Abschiedstour führt Dietmar Alber nach Kairo zu ACCM

Calciumcarbonat: Konsistenz als Schlüssel zum
Erfolg – Hosokawa Alpine und ACCM im Fokus

Im Zuge einer mehrteiligen Abschiedstour im Zeichen von 40 Jahren technischer und anwendungsspezifischer Expertise führte es Dietmar Alber gemeinsam mit AT MINERAL PROCESSING-Redakteur Lukas Höpfner nach dem Besuch bei Jordan Minerals in Amman (siehe Ausgabe AT MINERAL PROCESSING 02/2026) weiter nach Kairo: zu ASCOM Carbonate and Chemicals Manufacturing (ACCM), einem der führenden Hersteller von Calciumcarbonat in der Region.

Vor Ort wurde schnell deutlich, dass ACCM in Ägypten weit mehr ist als nur ein Produktionsstandort: Das Unternehmen steht exemplarisch für eine gewachsene internationale Partnerschaft. Insbesondere die langjährige Zusammenarbeit mit Hosokawa Alpine – maßgeblich mitgeprägt von Dietmar Alber, der diese Verbindung seit ihren Anfängen begleitet hat – zieht sich wie ein roter Faden durch die Unternehmensentwicklung.

Im Gespräch mit Ahmed Niazy, dem Managing Director von ACCM, standen die zentralen Erfolgsfaktoren im anspruchsvollen Markt für mineralische Füllstoffe im Fokus. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Produktkonsistenz als entscheidender Wettbewerbsvorteil. Darüber hinaus wurden die Nachhaltigkeitsstrategie von ACCM sowie die Frage diskutiert, ob und wie sich für ultrafeine Produkte langfristig tragfähige Absatzmärkte entwickeln lassen. Ergänzt wurde die Gesprächsrunde durch Khaled Khattab, Projects Manager bei ACCM, sowie Suleiman Smadi, MENA Sales Director von Hosokawa Alpine, die zusätzliche fundierte Einblicke in technische und vertriebliche Perspektiven gaben.

ACCM ist Teil der ASCOM-Gruppe, eines breit aufgestellten Unternehmensverbunds mit Aktivitäten in den Bereichen Industriemineralien und Bergbau. Im Jahr 2008 fiel die strategische Entscheidung, mit ASCOM Carbonate and Chemicals Manufacturing (ACCM) ein Greenfield-Projekt ins Leben zu rufen – ein Schritt, dessen Tragweite damals wohl kaum jemand in dieser Form vorhersehen konnte. Man suchte damals zunächst nach dem besten strategischen und technischen Partner zur Umsetzung des  Vorhabens, der nach langen Recherchen und Diskussionen final in der Firma Hosokawa Alpine gefunden wurde. 

Heute zeigt sich, welches Potenzial in dieser wichtigen Entscheidung lag. ACCM vereint einen entscheidenden Standortvorteil: Sowohl die Steinbrüche als auch die Produktionsanlagen befinden sich in Ägypten – und nur rund 20 Minuten voneinander entfernt. Diese enge Verzahnung von Rohstoffgewinnung und Verarbeitung bildet das Rückgrat der Effizienz des Unternehmens.

Der Weg dorthin war jedoch alles andere als einfach. Der Aufbau eines Unternehmens dieser Größenordnung stellte das Team vor erhebliche Herausforderungen – insbesondere in den Anfangsjahren. Neben der technischen Inbetriebnahme ging es vor allem darum, stabile Prozesse zu etablieren, Märkte zu erschließen und das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.

„Gerade in der Industrie für minaralische Roh- und Füllstoffe braucht es Zeit, bis sich ein neuer Anbieter etabliert“, erklärt Niazy. „Kunden testen und vergleichen intensiv – das kann bis zu einem Jahr dauern.“ Denn in einem hart umkämpften Markt ist Qualität nicht nur ein Vorteil, sondern die Voraussetzung für den Erfolg.

Zusätzlich fiel die Gründungsphase in eine der turbulentesten Perioden der jüngeren ägyptischen Geschichte: die Ägyptische Revolution 2011. Während das Land von Unsicherheit geprägt war, arbeitete das Team parallel daran,  ACCM Schritt für Schritt aufzubauen. Rückblickend hebt Niazy insbesondere den Einsatz und die Widerstandsfähigkeit der damaligen Mannschaft hervor, die trotz widriger Umstände die Grundlage für den heutigen Erfolg gelegt hat.

