Im Gedenken an Prof. Heinrich Schubert (1926 – 2018)

Am Montag, dem 9. April 2018, verstarb mit Prof. Dr. sc. techn. Drs. h.c. Heinrich Schubert einer der international bedeutendsten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Aufbereitungs- und Verfahrenstechnik. Sein außerordentlich langes und erfolgreiches Wirken zeigt sich in über 300 oft zitierten Veröffentlichungen sowie 25 Patenten, 550 von ihm betreuten Diplomanden und 60 Promovenden der Bergakademie Freiberg, woraus acht Professoren hervorgegangen sind, sowie seinen durch stete und akribische Arbeit zu Standardwerken seines Arbeitsgebiets gewordenen Fachbüchern.

Prof. Heinrich Schubert war in der Fachwelt besonders deshalb anerkannt, weil er die konsequente hierarchische Gliederung der Verfahrenstechnik in physikalisch-chemische Grundlagen, Mikroprozesse, Makroprozesse und Verfahren genutzt hat, um zu einem grundlegenden wissenschaftlichen Verständnis der Aufbereitungstechnik zu gelangen und sie somit von der bergmännisch geprägten „Kunde“ in eine moderne Wissenschaft zu überführen.

Prof. Schubert wurde am 23. Januar 1926 in Pirna-Jessen bei Dresden geboren. Er studierte von 1947 bis 1951 an der Bergakademie Freiberg und schloss 1951 sein Studium mit dem Dipl.-Ing. Fachrichtung Aufbereitung und 1952 mit dem Dipl.-Ing. Fachrichtung Bergbau ab. 1956 promovierte er über die „Flotierbarkeit und Strukturbeziehungen bei kationaktiver Flotation“ und erwarb sich 1971 mit seiner Arbeit über die „Rolle der Assoziation der unpolaren Gruppen bei der Sammleradsorption” den akademischen Grad eines Dr. sc. techn. Von 1952 bis 1959 arbeitete er im Mansfelder Kupferschieferbergbau u.a. als Technischer Direktor in der VVB NE-Metallindustrie Eisleben, bevor er 1960 als Hochschullehrer an die Bergakademie Freiberg sowie zum Direktor des damaligen Institutes für Aufbereitung berufen wurde.

Heinrich Schubert trat damit die Nachfolge von Prof. Helmut Kirchberg an und entwickelte das Institut bis zu seiner Emeritierung 1991 zu einer modern ausgerüsteten Stätte der Lehre und Forschung. Das Lehr- und Forschungsspektrum des Institutes erweiterte sich durch sein Wirken in Richtung der Mechanischen Verfahrenstechnik und neben der Aufbereitung von u.a. Sylvin und anderer Salzminerale, Fluorit und Kassiterit hin zu den Schwerpunkten:

Modellierung und Optimierung von Prozessen mit Mehrphasenströmungen, insbesondere Hydrodynamik von Flotationsprozessen sowie Stromklassierung in Hydrozyklonen

Modifizierung von Partikeloberflächen durch selektive Adsorption von amphiphilen Molekülen, insbesondere Studium der Wechselwirkungen zwischen der Struktur der Reagenzien und der Festkörperoberfläche für die Adsorbierbarkeit sowie der Energiebilanz der mit der Festkörperoberfläche unmittelbar wechselwirkenden polaren oder im Adsorptionsfilm assoziierten unpolaren Gruppen

Mikroprozesse der Zerkleinerung, speziell der physikalisch begründeten Modellierung von Bruchwahrscheinlichkeit und Bruchstückgrößenverteilung zur Optimierung der Einzelkorn- und Gutbettbeanspruchung

Fließverhalten von zur Zeitverfestigung neigenden Schüttgütern, insbesondere Salzen

Mechanische Aufbereitung von Sekundärrohstoffen (Recycling), speziell dem Bruchverhalten nicht-spröder Stoffe und der großtechnischen Aufbereitung von Elektronikschrott

