Der Cat 980G startet nach seinem Rebuild sein zweites Baumaschinen-Leben
06.05.2026Als die ersten Smartphones aufkamen und die Internetnutzung begann, liefen auch Cat Radlader 980G im belgischen Gosselies vom Band. Ein Modell der Baumaschine leistete seit 1997 der Firma Johann Jäggle GmbH & Co. KG in Hüfingen treue Dienste. Das belegt der Betriebsstundenzähler, der zuletzt über 18 400 Stunden anzeigte – und das ohne einen nennenswerten Ausfall oder eine größere Reparatur. Doch nun endete für den Cat 980G die erste Etappe seines Maschinenlebens. Für die zweite Lebensphase wurde er von der Niederlassung Böblingen im Zuge eines Rebuilds wieder auf Vordermann gebracht. Denn das Unternehmen wollte keineswegs auf sein zuverlässiges Arbeitsgerät verzichten.
Servicetechniker Marc Rück (links) und David Klauser machten den Cat Radlader 980G wieder flott
© Zeppelin
Überholt wurde die komplette Baumaschine samt Motor, Getriebe und Achsen inklusive sämtlicher Steuergeräte bis hin zur kompletten Kabine. Drei Monate betrug das Zeitfenster, das die beiden Zeppelin Servicetechniker Marc Rück und David Klauser in der Werkstatt zur Verfügung hatten. Die Servicemitarbeiter folgten dabei einem strikten Ablauf gemäß den Vorgaben seitens Caterpillar, den Radlader zu demontieren, instand zu setzen und wieder zusammenzubauen. Den Anfang bildete eine detaillierte Diagnose. Die Sichtprüfung durch Serviceberater Simon Honer erfolgte anhand der App Cat Inspect, indem er darüber den Zustand der Baumaschine samt ihrer Ausrüstung nach exakten Vorgaben sowie Standards dokumentierte. Wartungshistorie und Ölproben von Motor, Getriebe und Hydraulik flossen ein, um den technischen Zustand zu bestimmen. Dann machten sich Marc Rück und David Klauser ans Werk. Sie legten los mit dem Abbau von Kotflügeln, Blechen und Verkleidungen. Motor, Getriebe, Achsen, Hydraulikkomponenten sowie Elektrik und Steuerungseinheiten wurden systematisch ausgebaut. Das schaffte die Voraussetzung für eine gründliche Reinigung und Untersuchung von Verschleiß. Und nur so lassen sich Toleranzen überprüfen, Schweißnähte kontrollieren und Risse beseitigen. Die Baumaschine musste bis auf ihren Rahmen zerlegt werden – so die Vorgabe. „Nur wenn dieser keine wesentlichen Risse aufweist, macht so ein Rebuild überhaupt Sinn“, weist Patrick Jedrzejczak, Teamleiter der Werkstatt bei Zeppelin, hin. Doch das lässt sich erst herausfinden, wenn Fahrwerk und Rahmen bloß liegen.
Die Baumaschine musste beim Rebuild bis auf ihren Rahmen zerlegt werden
© Zeppelin
Im Fall einer Generalüberholung, der sich der Cat 980G unterzogen hat, wurden rund 7000 Teile erneuert – selbst die Schaufel knöpften sich die Servicemitarbeiter vor und statteten diese mit dem neuen Zahnsystem Cat Advansys aus. „Auch wenn die Baumaschine knapp 30 Jahre alt ist, waren Ersatz- und Verschleißteile innerhalb von zwei Wochen verfügbar“, so David Klauser. Sein Kollege Arthur Stesel kümmerte sich darum, dass die Teile zum Einbau just in time vorlagen. Ein solcher Rebuild ist arbeitsintensiv: Bei einem Radlader fällt dieser deutlich aufwendiger aus als beispielsweise bei einem Muldenkipper. „Es ist eine anspruchsvolle Demontage und Instandsetzung“, meint Marc Rück. Sein Kollege David Klauser ordnet die Komplexität ein: „Ein Radlader wie der Cat 980G, der in einem Kieswerk wie in Hüfingen eingesetzt wird und damit eher leichtere Tätigkeiten verrichten muss, ist im Lauf seines Maschinenlebens mit ganz anderen Belastungen konfrontiert als ein Skw. Er hat wesentlich mehr bewegliche Teile. Unterschiede bestehen auch beim Stahlbau. Denn ein Muldenkipper ist deutlich einfacher aufgebaut.“ Hinzu kommt die komplexere Kinematik bezüglich Hubgerüst und Hydraulik bei dem Radlader. Bolzen- und Buchsenverbindungen müssen unter Last arbeiten und sind entsprechendem Verschleiß ausgesetzt. Das bedeutete, die Maschine mit neuen Bolzen und Buchsen zu versehen. Die Experten im Service mussten Gelenkpunkte präzise vermessen, ausbuchsen und ausrichten – ein Prozess, der viel Zeit und auch Expertise erforderlich macht. „Das alles können wir hier in Böblingen durchführen. In unserer Schweißerei haben wir das Know-how“, unterstrichen die beiden Servicetechniker.
