Macquarie sieht Einstiegschance bei Seltene Erden-Aktien

Die Investmentbank Macquarie sieht wieder Chancen im Markt für Seltene Erden. Nach der Abkühlung zum Jahresende steige wieder das Investoreninteresse. Vor allem drei neue Abnahmeverträge würde zeigen, dass sich ein Mindestpreis am Markt etabliert habe. Dies dürfte die Gewinne der Anbieter boosten. Für die Aktie von St George Mining sieht die Bank das Potenzial zum Verdoppler.

© St George Mining

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Ende vergangenen Jahres hatte ein Moratorium zwischen China und den USA für Gewinnmitnahmen bei vielen Aktien aus dem Bereich der Seltenen Erden gesorgt. Teilweise gaben die Titel bis zu einem Drittel und mehr ihres Wertes wieder ab. Inzwischen aber hat sich die Lage wieder verschärft. China hatte zum Jahresanfang die Exportbeschränkungen verschärft. Vor allem Dual-Use-Unternehmen sind hiervon betroffen; also jene Firmen, die Seltene Erden sowohl im zivilen wie militärischen Bereich nutzen. Dazu kommt der Krieg am Persischen Golf, der zum einen den Verbrauch der Metalle deutlich gesteigert hat. So benötigt die Produktion von 1000 Tomahawk-Raketen zwischen 1 und 4 t an reinster Seltener-Erden-Magnete. Ein U-Boot der Virginia-Klasse, dass diese Raketen abschiesst, sogar über 4600 kg an Seltenen Erden für seinen Antrieb und die Sonarsysteme. Der Konflikt dürfte zudem nicht für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Supermächten sorgen. Dabei sitzt Beijing am längeren Hebel: Je nach Seltene Erden-Metall kontrolliert China 60 bis 90 % des Marktes, vom Abbau bis zur Verarbeitung.

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Macquarie betont Bedeutung der Abnahmeverträge

Die USA und ihre westlichen Partner in Europa und Ostasien arbeiten schon länger daran, sich von den chinesischen Lieferketten unabhängiger zu machen. So wurden mit dem Projekt „Vault“ allein in den USA 12 Mrd. US$ dafür zur Verfügung gestellt. Macquarie Equity Research betonte nun in einer ausführlichen Studie die Bedeutung von drei Abnahmeverträgen. So konnte der australische Produzent zwei Verträge mit einem Mindestpreis von 110 US$/kg abschließen. Der US-Anbieter MP Materials meldete wiederum eine Offtake-Vereinbarung mit einem japanischen Unternehmen. Zudem erwähnte Macquarie in einem weiteren Research-Bericht explizit einen 10-Jahres-Abnahmevertrag , der ebenfalls diesen Mindestpreis beinhaltet. Derzeit diskutieren zudem die G7-Staaten einen offiziellen Mindestpreis, um mehr Investments in diesem Bereich zu fördern. Die Diskussionen hierzu befinden sich laut Macquarie zwar noch in einem frühen Stadium und es gibt noch keine formelle Vereinbarung, doch zu den Schlüsselthemen gehörten die mögliche Festlegung eines Mindestpreises für Seltene Erden.

Verdoppler-Chance bei St George Mining

In diesem Umfeld sieht Macquarie große Chancen für die Aktie von St George Mining (0,13 AUD; AU000000SGQ8). Die Analysten gaben ein Kursziel von 0,26 AUD für das Papier aus, sehen also die Chance auf einen Verdoppler. Die Australier entwickeln in Brasilien das Araxá-Projekt, dass sowohl Niobium als auch Seltene Erden aufweist. Jüngst legte das Unternehmen eine aktualisierte Mineralressourcenschätzung (MRE) vor, die die bestehende Ressource um 75 % vergrößerte. Sie liegt nun bei 70,91 Mio. t mit 4,06 % TREO (Total Rare Earth Oxides) und 0,62 % Nb₂O₅ (Niobpentoxid) bei einem Cut-off-Gehalt von 2 % TREO. In der Kategorie „Gemessen & Angezeigt“ stieg die Ressource sogar um 218 %, was die Grundlage für eine belastbare Wirtschaftlichkeitsstudien darstellt. Zudem besteht weiteres Aufwärtspotenzial für das Vorkommen, denn insgesamt 44 abgeschlossene Erweiterungsbohrungen sind noch gar nicht in der neuen Ressource enthalten, weitere 50 Bohrungen sollen in den nächsten Monaten niedergebracht werden. St George Mining ist mit seinem Projekt gut aufgestellt, um vom Aufbau westlicher Lieferketten zu profitieren. Stand heute will das Unternehmen bereits 2028 auf dem Araxá-Projekt mit dem Abbau von Niobium beginnen, ein Jahr später sollen dann Seltene Erden gefördert werden.

Expansion in die USA

St George hat mit REAlloy bereits einen strategischen Partner in den USA, der die US-Industrie direkt beliefert und als Abnehmer bereitsteht. Die beiden Unternehmen haben bereits eine Absichtserklärung für ein Offtake getroffen. Daneben aber plant das Management auch den Schritt auf den größten Kapitalmarkt der Welt. Das könnte der nächste Meilenstein für die Aktionäre werden. Denn mit einer Notierung an der Nasdaq würde man sich US-Fonds öffnen und könnte (eventuell) eine höhere Bewertung erreichen. Aufgrund der Einstufung als "strategisches Projekt" durch die brasilianische Regierung inklusive der im Februar gewährten Steuererleichterungen wird zudem ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren für Araxá erwartet. St Geroge Mining arbeitet nun an der Vorlage einer Pre-Feasibility Study (PFS, Machbarkeitsstudie) und im Anschluss der Definitive Feasibility Study (DFS; finale Machbarkeitsstudie). Sie werden zeigen, wie profitabel die Mine werden kann. Noch in diesem Jahr sollen die wesentlichen Arbeiten für diese Studien erfolgen.

Quellen:

www.stgm.com.au

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