Bereit für den Wandel

BKMNA`23 – Berliner Konferenz „Mineralische Nebenprodukte und Abfälle“ 2023

Endlich wieder eine Präsenzveranstaltung, noch dazu in einem neuen Konferenzhotel – dem Vienna House Andel’s Berlin – so veranstaltete in diesem Jahr Vivis bzw. die Thomé-Kozmiensky Verlag GmbH Nietwerder-Neuruppin am 12. und 13. Juni 2023 die nunmehr 10. Fachkonferenz „Mineralische Nebenprodukte und Abfälle“. Über 200 Teilnehmer aus wissenschaftlichen Einrichtungen, der Wirtschaft, aus Behörden und aus politischen Gremien waren der Einladung gefolgt, um sich über die neuesten Entwicklungen der im Umbruch befindlichen Branche zu informieren. Klima- und Energiewende, aber auch weitere Rohstoffverschiebungen infolge des Ukrainekriegs und der politischen Krisenherde weltweit werfen auch auf die Unternehmen der Baustoffindustrie ihre Schatten voraus, die es zu beseitigen gilt und die dazu auffordern, neue Wege zu beschreiten und Lösungen zu finden.

 

Durch die Mitglieder des Programmkomitees em. Univ. Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Dieter Georg Senk sowie Prof. Dr.-Ing. Herrmann Wotruba (†) (beide RWTH Aachen), Univ. Prof. Dr. mont. Helmut Antrekovitsch sowie Univ. Prof. Dr. mont. Roland Pomberger (beide Montanuniversität Leoben) war ein interessantes und vielseitiges wissenschaftliches Programm vorgelegt und mit Experten der Branche als Referenten besetzt worden.

 

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch die Geschäftsführerin der Thomé-Kozmiensky Verlag GmbH, Elisabeth Thomé-Kozmiensky, die auf die Neugestaltung des Internetsauftritts und die digitale Ausrichtung, so auch auf das Erscheinen des Fachbuches über die Konferenz als E-book hinwies. Eine Einführung in die Thematik der Konferenz gab in bewährter Weise Frau Dr.-Ing. Stephanie Thiel, die für die Programmkoordination verantwortlich zeichnete und auch die Moderation für die ersten beiden Vorträge übernahm. Die Konferenz stand unter dem Zeichen der Stoffstromverschiebungen, die sich für die Branche durch die Maßnahmen gegen den Klimawandel und ihre Folgen für die Bauindustrie so wichtigen Nebenprodukte der Eisen- und Stahlindustrie ergeben.

 

Der erste Konferenztag war den Recycling-Baustoffen unter wissenschaftlichen, praktischen, gesetzlichen, aber auch politischen Gesichtspunkten gewidmet. Mit einem Plädoyer für eine unendliche Kreislaufwirtschaft (Closed Loop = CL), für die ca. 65 % der körnigen Baustoffabfälle geeignet sind, befasste sich Dr. Ing. Berthold Schäfer, GF des Bundesverbandes Baustoffe – Steine und Erden e.V., Berlin und ging auf die branchenspezifische Selbstverpflichtung der Bauproduktehersteller zum CL ein. Dabei handelt es sich um eine einseitige und unverbindliche Selbstverpflichtung der Industrie gegenüber der Politik. Der aktuelle Stand wurde erläutert (die Bitumen- und Gipsindustrie realisieren CL bereits erfolgreich, zunehmend aber Nutzungskonkurrenz durch Stoffstromverlagerung). Auf der Grundlage des Status quo zog Dr. Schäfer das Fazit, dass die Selbstverpflichtung für Industrie und Politik von Vorteil wäre, da u. a. beide gleiche Ziele verfolgen (CO2-Minderung), die Umsetzbarkeit wesentlich schneller gelänge als bei Gesetzen und die Investitionssicherheit befördert würde. Er regte eine stufenweise Weiterentwicklung der Selbstverpflichtungen beginnend mit der Verpflichtung zwischen Recyclinganlagenbetreiber und Zementhersteller bzw. Betonhersteller regional und danach überregional an.