Als Niazy selbst 2017 zum Unternehmen stieß, lag der Export noch bei rund 300 Containern monatlich, ergänzt durch Verkäufe auf dem lokalen Markt. Heute hat sich dieses  Volumen auf etwa 1500 Container vervielfacht – ein eindrucksvolles Wachstum, das die konsequente Ausrichtung von ACCM auf internationale Märkte unterstreicht.

 

Geschäftsentwicklung und internationale Expansion 

AT MINERAL PROCESSING: Was hat sich nach 2017 verändert?

Ahmed Niazy: Wir haben uns zunächst auf scheinbar einfache, in Wahrheit aber entscheidende Grundlagen konzentriert. Ein zentraler Punkt war, dem Unternehmen überhaupt erst ein klares kommerzielles Profil zu geben – denn genau das hat zuvor gefehlt. Wir haben ein professionelles Unternehmensprofil entwickelt, technische Datenblätter erstellt und damit begonnen, die tatsächliche Qualität unserer Produkte auch sichtbar zu machen.

Parallel dazu haben wir den Vertrieb gezielt ausgebaut, neue Mitarbeiter eingestellt und unsere Präsenz auf internationalen Fachmessen deutlich verstärkt. Vor allem aber haben wir gelernt, unsere Produkte aktiv im Markt zu positionieren. Das klingt vielleicht nach Selbstverständlichkeiten, ist aber der Schlüssel, um Vertrauen aufzubauen und neue Kunden zu gewinnen. Auf dieser Basis konnten wir Schritt für Schritt neue Märkte erschließen.

Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor liegt in der unternehmerischen Denkweise der Eigentümer. Entscheidungen werden schnell getroffen, Chancen konsequent genutzt. Das hat unser Wachstum erheblich beschleunigt. Immer wenn wir unsere Kapazitäten erweitert haben, war die Nachfrage bereits da – oft sogar größer als das zusätzliche Angebot.

Als ich 2017 zum Unternehmen kam, haben wir intensiv gerechnet, analysiert und verschiedene Szenarien durchgespielt: Welche Mengen lassen sich realistisch absetzen? Zu welchen Preisen? Und mit welcher Anlagenkonfiguration erzielen wir die beste Wirtschaftlichkeit? Auf dieser Grundlage haben wir gezielt optimiert. Sobald das Wachstum einsetzte, entwickelte sich eine spürbare Eigendynamik – ein regelrechter Schneeballeffekt, der uns bis heute trägt.

 

Produktkonsistenz und Markenentwicklung

AT MINERAL PROCESSING: Was würden Sie als größte Besonderheit von ACCM-Produkten bezeichnen?

Dietmar Alber: Was mir aus den ersten Jahren der Zusammenarbeit mit ACCM besonders in Erinnerung geblieben ist, ist die außergewöhnliche Produktkonsistenz – und genau darin liegt aus meiner Sicht einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren in der GCC-Füllstoffindustrie.

Konsistenz bedeutet dabei weit mehr als nur gleichbleibende Qualität. Sie beginnt bereits im Steinbruch, etwa mit einem konstant hohen Weißegrad des Rohmaterials, und setzt sich konsequent über alle Prozessstufen fort. Das Ergebnis sind Produkte mit stabilen Kornverteilungen, absolut spritzkornfreiem Oberkorn sowie – bei beschichteten Qualitäten – einer exzellenten und gleichbleibenden Coating-Qualität. Dies ist für alle Endanwender in der Polymer- und Farbenindustrie extrem wichtig, da deren Rezepturen keine fluktuierenden Qualitäten zulassen.

Hinzu kommt ein weiterer, oft unterschätzter Aspekt: Zuverlässigkeit. Gemeint ist damit die kontinuierliche Lieferfähigkeit über die gesamte GCC-Produktpalette hinweg. Erst das Zusammenspiel aus gleichbleibender Produktqualität und verlässlicher Verfügbarkeit schafft Vertrauen und damit die Grundlage für einen starken Ruf im Markt, insbesondere im Wettbewerb mit etablierten globalen Akteuren. 

Ahmed Niazy: Ja, absolut. Diese Konsistenz ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis mehrerer ineinandergreifender Faktoren.

Erstens profitieren wir von der außergewöhnlich hohen Qualität des ägyptischen Rohmaterials. Die geologischen Gegebenheiten und die Eigenschaften unserer Lagerstätten bilden eine äußerst stabile Grundlage.

