufbereitung von Komponenten und Schonung von Ressourcen; Wiederaufbereitung von Motoren, Achsen und K-DPF
5. EUTC – Entwicklungszentrum: Vorantreiben neuer Ideen und Verbesserung der Produktleistung sowie -qualität
6. Test- and Demo-Gelände: Qualität gewährleisten durch Wettbewerbsvergleiche, Trainings und Kundenbesuche
Europa und Deutschland, so Marco Maschke, spielen auch für die zukünftige Firmenstrategie von Komatsu die entscheidende Rolle. Die europäischen Märkte gelten als Hauptinnovatoren für Elektrifizierung und digitale Lösungen – und genau hier sieht Komatsu auch großes Wachstumspotential in den Bereichen Herstellung, Forschung und Entwicklung. Maschke merkte an: „Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Elektrifizierung gehen ‚Hand in Hand‘. Europa hat hier die Möglichkeit, sich als Vorreiter für unsere Industrie zu positionieren.“
Smart Construction: Digitale Lösungen auf der Baustelle
Über „Digitale Lösungen auf der Baustelle“ sprach anschließend Benjamin Böttcher, Business Development Manager bei Komatsu. Hier gab der Redner zu verstehen: „Die Bauindustrie befindet sich im digitalen Wandel.“ Waren digitale Lösungen in der Bauindustrie einstmals optionaler Zusatz, entwickeln sich diese zunehmend zum festen Bestandteil auf modernen Baustellen. Durch 3D‑Maschinensteuerungen, digitale Geländemodelle und Remote‑Services können Projektabwicklungen effizienter, transparenter und sicherer gestaltet werden.
Die stetig wachsende Nutzung von Fernwartung und digitalem Datenaustausch sah Böttcher als klaren Indikator für eine solche Entwicklung. „Immer mehr Anwender senden Designdateien und arbeiten standortübergreifend.“ Diese Entwicklung gehe mit dem zunehmenden Einsatz von 3D‑Systemen auf der Baustelle einher. Als konkretes Beispiel für diese Entwicklung stellte Böttcher drei Case Studies von Komatsu-Kunden vor.
JN Bentley: Umwelttechnik – Feuchtgebiet (Yorkshire/UK)
Yorkshire benötigte ein 44 000 m2 großes Feuchtgebiet, um die Wasserqualität eines Flusses zu verbessern. Durch den Einsatz von Intelligent Machine Control (IMC), zur Erzeugung von Wie-Gebaut-Daten, ein KI-Tool zur Simulation und Optimierung der Baustrategie sowie Fortschrittüberwachung über Dashboard für optimierte Entscheidungsfindung konnten 350 000 £ eingespart und 63 000 m3 Boden bewegt werden – ohne Überaushub, ohne externen Abtransport, mit verbesserter Sicherheit und vor dem Zeitplan.
Heitkamp BauHolding: instabiles Gelände durch Bergbauabfälle (Friedrichsthal/Deutschland)
Ein 27 ha großes Gelände wurde durch Bergbauabfälle instabil und unbrauchbar. Im Rahmen eines 10-Jahres-Projektes sollen für die Stabilisierung 2 Mio. m3 bewegt werden. Der Bauleiter war dabei mit einer solchen Datenflut konfrontiert, dass eine Fortschrittsverfolgung nahezu unmöglich war. Der Komatsu-Ansatz: IMC-Planierraupen, die Wie-Gebaut-Daten erfassen und in die Cloud übertragen sowie ins Dashboard integrierte Maschinendaten und Drohnenvermessungen, die eine einheitliche Visualisierung ermöglichen. Dies ermöglicht eine Echtzeit-Überwachung des gesamten Projekts, schnellere Entscheidungen auf Basis zentralisierter Daten und eine dokumentierte Bodenablage.
dhz: Optimale Maschinenflotte gesucht (Lufingen/Schweiz)
Für eine Deponieerweiterung in Lufingen sind eine sorgfältige Planung und behördliche Abstimmungen dringend erforderlich. Um die höchste Effizienz bei der Umsetzung zu erzielen, wurde für das Projekt die optimale Maschinenflotte gesucht. Komatsu setzt hier auf die Simulation von Massenaushub und Maschineneinsatz, wobei mehrere Simulationen durchgeführt und vergleichen werden. Dies ermöglicht, vor der Umsetzung Probleme aufzudecken und Optimierungspotentiale aufzuzeigen. Somit kann der Kunde das für ihn realistischste Szenario auswählen, Arbeitsabläufe und Maschinen entsprechend ausgelegen und eine frühzeitige Vorbereitung auf eventuelle Probleme ermöglichen.
Selbstverständlich bringe die Digitalisierung in der Industrie auch einige Hürden mit sich, fügte der Speaker hinzu: Unternehmen stehen vor Herausforderungen wie hohem Initialaufwand, Fachkräftemangel, fragmentierten Systemen, fehlenden Standards sowie infrastrukturellen Einschränkungen. Aber: „Digitale Baustellenlösungen schaffen messbaren Mehrwert“, so Benjamin Böttcher. Die Praxisbeispiele zeigen auf, dass Digitalisierung Effizienz, Sicherheit und Planbarkeit deutlich steigert – und die Baustelle der Zukunft bereits heute Realität ist.