 

Provokant, aber realistisch der Titel des Beitrags von Dipl.-Ing. Frank Hlawatsch, Leiter der MPA der Freien Hansestadt Bremen: „Einsatz von recycelten Gesteinskörnungen für die Herstellung von Bauprodukten – erforscht, aber nicht umgesetzt“. Er stellte Forschungsergebnisse der Forschungsvereinigung Recycling und Wertstoffverwertung im Bauwesen e. V. zur Herstellung von RC-Körnungen vor, die ihrer technischen Umsetzung harren. Endlich ist anerkannt, dass Klimaschutz nur mit Ressourcenschutz geht. Insofern sollte gehandelt und nicht auf Gesetze oder Quoten gewartet werden. Am Beispiel Porenbeton (nicht recyclebar für erneuten Porenbeton) zeigte er die Möglichkeiten der daraus hergestellten Recyclate, beispielsweise Metanox (RC-Baustoff) für Deponieabdeckung oder als Wandschutz für Mörtelabdeckung, RC-Wandsysteme und einen Schaumstein, der in eine Matrix eingebettet wird und wie Porenbeton reagiert, zu verwenden. Mit ihren Aktivitäten will das Institut dazu beitragen, dass der Recyclinggedanke überall aufgegriffen und nach Wegen gesucht wird, diese Gedanken zu überprüfen und dann umzusetzen. Um die Umsetzung zu forcieren, wird die Bildung eines Bremer Ressourcen-Effizienz-Tischs vorgeschlagen, in das Abbruchunternehmen, Aufbereitungs-Ingenieure, Baustoffhersteller, Baufirmen und Bauherren einbezogen werden müssen. Für ein Gelingen müssen die Rahmenbedingungen stimmen, d.h. auch Politiker müssen aktiv an diesem Vorhaben teilnehmen.

 

Moderiert von RA Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Klett wurde von Maximilian Meyer, BRB Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe e.V., Berlin die Überarbeitung der Ersatzbaustoffverordnung (1. Revision) und die Anmerkungen dazu aus der Sicht der Industrie vorgestellt. Der Countdown läuft bis zum 01.08.2023 und es sind noch einige Änderungen notwendig, um die Interessen der Industrie zu berücksichtigen und die bestehenden Mängel zu beseitigen.

 

Ein weiteres immer noch aktuelles Thema ist die Definition des Abfallendes gerade im Bereich von Recyclingbaustoffen und Nebenprodukten. Zu dieser Thematik referierte RA Prof. Wolfgang Klett, Kunz RAe Partnerschaft mbH, Köln. Er ging auf die enormen Defizite bei der Regelung für Nebenprodukte sowie auf das Abfallende in der Ersatzbaustoffverordnung (EBV) ein und stützte sich dabei auf Hinweise aus der PORR-Entscheidung des EuGH. Sein Fazit: Einstufung von Recyclingbaustoffen als Nebenprodukt ist möglich. Weiterhin ist eine Beurteilung der Umstände des Einzelfalls im Hinblick auf die Voraussetzungen nach § 4 KrWG erforderlich. Damit ist unter bestimmten Voraussetzungen die Anwendung des Abfallrechts für bestimmte Recyclingbaustoffe nicht erforderlich, aber es gelten die Anforderungen der EBV. Das bedeutet, dass für mineralische Abfallmaterialien die Thematik nach wie vor ein schwieriges Terrain bleibt.

 

Zwei weitere Vorträge beschäftigten sich mit der analogen Problematik. So referierte Marthe-Louise Fehse, Franzen & Nusser RAePartGmbH, Düsseldorf in ihrem Beitrag „Vom Abfall zum Bauprodukt“ und Dipl.-Ing. Thomas M. Kasper PORR Bau GmbH, Wien sowie RA Dirk Buchsteiner und Coautor über “Abfallende für Recyclingbaustoffe als wesentliches Element in einer europäischen Kreislaufwirtschaft – ein grenzüberschreitender Vergleich“. Nach Ansicht von Frau Fehse fallen Recyclingbaustoffe nicht unter das Abfallrecht, sondern unter das Bauproduktenrecht, was sie in ihren Ausführungen unter Beweis stellte und die Entwicklung eines Abfallvermeidungsrechts sowie von Geschäftsmodellen, die die Abfalleigenschaften vermeiden anregte.