Ein weiteres zentrales Merkmal des Radladers ist seine Knicklenkung. Die beiden großen Drehgelenke stehen unter ständigem Druck und bilden einen der empfindlichsten Bereiche des gesamten Fahrzeugs. Für eine vollständige Überholung mussten Vorder- und Hinterwagen voneinander getrennt und das Gelenk umfassend instandgesetzt werden. „Wir mussten uns ranhalten, dass alles innerhalb von wenigen Wochen wieder zu erneuern“, so die Servicemitarbeiter. Dabei konnten sie auf gewisse Erfahrung zählen: Während Marc Rück bereits Rebuild-Erfahrung mit einem Muldenkipper 772 und einer Laderaupe 973D gesammelt hatte, hat David Klauser bei der Instandsetzung eines Cat Kettenbaggers 365B mitgewirkt. Die Instandsetzung der Hauptbaugruppen bildete das Herzstück des Rebuilds. Dafür holten sich die Böblinger Unterstützung aus der Zeppelin-Familie – ein typisches Beispiel für echtes Teamwork. So wurden Kollegen aus Frankenthal beim Motor hinzugezogen. Denn es war nötig, diesen komplett zu zerlegen. Kolben, Laufbuchsen und Zylinderkopf waren zu prüfen. Sämtliche Verschleiß- und Dichtungsteile mussten erneuert werden. Auch beim Getriebe, das instand gesetzt werden musste, brachte sich die Niederlassung Frankenthal mit ein. Zahnräder, Lager, Kupplungselemente und Bremskomponenten wurden ersetzt beziehungsweise aufgearbeitet.
Aus Köln unterstützten Kollegen mit ihrer Expertise, die Hydraulikzylinder zu überholen, während in Bremen die Hydraulikpumpe auf Vordermann gebracht wurde. In Böblingen selbst stellte die Schlauchfertigung vor Ort die nötigen Hydraulikschläuche her. Schließlich musste das Hydrauliksystem inklusive Pumpe, Zylinder, Leitungen und Filtern überprüft, abgedichtet und neu eingestellt werden. Ganz wesentlich war auch, die ganze Elektrik sorgfältig zu erneuern und neue Kabelbäume einzuziehen. Für Rebuild-Maßnahmen gilt außerdem: Es fließen alle technischen Neuerungen ein, die zwischenzeitlich Eingang in die Serienproduktion gefunden haben. Aber auch Kundenwünsche haben die Servicetechniker realisiert: So wurde eine Zentralschmieranlage installiert. In der Kabine wurden ein neuer Sitz, neue Displays und neue Schalter eingebaut.
Beim anschließenden Wiederaufbau wurden alle überholten Baugruppen in umgekehrter Reihenfolge wieder montiert. Elektrik und Hydraulik wurden angeschlossen, die Maschine mit frischen Betriebsflüssigkeiten befüllt und die Hydraulik auf Dichtigkeit und konkrete Druckverhältnisse geprüft. Anschließend erhielt der Radlader noch ein neues Finish: Dazu gehörten Sandstrahlen, Grundierung und neue Lackierung. Nun ist auch von außen sichtbar, dass der Cat 980G eine umfassende Runderneuerung erhalten hat. Den Abschluss bildete eine umfassende Test- und Qualitätsphase. Der Radlader durchlief Probeläufe im Stand, Belastungstests und Probefahrten unter realistischen Einsatzbedingungen. Messwerte wie Druck, Temperatur oder Schaltverhalten wurden überwacht und dokumentiert, bis die Maschine alle Herstellervorgaben erfüllt hat. Zum Schluss erfolgte die ausführliche Dokumentation des gesamten Prozesses inklusive der aufbereiteten und erneuerten Komponenten, die dem Kunden ausgehändigt wurde.