Assistenzsysteme als Schlüssel zur Effizienz
In einem abschließenden Impulsvortrag auf dem Komatsu Presseevent sprach Ricardo Meyer, Product Manager Wheel Loader, über „Assistenzsysteme als Schlüssel zur Effizienz“. Dabei stellte Meyer das neue Fahrerassistenzsystem für die Radlader Komatsu WA475-11 und WA485-11 vor. Alle Assistenzfunktionen würden hier in einem besonders übersichtlichen zentralen Monitor vereint und durch eine moderne Touchscreen-Oberfläche eine intuitive Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine geschaffen werden. „Das integrierte Fahrerassistenzsystem bietet dem Fahrer umfassende Unterstützung im täglichen Einsatz. Es vereint mehrere leistungsstarke Funktionen, darunter das erweiterte LoadPilot-Wiegesystem, den adaptiven Effizienztrainer und ein hochauflösendes Rückfahrkamerasystem“, stellte Meyer das neue System vor. Optional könne das System noch um ein Rundum-Kamerasystem und ein Reifendruckkontrollsystem erweitert werden.
Als weitere Besonderheit des Assistenzsystems präsentierte Meyer den Abstandswarner mit automatischer Bremsfunktion. Hier werde ein an der Rückseite der Maschine angebrachter Doppel-Sensor genutzt, um Objekte bei der Rückwärtsfahrt zu erkennen. „Bei Kollisionsgefahr wird der Fahrer durch einen Warnton und eine Warnleuchte alarmiert. Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Kollision mit einem Hindernis steigt, betätigt die Maschine automatisch die Bremse bis zum Stillstand“, erklärte der Product Manager. Lenkwinkel, Fahrgeschwindigkeit und Maschinenwinkel werden dabei vom System berücksichtigt, um Fehlalarme zu reduzieren. Eine Überrollwarnfunktion mache den Fahrer zudem auf die Gefahr eines Maschinenumsturzes aufmerksam.
Als weiteren Aspekt des Assistenzsystems stellte Ricardo Meyer die adaptiven Arbeitslampen vor. „Unsere Kunden haben uns berichtet, dass Schichtarbeit oft bedeutet, bis spät in die Nacht unter vielen verschiedenen Umgebungsbedingungen zu arbeiten. All dies erfordert letztendlich eine andere Sichtbarkeitslösung, um Sicherheit, Komfort und maximale Produktivität zu gewährleisten.“ Mit den optionalen adaptiven Arbeitsscheinwerfern sei es möglich, dass Blendung, Über- oder Unterbeleuchtung, Blindbetrieb und Reflexionen vollständig eliminiert werden können durch Anpassung der Helligkeit, Farbtemperatur und aktive Dimmung der Frontscheinwerfer. Über ein Smartphone oder eine Fernbedienung könne jeder Fahrer die Maschine schnell und einfach an die Arbeitsbedingungen anpassen.
Vorstellung der neuesten Komatsu-Technik
Im Rahmen der Veranstaltung bot Komatsu den Teilnehmenden die Gelegenheit, die neueste Technik live „in Aktion“ auf dem Außengelände zu erleben. Dabei wurden insgesamt 7 neue Maschinen vorgestellt.
HM460-6: knickgelenkter Muldenkipper der nächsten Generation
„Der HM460-6 basiert auf dem bewährten HM400-5 und setzt neue Maßstäbe in der nächsten Generation knickgelenkter Muldenkipper. Er bietet eine leichte Bauweise, optimiertes Fahrverhalten, herausragende Kraftstoffeffizienz, fortschrittliche Sicherheitsfunktionen und hohe Produktivität. Gleichzeitig besteht ein geringerer Wartungsaufwand mit reduzierten Gesamtbetriebskosten“, stellte Juuso Ahola, Produktmanager bei Komatsu Europe, die neue Maschine vor. Als Besonderheiten der Maschine stellte er vor:
- Motor- und Getriebekombination als Herzstück: Kraftstoffeffizienz konnte im Vergleich zu früheren Modellen um 22 % gesteigert werden
- Vergrößertes Muldenvolumen von 25,7 m3
- Intelligente Funktionen: Geschwindigkeitsregelablage, Berganfahrhilfe, Wartebremse, halbautomatisches Abkippen
- Ergonomische, nutzerfreundliche Fahrerkabine: mehr Raum, optimierte Sicht, luftgefederter Fahrersitz, Heizung/Belüftung, klappbarer Beifahrersitz, ergonomisch angeordnete Bedienelemente, digitales Armaturenbrett, hochauflösendes 10-Zoll-Rückfahrkamera-Display
- Sicherheitstechnologien: Standsicherheitsanzeige, Steigungs- und Neigungsmesser, Abkippwinkelbegrenzung und Sicherheitsgurt-Kontrollanzeige mit externer grüner Leuchte