 

Die „Erhaltung von Bausubstanz versus Rückbau und Recycling“ stand im Fokus des Referats von Hannes Giese, Bayrische Hausbau GmbH & Co. KG., München und Sybille May, EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer, Berlin. Am Beispiel der Teilsanierung des Huthmacher-Hauses in Berlin wurden die Notwendigkeit sowie die Voraussetzungen und Potenziale einer Circular Economy in der Bau- und Immobilienwirtschaft aufgezeigt. Die Städte sollten als Rohstofflager für künftige Bauvorhaben betrachtet werden, das Prinzip Cradle-to-Cradle muss Eingang in die neuen Bauwerke finden, indem u. a. trennbare Verbindungen geschaffen werden. Die Referenten zeigten, welche Veränderungen auf die Planungs- und Baupraxis zukommen und welche Chancen sich für die Beteiligten ergeben. Dazu wurden einige Ideen unterbreitet wie beispielsweise vom Liegenschaftskataster zum Materialkataster überzugehen, d.h. Schaffung von Datenbanken, die Materialdaten der Gebäude enthalten mit dem Ziel, die Städte als Materiallieferanten zu nutzen. Wichtig für eine solche Vorgehensweise ist es, die gesetzlichen Hürden abzubauen.

 

Moderiert von Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Dieter Georg Senk wurden in zwei Vorträgen die Stoffstromverschiebungen, die sich durch den Kohleausstieg und die Dekarbonisierung in der Stahlindustrie ergeben, beleuchtet. Die durch die Abschaltung der Kohlekraftwerke (KKW) verursachten Herausforderungen für die Zementindustrie sind immens, wie Dipl.-Ing. Andreas Hugot, EP Power Minerals GmbH, Dinslaken in seinen Ausführungen zeigte. Mit der Verabschiedung des Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes 2020 werden ab 2038 keinerlei der für die genannten Industriezweige wichtigen Kraftwerksnebenprodukte in Deutschland mehr anfallen. Welche Alternativen dafür bestehen (Importe von Flugaschen und Reha-Gips, da weltweit die Kohleverstromung weiterhin wächst und die genannten Nebenprodukte aus heutiger Sicht in großen Mengen verfügbar sein werden, aber auch Reaktivierung von bereits abgelagerten Flugaschen und Reha-Gipsen sowie der Einsatz von Alternativstoffen wie natürliche Puzzolane oder importierte Zumahlstoffe) und welche Vorteile sie bieten, aber auch welche Aktivitäten und Untersuchungen dafür noch erforderlich sind, wurde ausführlich erläutert.

 

Analoge Betrachtungen stellte Prof. Senk, RWTH Aachen für den Bereich der Eisen- und Stahlindustrie an, die gleichermaßen von dem geplanten Kohleausstieg betroffen ist. Nach einer ausführlichen Darstellung der derzeitigen Mengengerüste und Produktionsverfahren unter Verwendung von Kohle und Erdgas als Reduktionsmittel für Eisenerze erläuterte Prof. Senk was getan werden muss, um zu Herstellungsverfahren auf Basis erneuerbarer Energien überzugehen. Sein Fazit: Möglichkeiten sind der Einsatz von H2 und Schmelzstrom, aus erneuerbaren Energien hergestellt, mit dem Ergebnis einer drastischen CO2-Reduktion. Die technischen Verfahren dazu sind bereits konzipiert und teilweise erprobt. Klar ist, dass Deutschland für die erforderlichen Rohstoff- und Energiemengen auf Importe angewiesen ist. Eine Alternative stellen die Bildung von Joint-Venture mit energiereichen Ländern oder Stahlimporte dar. „Alle Maßnahmen führen zu tiefgreifenden Veränderungen der Stoffströme Schlacken, Stäube, Gase und Metalle im Sinne einer Circular Economy“, so der Referent.

 

Interessant waren auch zwei weitere Vorträge, die sich mit der Rückgewinnung von Wertstoffen aus Rost- und Flugaschen beschäftigten. So berichtete Dr.-Ing. Marco Abis, Heidemann Recycling GmbH, Bremen über ein EU-Decarbonisierungs-Forschungsvorhaben zur Verwendung von Hausmüllverbrennungsschlacken (HMVS) in der Zementindustrie, um die dort bald fehlenden Mengen an Hüttensand und Steinkohlenflugaschen zu ersetzen. Umfangreiche Untersuchungen zeigten, dass die Eigenschaften der HMVS genau zwischen denen der beiden vorgenannten Nebenprodukte der Eisen- und Stahlindustrie liegen. Nach entsprechender Aufbereitung können  10 – 15 % des erhaltenen, bereits patentrechtlich geschützten Produkts S-CEN® dem Zement ohne wesentliche Qualitätseinbußen zugesetzt werden. Bedauerlicherweise lässt das zurzeit geltende Regelwerk eine umfangreiche Nutzung dieses Materials in der Bauwirtschaft nicht zu und es gelte – betonte der Referent – dies schnellst möglich zu ändern.