Das Team von Johann Jäggle und der Zeppelin Niederlassung Böblingen nehmen die überholte Baumaschine in Betrieb
© Zeppelin
Der Cat 980G – frisch geliftet und bereit für weitere drei Jahrzehnte
Kaum stellte Hannes Jäggle die ersten Schnappschüsse des frisch überholten Cat Radladers 980G in seinen WhatsApp-Status, reagierten seine Kontakte mit Daumen nach oben, Smileys oder Kommentaren wie „alles richtig gemacht“. „Es gab ganze 140 Reaktionen. Das Feedback war durch die Bank positiv und bestätigt unsere Entscheidung“, erklärt der Geschäftsführer der Johann Jäggle GmbH & Co. KG. Der Anlass für die vielen Rückmeldungen: Das Kies- und Transportbetonunternehmen ließ seine Baumaschine von der Zeppelin Niederlassung Böblingen mithilfe des Cat Instandsetzungsprogramms Rebuild erneuern, sodass sie nun in neuem Glanz erstrahlt. Der Radlader hatte ganze 600 Betriebsstunden auf seiner Uhr, als das Unternehmen 1997 die Vorführmaschine übernommen hat. Sein durchgängiger Einsatz bis Ende Dezember 2025: Abraum abdecken sowie den im Nassabbau gewonnenen und aufbereiteten Sand und Kies auf Lkw verladen. Außerdem muss der Cat 980G das Gelände für den Abbau vorbereiten, sprich Mutterboden sowie Lehmschichten aufhalden und verfahren. All das hatte der Radlader über die Jahre ohne große Blessuren bewältigt. „Wir haben einen guten Fahrer mit dem nötigen Popomotor und dem richtigen Gespür für die Maschine, die eine gute Pflege erhielt“, so Hannes Jäggle. Somit passten die Ausgangsbedingungen, um dem Radlader ein zweites Maschinenleben in Form des Rebuilds einzuhauchen.
Startklar für ein neues Maschinenleben und das Verladen von Sand und Kies
© Zeppelin
„Die Maschine war nach knapp drei Jahrzehnten im Einsatz lediglich etwas altersschwach, und um Ausfallerscheinungen vorzubeugen, haben wir Hannes Jäggle und seinem Bruder Wolfram Jäggle beim Besuch der bauma unser Rebuild-Programm vorgestellt“, erklärt Zeppelin Serviceberater Simon Honer, der das Unternehmen zusammen mit Zeppelin Verkaufsrepräsentant Nico Kiesler betreut. Beide kalkulierten die Instandsetzung und unterbreiteten der Geschäftsführung anschließend ein Angebot. Was diese überzeugte: altbewährte Technik weiter zu nutzen. „Radlader wie der 980G kommen ohne viel Elektronik aus. Uns hat die Technik, die exakt unseren Bedürfnissen entspricht, in all den Jahren nie im Stich gelassen. Daher wollen wir in Zukunft nicht auf den Radlader verzichten. Die Maschine hat zwar eine Direktlenkung, das war anfangs gewöhnungsbedürftig, aber für unsere drei Fahrer ist das kein Problem“, erklärt Hannes Jäggle. Er und sein Bruder erhoffen sich nun eine ähnlich lange Laufzeit nach der Generalüberholung.
„Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es ist beeindruckend, was Zeppelin alles aus dem Radlader wieder herausgeholt hat und mit welcher Leidenschaft die Mitarbeiter in der Werkstatt vorgegangen sind“, so Hannes Jäggle, der während des Rebuilds immer wieder von Zeppelin über den Fortschritt der Instandsetzung auf dem Laufenden gehalten wurde. Inzwischen arbeitet der Radlader wieder aktiv im Betrieb mit. Ihm zur Seite stehen weitere Baumaschinen. Ein Cat Radlader 966K übernimmt den Load-and-Carry-Betrieb, die Beschickung des Transportbetonwerks und die Rückverladung. Ein Cat Longreachbagger 349E LRE mit seinem 28 m langen Ausleger wird für die Rekultivierung der Kleingewässer eingesetzt.
Das Unternehmen gewinnt in Hüfingen Sand und Kies im Nassabbau, die veredelt werden, und stellt anschließend Transportbeton her. Viele unterschiedliche Produkte aus bis zu 300 verschiedenen Rezepturen werden erzeugt. Darunter sind auch RC-Betone, hochfeste Betone, Tresorbetone, Betone für Teststrecken der Automobilindustrie oder Betone für Kreisverkehre. Zwölf Betonmischer mit Wechselsystem sind im Umkreis von 30 km rund um den Firmensitz im Einsatz. Den Betrieb gibt es inzwischen in der vierten Generation; er begann 1900 mit der Kiesgewinnung von Hand, seit 1956 maschinell. Ab 1973 widmet man sich der Herstellung von Transportbeton. Für die Nassgewinnung in bis zu elf Metern Tiefe wurde der Schwimmbagger ein Jahr lang von der eigenen Werkstatt selbst gebaut. Auch im 170-kVA-Generator, der den Eimerkettenbagger antreibt, steckt Technik von Cat – ein Motor C7.1 sorgt für die nötige Leistung, damit sich die 22 m lange Förderkette mit 34 Kübeln in Bewegung setzt und den Rohstoff aus der Tiefe holt, den dann der überholte Cat Radlader 980G in Empfang nimmt.