- Smart Site Quarry (optional): Vernetzung mit Baustelle
- Geringere Gesamtbetriebskosten: verlängerte Wartungsintervalle und zentralisierte Wartungspunkte
Juuso Ahola fasste zusammen: „Durch die Kombination aus fortschrittlicher Technik, nutzerfreundlichem Design und digitaler Vernetzbarkeit bietet der HM460-6E0 eine Komplettlösung, die den realen Herausforderungen von Fahrern, Bauunternehmern, Steinbruchbetrieben und Bergbauunternehmen gerecht wird.“↓
PC220LC-12 / PC220LCi-12: umweltfreundliche Hydraulikbagger
Bei den Maschinen PC220LC-12 und PC220LCi-12 handelt es sich Komatsu zufolge um „die technologisch fortschrittlichsten Hydraulikbagger“, die die Firma je entwickelt hat. Als Besonderheiten wurden folgende Aspekte vorgestellt:
- Verbesserte, umweltfreundliche Leistungsstärke: 129-kW-Motor gemäß EU-Stufe V, erhöhtes Motordrehmoment, weniger Kraftstoffverbrauch, Dieselpartikelfilter (Reinigungsintervall von 8000 h), HVO-Kompatibilität, Pumpenförderleistung auf 504 l/min erhöht, hohe Hubleistung sowie starke Grab- und Losbrechkräfte
- Mehr Fahrerkomfort: neu dimensionierte Kabine, verbesserte Ergonomie, neuem Standardsitz, schlüssellosem Startsystem, Joystick-Lenkung, elektronische Proportionalhebel sowie leistungsstarke Klimaanlage
- Verbesserung der Sicherheit: hochauflösendes 360°-KomVision-Kamerasystem, LED-Arbeitsscheinwerfer, Anzeige zur Überschlagvermeidung und Fahrtrichtungsanzeige, Maschinenplattform mit Dreipunktzugang, Parallelwischer für Kabinenfrontscheibe, farblich gekennzeichnete Handläufe (Kabine), Personenerkennung mit automatischem Stopp
- Vereinfachte Wartung durch kombiniertes SCR- und DPF-Abgasnachbehandlungssystem sowie längere Wartungsintervalle
- Vielseitige Nutzbarkeit: Nutzlastwaage, 2D-Maschinensteuerung (PC220LC-12) bzw. 3D-Maschinensteuerung (PC220LCi-12), einfaches Upgrade vom PC220LC-12 auf den PC220LCi-12, Tiltrotator- Vorrüstung
- iMC 3.0: Tiltrotatorsteuerung, D-Arbeitsraumbegrenzung, Auto-Swing, Swing-to-Line sowie Travel-Along-Line, Smart Construction Remote
- Komtrax: Umfassendes Maschinenmanagement durch Komtrax Step 6, 4G-Mobilfunkkommunikation, Energiesparberichte, vereinfachte Wartungsplanung↓
PW148-11 und PW190-11: Mobilbagger – auf Wunsch mit Allradlenkung
Zwei neue Mobilbaggermodelle stellte Komatsu in Form von PW148-11 und PW190-11 vor: Kompakt, leicht zu transportieren, der Größe zum Trotz wendig und auf Wunsch mit Allradlenkung kommen die beiden Bagger dem Unternehmen zufolge zum Kunden. Die Besonderheiten (PW148-11 vs. PW190-11):
- Motorleistung (kW/PS): 110/150 / 129/175
- Abgasnorm: EU Stufe V / EU Stufe V
- Betriebsgewicht (kg): 14370 – 16643 / 17312 – 19731
- Maximales Löffelvolumen (m3): 0,94 / 1,13
- Maschinenhöhe (m): 3,1 / 3,1
Darüber hinaus verfügen auch die beiden Mobilbagger über einen Dieselpartikelfilter mit einem Austauschintervall von 8000 h und sind Komatsu zufolge durch Tiltrotatoren, 3D-Anzeigesysteme sowie zusätzliche Features wie Joysticklenkung oder Werkzeugmanagement für maximale Einsatzflexibilität ausgestattet. ↓
PC01E-2 und PC05E-1: elektrische Mikrobagger mit Wechselakkus
Als weitere neue Maschinen stelle Komatsu beim Presseevent die elektrischen Mikrobagger PC01E-2 und PC05E-1 vor, die derzeit nur auf dem japanischen Markt verfügbar sind und derzeit im Rahmen einer technischen Evaluierung auf dem europäischen Markt getestet werden. Die Besonderheiten (PC01E-2 vs. PC05E-1):
- Motorleistung (kw): 2,1 / 3,3
- Betriebsgewicht (kg): 330 / 520
- Löffelvolumen (m3): 0,006 / 0,011
- Breite (mm): 580 / 690
Angetrieben werden beide Maschinen vom vom Honda Mobile Power Pack e: und dem elektrifizierten Antriebsaggregat Honda eGX. Stillstandzeiten können laut Komatsu reduziert werden, da die tragbare Batterietechnologie einen Batteriewechsel in weniger als 10 Minuten ermöglicht. Das Ladegerät lässt sich an jede handelsübliche Haushaltssteckdose anschließen und erfordert keine spezielle Infrastruktur.
Autor:
Lukas Höpfner, Redakteur AT MINERAL PROCESSING
