Inside K+S KALI GmbH

AT Fachexkursion 2012 zur K+S KALI GmbH - Werk Werra, 26./27.06.2012

Mittendrin waren die Studenten der Hochschulen RWTH Aachen, TFH Bochum, TU Clausthal und TU Bergakademie Freiberg – mittendrin in der Aufbereitung von Rohsalzen im Werk Werra der K+S KALI GmbH. Anspruch der jährlich durchgeführten AT Fachexkursionen ist die Verbindung von Theorie und Praxis – die Studenten hören Vorträge über Anlagen der Aufbereitungstechnik und können sich diese bei ausführlichen Werksrundgängen im Betrieb anschauen sowie alle dabei aufkommenden Fragen an das begleitende Fachpersonal stellen. Sowohl im theoretischen als auch im praktischen Abschnitt der Fachexkursion sollen aber vor allem auch zukünftige Arbeitsgebiete für junge Akademiker aufgezeigt werden.

 

Das Werk Werra besteht seit 1997 aus einem Verbund der ehemals eigenständigen Werke Hattorf, Wintershall, Unterbreizbach und Merkers. Über 100 Jahre werden hier Kalisalze abgebaut und zu hochwertigen Produkten aufbereitet. Während das Werk in Merkers mittlerweile zu einem Erlebnisbergwerk für interessierte Besucher und als Austragungsstätte für kulturelle Events, wie z.B. Konzerten und dem in den ehemaligen Stollen 500 m unter der Erde stattfindenden „Kristallmarathon“ umfunktioniert wurde, werden auf den Standorten Hattorf, Wintershall und Unterbreizbach aktiv Kalisalze abgebaut. Die untertägige geografische Ausdehnung der Standorte Hattorf, Wintershall, Unterbreizbach und Merkers ist mit dem Stadtgebiet von München vergleichbar.

 

Die zweitägige AT Fachexkursion beinhaltete jeweils einen Vortrags-teil am Vormittag und einen praktischen Teil am Nachmittag. Ein wesentlicher Punkt dieser Veranstaltung ist es, die Studenten mit neuen Tätigkeitsfeldern (die im Studium vielleicht nicht so im Vordergrund stehen) bekannt zu machen und einen ersten Kontakt zu möglichen späteren Arbeitgebern herzustellen. Zu diesem Zweck sind die Fachvorträge jeweils mit einer Präsentation der Personalverantwortlichen der beteiligten Firmen verbunden, die Einstiegsmöglichkeiten und Tätigkeitsfelder vorstellen.

 

Die Veranstaltung startete mit dem Einführungsvortrag zur „Aufbereitung von Kalirohsalzen am Werk Werra der K+S KALI GmbH“. Dr. Wolfgang Kellerer von der K+S KALI GmbH - Werk Werra stellte die Unternehmensstruktur des global agierenden Konzernes vor, bevor er detailliert auf die Produktion des Werks Werra, das einen Verbund aus den drei Standorten Wintershall, Unterbreizbach und Hattorf darstellt, einging.

Aus den aktiven Stollen werden vor allem Rohsalze mit den vier Hauptmineralen abgebaut: Sylvin (KCl), Halit (NaCl), Kies­erit (MgSO4 • H2O) und Carnallit (KCl • MgCl2 • 6 H2O). Als Wertstoff werden dann über Tage vor allem Kaliumchlorit und in geringerem Maße Magnesiumsalze durch die drei Verfahren Heißverlösung, Flotation und das Elektrostatische Verfahren (ESTA) gewonnen. Mit Hilfe von Bittersalz und Wasser wird das KCl in K2SO4 umgesetzt. Neben Anwendungen im Lebensmittel-, Gesundheits- und Industriesektor werden die im Werk Werra hergestellten Kalisalze vor allem zur Düngemittelherstellung verwendet.

Dr.-Ing. Björn Olaf Assmann von der ThyssenKrupp ­Polysius AG stellte den „Einsatz von Gutbettwalzenmühlen in der Zement- und Mineralstoffindustrie“ vor. Die Gutbettwalzenmühlen der POLYCOM-Reihe ist je nach Einsatzgebiet durch das „Baukasten-Prinzip“ in vielen verschiedenen Größen und spezifischer Mahlkraft erhältlich. Assmann stellte eine Reihe realisierter Projekte vor, bei denen die POLYCOM-Mühlen zum Einsatz kommen. So konnte in der Cerro Verde-Mine in Peru eine Kupfererz-Mahlanlage installiert werden. Weitere Projekte befinden sich in Indien und den USA.