 

Ein weiteres Verfahren zur Ressourcenrückgewinnung stellte Dr. rer. nat. Christian Krabbe, GF EasyMining Germany GmbH Berlin mit der Ash2Salt-Technologie vor, die seit April 2023 in einer Anlage in Schweden mit einem Jahresdurchsatz von 130 000 t bereits im Industriemaßstab betrieben wird. Input für das Verfahren sind Flugaschen aus der Müllverbrennung, die zur Beseitigung der löslichen Chloride zunächst einer Wäsche unterzogen werden. Das Verfahren wurde ausführlich erläutert. Die als Produkte erhaltenen Salze (NaCl, KCl, CaCl2, (NH4)2SO4) weisen eine gute Qualität auf und finden zahlreiche technische Anwendungen. Selbst die gewaschene Restasche kann für lokale Anwendungen als Wertstoff eingesetzt werden. Neben der Gewinnung kommerzieller Rohstoffe sind die Abfallreduzierung und die Verbesserung der Aschequalität als Vorteile zu nennen. Die Errichtung einer zweiten Anlage in Schweden ist in Vorbereitung.

 

Der zweite Konferenztag war in zweigleisigen Fachsitzungen organisiert, deren Abgrenzung jedoch nicht ohne weiteres möglich ist. In diesen Sektionen sollten die Themen des ersten Tages vertieft werden.

 

Sektion 1

Eisen- und Stahlindustrie – Stoffstromverschiebungen durch Umrüstungen und Optimierungspotentiale

In drei Vorträgen stand die Verwendung von Wasserstoff für die Eisen- und Stahlerzeugung zur CO2-Minderung und ihr Einfluss auf die anfallenden Schlacken im Fokus. So beschäftigte M. Sc. David Algermissen, FEhS – Institut für Baustoff-Forschung e.V., Duisburg mit der sich unter diesen Bedingungen erzeugten Schlacke aus der Elektroroheisen-Produktion und ihre Anwendung für die Zementindustrie. Das Pendant dazu das Referat von Dr.-Ing. Christian Adam, BAM Berlin, ebenfalls mit Überlegungen zu Strategien, Stahlwerksschlacken der „neuen Generation“ in der Zementindustrie zu nutzen. Auch in Österreich verfolgt man diese Ziele mit großem Engagement, wie es Wolfgang Reiter, K1-MET GmbH, Leoben/Österreich am Beispiel des RecoDust-Verfahrens zur Zn-Rückgewinnung aus Stahlwerksstäuben (Untersuchungen an einer Pilotanlage mit 300 kg/h Staubdurchsatz, zurzeit Arbeiten zum Scale-up) vermittelte.

 

Substitutionspotentiale in der Zementindustrie – durch Verbrennungsrückstände, Rückbaumaterialien etc.

Auch in der Schweiz und Österreich wird nach Wegen gesucht, um in der Zementindustrie die CO2-Emissionen zu senken. Dazu standen zwei Vorträge zur Diskussion, die von Prof. Dr. Rainer Bunge moderiert wurden. Im Referat von Dr. phil. nat. Mirjam Wolffers, Universität Bern/Schweiz wurden Ergebnisse von Untersuchungen zum Einsatz von Holzkohle- und Papieraschen als Ca-reiche und CO2-neutrale mineralische Abfälle vorgetragen. Diese Substitutionsprodukte für Kalkstein werden heute schon in der Schweiz großtechnisch eingesetzt, um das Ziel des klimaneutralen Zements bis 2050 zu erreichen, allerdings ist das Potential noch längst nicht ausgeschöpft. Die wissenschaftlichen Untersuchungen werden fortgesetzt, ihre Erkenntnisse sollen u. a. als Grundlage dienen, um die Anrechenbarkeit von klimaneutralem CO2 in der Klinkerproduktion auch auf der Rohmaterialseite im Schweizer Emissionshandelssystem zu gewährleisten.

 

An analogen Projekten wird in Österreich geforscht, wie der Beitrag von Dr. Klaus Doschek-Held, Montanuniversität Leoben/Österreich “Zur Bereitstellung von alternativen Bindemittelkomponenten aus Reststoffkombinationen mittels thermischer Behandlung“ zeigte. Dabei kamen Reststoffe aus der Eisen- und Stahlindustrie, dem Glasrecycling, dem Gebäuderückbau und der Papierindustrie zum Einsatz. Es gelang sowohl die Gewinnung einer Metallfraktion zur Rückführung in die Eisen- und Stahlproduktion als auch eines Hüttensandsubstituts für die Zementherstellung. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wurde bereits mit Folgeprojekten zur Wertmetallrückgewinnung und Bindemittelbereitstellung in der Elektroofenroute und zum Recycling von künstlichen Mineralfasern begonnen.