In der Ingenieurausbildung wurden damit das Verständnis der mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlagen vertieft und die stoffspezifischen Inhalte zugunsten der Prozessorientierung zurückgedrängt. Prof. Schubert hatte dabei stets ein offenes Auge für die weltweiten Entwicklungen und bezog in die Konzeption seiner Forschung und Lehrveranstaltungen Fachwissen aus dem anglo-amerikanischen Raum (u.a. C. Orr) genauso mit ein, wie die Arbeiten des von ihm verehrten Hans Rumpf der Universität Karlsruhe. Überhaupt sah er die rege Beteiligung an nationalen wie internationalen Tagungen und Kolloquien als einen zentralen Punkt des wissenschaftlichen Lebens an. Seine stets leidenschaftlich und gern auch mit erhobenem Zeigefinger vorgetragenen, fundierten Diskussionsbeiträge waren legendär. Einen persönlichen Höhepunkt kann man daher in der Entscheidung des Internationalen Wissenschaftlichen Komitees des International Mineral Processing Congress (IMPC) sehen, die Organisation und Durchführung des 17. Weltkongresses 1991 der Bergakademie Freiberg zu übertragen und den Kongress in Dresden zu veranstalten.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch Heinrich Schuberts Verdienste für die Entwicklung der Bergakademie insgesamt. Zu nennen sind hier insbesondere seine Amtszeiten als Prorektor für Wissenschaftsentwicklung bzw. Forschung (1963 – 1975) und als Dekan der Fakultät für Technische Wissenschaften (1980 – 1991). In diesen Jahren hatte er das Privileg, Gastprofessor außerhalb des sozialistischen Auslands zu sein, als er 1981 an der University of Queensland/Australien, 1982 an der University of Iowa/USA, sowie 1982 und 1989 an der Eisen- und Stahluniversität Wuhan/China, lehrte. Seine Vorlesungen umfassten die Bereiche der Mechanischen Verfahrenstechnik, der Mineralaufbereitung und der Partikeltechnologie. Mehrfach wurde er, u.a. in Miskolc und Leuna-Merseburg, zum Ehrendoktor ernannt. Zu seinen besonders herausragenden Auszeichnungen zählen der Nationalpreis der DDR (1980), die Hans Rumpf-Medaille der Deutschen Vereinigung für Chemie- und Verfahrenstechnik (1997) und der Lifetime Achievement Award des IMPC (2006).

Seine bekannten Bücher über die „Aufbereitung fester mineralischer Rohstoffe“ in drei Bänden, das Lehrwerk „Mechanische Verfahrenstechnik“ sowie das zweibändige „Handbuch der Mechanische Verfahrenstechnik“ werden immer ihren Platz in Bibliotheken haben, um von zukünftigen Ingenieuren und Wissenschaftlern genutzt zu werden. Die Bücher spannen einen weiten Bogen von der theoretischen Durchdringung der verfahrenstechnischen Prozesse bis hin zu ihren Industrieanwendungen. Sie zeugen vom Ideenreichtum und der Schaffenskraft eines verdienten Wissenschaftlers und Hochschullehrers.

Seine Freunde und Fachkollegen, die unter seiner Leitung arbeitenden Wissenschaftler und Studenten lernten Prof. Schubert als eine beeindruckende Persönlichkeit mit großer Überzeugungskraft kennen. Sie alle haben Prof. Schubert als herausragenden Menschen mit sehr hohen Leistungsanforderungen an sich selbst und an andere kennen und schätzen gelernt. Seine Unnachgiebigkeit in Perfektion und Akkuratesse formten Generationen, indem sie ihnen das Rüstzeug für ihren weiteren Lebensweg mitgegeben haben. Gemeinsam trauern sie, ihn für seine kritischen Kommentare und hilfreichen Ratschläge nicht mehr zu haben. Gleichzeitig sind sie ihm sehr dankbar für all seine Arbeit und Leistungen.

Alle nationalen wie internationalen Kollegen sind herzlich eingeladen, den Kondolenzblog (Link: https://blogs.hrz.tu-freiberg.de/kondolenz-schubert/) zu nutzen, um ihre Dankbarkeit und Erinnerungen an denkwürdige Momente auszudrücken.

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