 

Brikettierung, Verdichtung und Zerkleinerung waren die Stichworte für den Vortrag von Agnes Winter-Pietruck von der Maschinenfabrik KÖPPERN GmbH & Co. KG. Die klassische Anwendung der Kompaktierung ist die Herstellung von Düngemitteln als Kali- und Mischdünger. Mittels einer Walzenpresse wird eine Schülpe als Zwischenprodukt hergestellt, die in einem zweiten Schritt zum Granulat zerkleinert wird. Mit diesem Verfahren wird eine Reduzierung der Staubentwicklung, eine bessere Dosierbarkeit sowie die Vermeidung von Entmischungen erreicht.

 

Der erste Vortagsteil wurde mit den Vorträgen der Siebtechnik GmbH und Steinhaus GmbH beschlossen. Dr.-Ing. Jürg Pollmanns von der Siebtechnik GmbH stellte die Produktbereiche Sieb- und Aufbereitungsmaschinen, Probenahme/Zerkeinerung/Labor und Zentrifugen näher vor. Gerd Dietz von der Steinhaus GmbH ging vor allem auch auf die Einsatzmöglichkeiten von Ingenieuren ein.

 

Am Nachmittag hatten die rund 60 Studenten die Möglichkeit, in sechs Gruppen die Standorte Hattorf und Wintershall unter sachkundiger Führung zu besichtigen. Alle Aufbereitungsanlagen standen auf dem Programm – so ging es zu den Mahlanlagen, dem Heißlöseverfahren und der ESTA-Anlage. Viele Fachfragen konnten gleich vor Ort gestellt und geklärt werden. Auch mögliche Praktika und Einsatzmöglichkeiten bei allen an der Fachexkursion beteiligten Firmen konnten während der Besichtigung der einzelnen Anlagen in persönlicher Atmosphäre erläutert werden.

Der erste Veranstaltungstag endete mit einem Grillabend und vielen interessanten Gesprächen zwischen Studenten, Referenten und Personalverantwortlichen der an den Veranstaltungen beteiligten Firmen.

 

Der nächste Morgen startete mit dem Vortrag von Dr. ­Peyman Oghazi zum Thema Lamellenklärer. Das Grundprinzip dabei ist die Sedimentation von Feststoffen aus einer Suspension. Eingesetzt wird diese Technologie zur Fest-Flüssig-Trennung, z.B. zur Klärung von Schlämmen. Zwei der wesentlichen Kriterien bei der Eindickausrüstung sind eine gute Klarheit der Überlaufflüssigkeit und eine maximale Dichte der Unterlauffeststoffe. Beim Lamellenprinzip werden mehrere parallel angeordnete, schrägstehende Platten eingesetzt, um die Effizienz des Klärers im Verhältnis zu dem zur Verfügung stehenden Platz zu maximieren.

Olaf Micke von der HAVER & BOECKER Group ging in seinem Vortrag „Die Aufgabengebiete und Entwicklungsmöglichkeiten eines Projektingenieurs in der ­HAVER & BOECKER Group“ nach kurzer Vorstellung der Firmengruppe direkt auf die Einstiegsmöglichkeiten und verschiedenen Aufgabengebiete der zukünftigen Hochschulabsolventen ein. Dabei zeigte er auf in welchen Produktbereichen die Gruppe tätig ist und welche internationalen Projekte realisiert wurden.

 

„Austragssysteme für schwierige Schüttgüter in Bunkern + Silos“ war das Thema der Präsentation von Dipl.-Ing. Thorsten Geiser. Dabei stellte er die verschiedenen Austragssyteme vor und erläuterte die prozesstechnischen Anforderungen, um das optimale Austragssystem für die jeweilige Anwendung finden zu können.

 

Den zweiten Vortragsteil beendeten Doris Gärtner und Marcel Müller-Goldkuhle vom gastgebenden Werk Werra mit der Präsentation „Karriere bei der K+S KALI GmbH“. Nach einführenden Erklärungen stellte Marcel Müller-Goldkuhle für die Studenten sehr gut nachvollziehbar anhand seines eigenen Entwicklungsweges bei K+S mögliche Karrierewege dar.

 

Am Nachmittag fand die Veranstaltung mit der eindrucksvollen Besteigung des Monte Kali ihren Abschluss. Hier werden die derzeit nicht kommerziell zu verwertenden Reste der Salzproduktion aufgehaldet. Der Monte Kali überragt die Umgebung um rund 200 m. Nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden Organisation und Unterstützung vom Werk Werra der K+S KALI GmbH, stellvertretend für die vielen Beteiligten seien hier Dr. Jost Götte, Leiter Produktion über Tage Werk Werra, und Dipl.-Ing. Manfred Weitz, Leiter Technik über Tage, genannt, war es für die Studenten eine gelungener Ausflug in die Welt der Rohsalzgewinnung und -aufbereitung.

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