 

Bauabfälle

Aufbereitungstechnik par Excellence und doch einfach für problematische Materialen führte im wahrsten Sinne des Wortes Prof. Rainer Bunge, UMTEC OST Ostschweizer Fachhochschule, Rapperswil/Schweiz vor. Mit dem neu entwickelten Langteilabscheider „Querulator“ lassen sich Drähte, Kabel, Rohrstücke und andere Langteile z. B. aus dem Mischabbruchgranulat von Bauschuttrecyclinganlagen und aus MVA-Aschen leicht entfernen. Er ist auch als „Polizeifilter in der Schrottaufbereitung einsetzbar. Prof. Bunge zeigte und erläuterte die Wirkungsweise der Maschine, die patentiert ist, kurz vor der kommerziellen Einführung steht und deren Verfügbarkeit unter www.utecquag.ch abrufbar ist.

 

Die drei weiteren Vorträge waren wiederum den Folgen des Kohleaustiegs für die Branche gewidmet. So ist die MUEG Mitteldeutsche Umwelt- und Entsorgung GmbH, Braunsbedra mit dem Hauptgeschäftsfeld Verwertung von Kraftwerksreststoffen besonders davon betroffen. Welche Konsequenzen sich daraus im Bereich REA-Gips ergeben, erläuterte GF Dipl.-Ing. Michael Bunzel vom vorgenannten Unternehmen in seinem Beitrag „Technische und logistische Konzepte zum Recycling von Gipskartonplatten“.

 

Für die Bauwirtschaft spielt das Beton-Recycling eine immer wichtigere und vielseitige Rolle im Hinblick auf Ressourcenschonung und  Verminderung des CO2-Gehaltes der Atmosphäre. Beispiele dafür waren auf der Konferez die Referate von Deniz Berhouzi, Verein Deutscher Zementwerker e. V., Düsseldorf „Der Beitrag des Betonrecycling zu Ressourceneffizienz und Decarbonierung“ und Simon Stauffer, GF neustark AG Bern, „Dauerhafte Speicherung von CO2 in recyceltem Beton“.

 

Robotik und Künstliche Intelligenz

Mit welchen Vorteilen diese modernen Methoden beim Umgang mit mineralischen Abfällen bei Sanierungsvorhaben genutzt werden können, legte Dr.-Ing. Philipp Woock, Karlsruher Institut für Technik, Karlsruhe dar.  Arbeiten mit kontaminierten Bauteilen beim Rückbau oder kontaminierter Umgebung auf Deponien sind prädestinierte Einsatzgebiete für diese Technik. Im Vortrag wurde exemplarisch die Domäne der Sanierung, in der mit autonomen schweren Baumaschinen große Materialmengen bewegt werden, beschrieben. Nicht nur der Fachkräftemangel, sondern auch die schwere Technik, die im Baubereich eingesetzt werden muss, sind Gründe für den Einsatz der Robotik in diesem Bereich. An eindrucksvollen Beispielen zeigte der Referent die Vorteile dieser Technik, die noch am Anfang ihres Erfolges steht und große Einsparpotenziale in sich trägt.

 

Sektion 2

Neue und weniger neue Schadstoffe – Grenzen der Kreislaufwirtschaft

Kompromisse bestimmen unser Leben, so auch bei der Gewinnung von Sekundärrohstoffen, wobei ein Kompromiss zwischen Kreislaufwirtschaft und Umweltschutz erforderlich ist. Es gilt im Recyclingprozess so viel wie möglich wieder einsetzbares Material zu gewinnen, aber die Schadstoffe möglichst vollständig auszuschleusen. Um die Sekundärrohstoffe entsprechend bewerten zu können, bedarf es einer ausgefeilten Abfallmineralogie. Über die Anwendung solcher Methoden und Konzepte berichtete Universitätsprof. Dr. mont. Roland Plomberger, Montanuniversität Leoben/Österreich.