Zweitens haben wir von Beginn an konsequent auf die Technologie gesetzt, die wir als die Beste bewertet haben, und sind diesem Ansatz bis heute treu geblieben. Die langfristige Partnerschaft mit Hosokawa Alpine bestätigt diese Entscheidung aus unserer Sicht. Mit den eingesetzten Prozessanlagen decken wir alle für uns entscheidenden Anforderungen ab und gewährleisten eine hohe Prozesssicherheit. Gleichzeitig ermöglichen uns die verschiedenen Technologien der  Trocken- und Nassaufbereitung, ein breites Produktspektrum anzubieten – von superfeinen und mittelfeinen bis hin zu oberflächenbeschichteten Calciumcarbonatpulvern.

Der dritte, zentrale Faktor ist der Betrieb selbst: die Nähe zu unseren Prozessen, die konsequente Steuerung und Überwachung der Anlagen sowie der hohe Stellenwert der Qualitätssicherung im täglichen Betrieb.

Produktkonsistenz entsteht somit nicht durch einen einzelnen Aspekt, sondern durch das präzise Zusammenspiel von Rohstoff, Technologie und operativer Exzellenz.

 

Export, Logistik und internationaler Wettbewerb

AT MINERAL PROCESSING: Wie hoch ist Ihr Exportanteil heute?

Ahmed Niazy: Der Export ist für uns das zentrale Standbein: Aktuell liegt unser Anteil bei rund 80 %, was etwa 1500 Containern entspricht – mit dem klaren Ziel, dieses  Volumen in den kommenden Jahren zu verdoppeln.

Ein Schlüsselmarkt ist dabei Indien. Das Land bietet enormes Potenzial: eine stark wachsende Kunststoffindustrie mit hoher Nachfrage nach qualitativ hochwertigen GCC-Füllstoffen sowie eine zunehmend anspruchsvolle Farben- und Lackindustrie, in der ein hoher Weißegrad der Füllstoffe entscheidend ist – nicht zuletzt, um den Einsatz des kostenintensiven Weißpigments Titandioxid teilweise zu reduzieren.  Trotz der Größe des Landes ist die  Verfügbarkeit hochwertiger Calciumcarbonat-Lagerstätten in Indien begrenzt. Lokal verfügbare Füllstoffe weisen häufig einen erhöhten Quarzgehalt und einen geringeren Weißegrad auf, als es die Industrieanforderungen verlangen. Genau an diesem Punkt können wir unsere Stärken gezielt ausspielen.

Der zweite große Wachstumstreiber ist Afrika. Wir sind mittlerweile in mehreren Regionen aktiv – von Nord- über West- bis Südafrika – und verzeichnen dort ein dynamisches Wachstum. Besonders wichtig sind für uns Märkte wie Algerien, Marokko und Südafrika.

Darüber hinaus konnten wir unsere Präsenz in Saudi-Arabien deutlich ausbauen und prüfen kontinuierlich weitere  Wachstumschancen, etwa in Brasilien, Venezuela sowie in Türkei und Teilen Europas, beispielsweise Polen.

Viele sind überrascht, dass ein niedrigpreisiger Rohstoff wie Calciumcarbonat über solche Distanzen wirtschaftlich transportiert werden kann. Doch genau hier zeigt sich die Bedeutung effizienter Logistik und klarer Marktpositionierung: Wenn Qualität, Preis und Lieferzuverlässigkeit stimmen, lassen sich auch globale Märkte erfolgreich bedienen.

 

AT MINERAL PROCESSING: Also kann sogar Europa ein Markt sein?

Ahmed Niazy: Ja, durchaus – und wir sehen dort zunehmend Erfolge, vor allem aufgrund unserer hohen und konstanten Produktqualität. Der Markteintritt ist allerdings anspruchsvoll: Die Logistik ist komplex und die Transportkosten sind entsprechend hoch.

Dennoch gibt es Anwendungen, bei denen sich der Export nach Europa wirtschaftlich darstellen lässt – insbesondere dann, wenn die Qualität lokal verfügbarer Rohstoffe nicht den Anforderungen entspricht. In solchen Fällen können wir mit unseren Produkten klare  Vorteile bieten.

Am Ende entscheidet jedoch immer die Wirtschaftlichkeit. Wir arbeiten intensiv daran, wettbewerbsfähige Frachtraten zu sichern und pflegen enge Beziehungen zu Reedereien. Das Grundprinzip bleibt dabei unverändert: Produktkosten und Logistik müssen in Summe zum jeweiligen Marktpreis passen.

 

AT MINERAL PROCESSING: Wird die hohe Qualität, die Sie produzieren, in allen Märkten gleichermaßen benötigt?

Dietmar Alber: Wie stellt sich das beispielsweise in Afrika dar? In der   Vergangenheit gab es dort zwar großes Interesse an hochwertigen Produktionsanlagen für GCC, gleichzeitig waren die Qualitätsanforderungen aber oft noch vergleichsweise niedrig.

Ahmed Niazy: Das Bild wandelt sich deutlich: Afrika entwickelt sich dynamisch. Früher war lokal verfügbares Material produziert mit einfacher Anlagentechnologie für einfache Anwendungen, etwa Basisfarben, häufig ausreichend.

Heute sehen wir jedoch einen klaren Trend hin zu höherwertigen Produkten. Gerade in der Kunststoffindustrie und im Bereich hochwertiger Farben steigt die Nachfrage nach konsistenten, qualitativ hochwertigen mineralischen Füllstoffen – und diese werden zunehmend importiert.

Mit dem Wachstum der Bevölkerung und der Industrien steigen auch die Erwartungen an die Produktqualität. Genau hier eröffnet sich für uns erhebliches Potenzial.

 

AT MINERAL PROCESSING: Wie sieht es mit der lokalen Konkurrenz aus, zum Beispiel in Algerien?

Ahmed Niazy: Es gibt durchaus Bewegung im Markt: Einige Projekte wurden bereits umgesetzt, weitere sind angekündigt.  Allerdings verlaufen Entwicklungen in Algerien oft vergleichsweise langsam, was vor allem an komplexen und sich teils häufig ändernden regulatorischen Rahmenbedingungen liegt. Zwar wird zunehmend in moderne, hochwertige Produktionsanlagen investiert, doch ein entscheidender Faktor bleibt: die  Verfügbarkeit geeigneter Rohstoffe. Hochwertige Lagerstätten, die als Basis für erstklassige GCC-Füllstoffe dienen, sind begrenzt – und genau hier liegt nach wie vor eine zentrale Herausforderung für die lokale Konkurrenz in Algerien.

 

AT MINERAL PROCESSING: Sehen Sie spezifische Herausforderungen oder Anforderungen bei der Zusammenarbeit mit Kunden in unterschiedlichen Ländern?

Ahmed Niazy: Ja, die Anforderungen sind äußerst vielfältig und unterscheiden sich je nach Markt und Anwendung erheblich. Häufig beginnen die Herausforderungen bereits bei der Logistik. In Saudi-Arabien etwa erwarten einige Kunden eine Anlieferung in Silos. Wenn wir unsere Produkte jedoch in Jumbo-Säcken oder 25-kg-Säcken exportieren, sind zusätzliche Zwischenlager- und Umschlaglösungen erforderlich.

Darüber hinaus spielen auch Verpackungskonzepte, spezifische Produkteigenschaften und anwendungstechnische Anforderungen eine entscheidende Rolle. Letztlich ist kaum ein Auftrag wie der andere: Jeder Markt, jedes Produkt und jeder Kunde bringt eigene Erwartungen mit sich – und genau diese Flexibilität ist entscheidend, um international erfolgreich zu sein.

 

GCC-Qualität, Verfahrenstechnik und der Trend zu feineren Pulvern

AT MINERAL PROCESSING: ACCM wächst stark im Volumen. Wäre es sinnvoll, auf größere Anlagen umzusteigen?

Ahmed Niazy: Das ist tatsächlich ein Thema, mit dem wir uns intensiv beschäftigen. Wenn wir unser  Volumen mittelfristig verdoppeln wollen, liegt es nahe, bei neuen Anlagen auf größere Kapazitäten zu setzen – idealerweise mit einer Verdopplung der Leistung pro Linie. Das bringt klare Vorteile: einen geringeren Flächenbedarf bei gleichzeitig höherem Output sowie niedrigere Investitionskosten pro produzierte Tonne.

Wir haben bereits zusätzliches Land erworben, um diese Expansion gezielt vorzubereiten. Gleichzeitig geht es uns nicht nur um reines Wachstum. Entscheidend ist, dass jede Investition strategisch zu unserer internationalen Ausrichtung passt und unsere Marktposition nachhaltig stärkt.

Dietmar Alber: Bei Hosokawa Alpine liegt bereits ein Konzept für einen noch größeren Feinstsichter vor. Die Konstruktion ist abgeschlossen, sodass eine Umsetzung bei Bedarf kurzfristig erfolgen kann.

 

AT MINERAL PROCESSING: Sie haben vorhin die Qualität des ägyptischen Kalksteins erwähnt. Worin liegt die Besonderheit?

Ahmed Niazy: Ein wesentlicher Vorteil unseres Kalksteins liegt in der Kombination aus großen Lagerstätten und einer sehr hohen, konstanten Qualität. Diese Eigenschaften bilden die Grundlage für unser heutiges Erfolgsmodell.

Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel aus gut mahlbarem Rohmaterial und der eingesetzten Prozesstechnologie – insbesondere dem Kugelmühlen- und  TTD-Sichterkonzept von Hosokawa Alpine. Mit dieser Konfiguration erreichen wir sowohl hohe Durchsätze als auch sehr gute Feinheiten.

Gleichzeitig stellt sich für uns kontinuierlich die Frage, wie wir unsere Produkte weiter verbessern können. Aktuell erzielen wir bereits Feinheitswerte von etwa 70 bis 80 % unter 2 µm – perspektivisch wollen wir diese Werte jedoch noch steigern.

Unser Fokus liegt dabei klar auf der Trockenaufbereitung. Sie ermöglicht es uns, zusätzliche Komplexität zu vermeiden und wirtschaftlich effizient zu bleiben. Die Nassaufbereitung bringt nicht nur höhere Investitionen mit sich, sondern auch einen erheblichen Energiebedarf für die Trocknung – ein Faktor, der angesichts steigender Gaspreise zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Dietmar Alber: Welche Entwicklungen sehen Sie in der Farbenindustrie? In vielen Märkten ist zu beobachten, dass trockenes GCC-Pulver zunehmend durch GCC-Slurries ersetzt wird. Diese bieten mehrere Vorteile: eine kosteneffizientere Herstellung, die Mitlieferung von Wasser und Dispergiermitteln sowie insgesamt wirtschaftlich attraktive Einsatzbedingungen für den Kunden. Und wie stellt sich in diesem Zusammenhang die Situation in der ägyptischen Papierindustrie dar?

Ahmed Niazy: Die Farbenindustrie in Ägypten gehört seit Beginn zu unseren wichtigsten Absatzmärkten – und wir konnten uns hier erfolgreich etablieren. Zu unseren Kunden zählen unter anderem zwei der größten Farbenhersteller des Landes. Die Papierindustrie hingegen ist in Ägypten im Vergleich zu anderen Regionen weniger stark ausgeprägt, was das Marktpotenzial aktuell begrenzt. Dennoch beobachten wir die Entwicklungen sehr genau.

Das Thema GCC-Slurry ist für uns durchaus interessant. Wir prüfen aktiv, inwieweit sich hier zusätzliche Potenziale erschließen lassen und ob sich entsprechende Geschäftsmodelle auch lokal umsetzen lassen. Sollte es konkrete Anforderungen geben, sind wir jederzeit bereit, gemeinsam mit unseren Kunden entsprechende Lösungen zu entwickeln.

 

Nachfrage nach ultrafeinen Produkten

AT MINERAL PROCESSING: Wie sieht es mit Anwendungen aus, die einen D90-Wert unter 2 µm erfordern? Gibt es dafür einen Markt?

Ahmed Niazy: Ja, diesen Markt gibt es – und er gehört klar zum Premiumsegment. Nur wenige Hersteller sind in der Lage, derart feine Produkte zuverlässig und reproduzierbar herzustellen. Wer diese Hürde nimmt, bewegt sich in einem Wettbewerbsumfeld mit wenigen Anbietern. Entsprechende Anwendungen finden sich unter anderem in Papier, Kunststoffen, Folien und insbesondere in sogenannten atmungsaktiven Folien.

Dietmar Alber: Gerade GCC für atmungsaktive Folien ist ein hochanspruchsvolles Spezialprodukt. Es reicht nicht aus, lediglich eine hohe Feinheit zu erreichen. Gefordert sind eine sehr steile Kornverteilung, ein hoher Weißegrad, minimale Grob-anteile oberhalb von 10 µm, eine exakt abgestimmte Oberflächenbehandlung sowie ein Höchstmaß an Reinheit.

Diese Anforderungen machen den Herstellungsprozess entsprechend komplex – eröffnen gleichzeitig aber auch attraktive Margen.

Ahmed Niazy: Genau darin liegt die Herausforderung. Wir wissen grundsätzlich, wie sich solche Produkte herstellen lassen, und die Nachfrage ist vorhanden. Allerdings handelt es sich nicht um ein klassisches Volumengeschäft, sondern um ein anspruchsvolles Spezialsegment.

Entscheidend ist die vollständige Prozesskontrolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Mahlen über Dispergieren, Trocknung und Coatieren bis hin zum  Verarbeitungsverhalten im Endprodukt. Bereits kleinste Abweichungen, etwa bei der Coatierung, können in der Folienanwendung zu Defekten wie Poren, Farbabweichungen oder strukturellen Schwächen führen.

Die Nachfrage ist insbesondere in Europa vorhanden, etwa in Griechenland und der  Türkei, entwickelt sich jedoch eher stabil als dynamisch. In der Türkei gibt es zwar eine relevante Nachfrage im Folienbereich, der Markt wird jedoch weitgehend von etablierten Anbietern dominiert. Auch China arbeitet intensiv daran, in dieses Segment vorzudringen – bislang jedoch mit begrenztem Erfolg, insbesondere wenn es um die erforderliche Feinheit und Kornverteilungssteile geht.

Für uns bedeutet das: Dieses Segment bietet klare Chancen – allerdings primär im Hinblick auf Margen, weniger auf  Volumen.

Dietmar Alber: Ein effizienter und praxisnaher Ansatz zur Herstellung von Produkten mit etwa 90 % unter 2 µm ist die Integration zusätzlicher Ultrafeinstsichter in den bestehenden Kugelmühlen-Sichtkreislauf. Durch die gezielte Abtrennung der Feinanteile lässt sich nicht nur das gewünschte Produkt erzeugen, sondern gleichzeitig die Effizienz des gesamten Mahlprozesses steigern.

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass die gesamte Energie in das Erreichen einer bestimmten Endfeinheit fließt. Tatsächlich wirkt ein zu hoher Feinanteil in der Mühle dämpfend auf den Mahlprozess. Wird dieser Feinanteil gezielt reduziert, verbessert sich der Wirkungsgrad deutlich. In der Praxis hat sich gezeigt, dass sich durch die Abtrennung von Teilströmen – etwa ultrafeinen Fraktionen unter 2 µm oder auch Anteilen unterhalb von 45 µm aus dem Grobgutstrom des Hauptsichters – zusätzliche Produkte nahezu ohne nennenswerten Energieaufwand gewinnen lassen.

 

Strategische Zukunftsziele von ACCM

AT MINERAL PROCESSING: Mit Blick auf die Zukunft: Ihre Strategie scheint eine stetig steigende Nachfrage nach Ihren Füllstoffen zu erzeugen. Welche Erwartungen haben Sie an die Verarbeitungstechnologie und die zukünftige Zusammenarbeit mit Ihrem bevorzugten Maschinenlieferanten?

Ahmed Niazy: Im Kern verfolgen wir zwei strategische Stoßrichtungen: Zum einen wollen wir unsere Produkte weiter verfeinern. Wir erreichen heute bereits sehr gute Feinheiten, sehen hier aber noch weiteres Potenzial. Zum anderen prüfen wir gezielt den Ausbau im Bereich Spezialprodukte – etwa für atmungsaktive Folien oder andere High-End-Anwendungen. Voraussetzung ist jedoch stets, dass Marktvolumen und Margen langfristig attraktiv sind.

Parallel dazu setzen wir bei größeren Produktionslinien bewusst auf Standardisierung. Einheitliche Komponenten, vergleichbare Systeme und harmonisierte Ersatzteilstrukturen erleichtern den Betrieb, erhöhen die Effizienz und reduzieren die Komplexität im Alltag erheblich.

Für die Jahre 2026 und 2027 sind unsere Ziele klar definiert: eine weitere Steigerung der Feinheit, die Optimierung der Prozessleistung sowie eine noch höhere Linienstabilität. Darüber hinaus wollen wir die Oberflächenbehandlung für Spezialprodukte gezielt weiterentwickeln. In diesem Zusammenhang sehen wir großes Potenzial in der weiteren Zusammenarbeit mit Hosokawa Alpine. Beide Unternehmen verfügen über ambitionierte Wachstumspläne und es gibt zahlreiche Ansatzpunkte, diese gemeinsam voranzutreiben.

Ein zentraler Baustein unserer Zukunftsstrategie ist zudem der Ausbau unserer Forschungs- und Entwicklungskapazitäten. Aktuell investieren wir in ein neues Labor mit erweiterten Analyse- und Prüfmethoden. Besonders wichtig ist uns dabei die Möglichkeit, reale Anwendungen zu simulieren – vor allem im Kunststoffbereich. So können wir das Verhalten unserer Produkte direkt unter praxisnahen Bedingungen testen und unsere Kunden gezielt unterstützen.

Unser Anspruch ist es, ACCM nicht nur als Hersteller von Calciumcarbonat zu positionieren, sondern als technischen Partner, der aktiv zur Optimierung von Anwendungen beiträgt.

Ein weiterer entscheidender Vorteil liegt in unserer vertikalen Integration: Wir betreiben unsere eigenen Steinbrüche und kontrollieren damit die gesamte Rohstoffbasis. Im Gegensatz zu vielen Marktteilnehmern, die auf externe Lieferanten angewiesen sind, sichern wir uns so eine konstant hohe Qualität sowie langfristige Rohstoffverfügbarkeit – eine wichtige Grundlage für nachhaltiges Wachstum.

 

AT MINERAL PROCESSING: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer aktuellen und zukünftigen Strategie?

Ahmed Niazy: Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Vor einigen Jahren haben wir rund 25 Morgen Land in unmittelbarer Nähe unseres Werks erworben und dort eine großflächige Solaranlage installiert. Heute können wir unsere Produktion tagsüber nahezu vollständig mit Solarenergie betreiben. Das ist ein bedeutender Schritt – nicht nur in ökologischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht. In dieser Größenordnung gehört ein solches Projekt in unserer Branche und Region nach wie vor zu den Ausnahmen.

 

Partnerschaft mit Hosokawa Alpine und Dietmar Alber

AT MINERAL PROCESSING: Wir haben über Ihre Unternehmensentwicklung, Technologie, Märkte und Anwendungen gesprochen. Zum Abschluss: Von den ersten Anlagen bis zu den jüngsten Projekten – wie hat sich die Zusammenarbeit mit Hosokawa Alpine über die Jahre verändert?

Ahmed Niazy: Diese Zusammenarbeit war und ist für uns von zentraler Bedeutung. Sie basiert auf einer gewachsenen, vertrauensvollen Partnerschaft und ich würde sie klar als Win-win-Situation bezeichnen. Beide Seiten haben voneinander profitiert und sich gemeinsam weiterentwickelt.

Im Laufe der Jahre sind wir nicht nur technisch enger zusammengerückt, sondern auch in der Projektarbeit deutlich stärker integriert. Gemeinsam arbeiten wir kontinuierlich daran, Prozesse zu optimieren – von der Anlagenplanung über die Fertigung und Logistik bis hin zur Inbetriebnahme. Dabei geht es immer auch um Geschwindigkeit, Effizienz und die Entwicklung neuer Ideen. Ich bin überzeugt, dass sich diese Partnerschaft weiter vertiefen wird – insbesondere in den Bereichen Forschung und Entwicklung, bei der Erschließung neuer Märkte und bei der gemeinsamen Ausrichtung auf zukünftige Anforderungen.

 

AT MINERAL PROCESSING: Und was bedeutet es für Sie persönlich, dass Dietmar Alber nun das Ende seiner aktiven Karriere bei Hosokawa Alpine erreicht?

Ahmed Niazy: Natürlich markiert das einen Einschnitt – zugleich aber auch den Beginn eines neuen Kapitels. Ich bin mir sicher, dass die persönliche und fachliche Verbindung bestehen bleibt. Wir würden uns sehr freuen, auch künftig mit Herrn Alber im Austausch zu bleiben und von seiner Erfahrung zu profitieren.

Dietmar Alber: Vielen Dank – das freut mich sehr, und ich kann das nur zurückgeben.

 

AT MINERAL PROCESSING: Herr Niazy, vielen Dank für das Gespräch und die offenen Einblicke.

www.hosokawa-alpine.com

www.accm.com.eg

Autoren:

Dietmar Alber, Private Consultant, & Lukas Höpfner, Redakteur AT MINERAL PROCESSING

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