 

Asbest in Recycling-Baustoffen – Strategien zur Vermeidung

Dieser wichtigen Thematik waren drei Vorträge gewidmet, die sich mit dem LAGA-Merkblatt M 23 als Vollzugshilfe zur Entsorgung asbesthaltiger Abfälle, mit der Entwicklung von neuen Behandlungsmethoden von Betonabfall mit asbesthaltigen Abstandshaltern (Forschungsprojekt RecBest) und geogenen Spurengehalten von Asbest und asbestähnlichen Mineralien in Baumaterialien beschäftigten.

 

PFAS – Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen

Ebenfalls drei Vorträge hatten die Reinigung von Böden, die mit PFAS verunreinigt sind zum Inhalt. Während Technologien für Bodenwaschanlagen für kohlenwasserstoffverunreinigte Böden im industriellen Maßstab hinreichend bekannt sind und praktiziert werden, ist das für erstgenannten Böden nur vereinzelt bekannt, so dass man weiterhin entsprechende Aufbereitungs- und Waschverfahren entwickelt, über die hier berichtet wurde.

Deponien

Vier Vorträge zum Thema „Deponien“ rundeten das Konferenzprogramm ab. Die Themen dazu waren breit gefächert und reichten von der „Rolle der Deponien bei der Bewältigung der Zukunftsaufgaben“ über „Klimaschutzbelange bei der Zulassung von Deponien“ bis hin zu konkreten Deponiefragen wie „Sanierung und Rückgewinnung von metallischen Al aus der Aluschlackendeponie Wiener Neustadt“ (Ing. Johannes Czeczil, BALSA GmbH, Wien/Österreich) und „Hydraulische und geologische Prozesse in MVA-Schlackendeponien“ (M. Sc. Geologe Philipp Ingold, Universität Bern/Schweiz).

 

Schlussbemerkungen

Auch mit der 10. Berliner Konferenz Mineralische Abfälle und Nebenprodukte ist es der Thomé-Kozmiensky Verlag GmbH gelungen, mit einem anspruchsvollen und vielseitigen Programm sowie kompetenten Fachleuten eine Veranstaltung zu organisieren, die den aktuellen Wissensstand in rechtlicher, wissenschaftlicher und technischer Hinsicht auf dem Fachgebiet Mineralische Nebenprodukte und Abfälle widerspiegelte. Erwartungsgemäß bildeten die großen Veränderungen, die durch den Klimawandel und die erforderlichen Gegenmaßnahmen auf unsere Gesellschaft und damit auch auf die Bauwirtschaft zukommen den roten Faden für die Veranstaltung. Diese Maßnahmen führen zu tiefgreifenden Veränderungen der Stoffströme Schlacken, Stäube, Gase und Metalle im Sinne der Circular Economy, die wichtige Materialien für die Bauwirtschaft darstellen. Sowohl im Rahmen der übergeordneten Themen des ersten Konferenztages als auch in den Vorträgen der Fachsektionen des zweiten Tages konnte gezeigt werden, wie sich Forschung und Industrie, aber auch der Gesetzgeber teilweise schon sehr erfolgreich den Forderungen stellen, um das Klimaziel in Deutschland – bis 2045 CO2-Neutralität – zu erlangen. Viel bleibt zu tun, um die deutsche Bauwirtschaft mit Substitutionsmaterialien für Schlacken und Aschen aus eigenen Stahlwerken zu versorgen oder Alternativwege dafür zu realisieren. Mit Sicherheit wird die 11. Konferenz ihrer Art im nächsten Jahr mit neuen Ergebnissen aus Forschung und Industrie aufwarten, die den Ideenreichtum der Branche auf dem Wege zu dem vorgenannten Ziel widerspiegeln. 

Erfreulicherweise gab es erneut die Möglichkeit, den in den Konferenzpausen praktizierten Gedankenaustausch in der angenehmen Atmosphäre einer Abendveranstaltung fortzusetzen. Begleitet war die Konferenz von einer kleinen Aussteller-Präsentation, beispielsweise das CUTEC – Clausthaler Umwelttechnik Forschungszentrum oder die Spaleck GmbH & Co. KG, Bocholt. Es bleibt zum Schluss, der Thomé-Verlag GmbH den Dank für diese gelungene Veranstaltung, die auch wieder in zeitlicher Hinsicht sehr diszipliniert ablief, auszusprechen.

 

Die nächste Veranstaltung ist für den 12. und 13. Juni 2024 in Berlin geplant. Die meisten Vorträge sind in „Mineralische Nebenprodukte und Abfälle 10 – Asche, Schlacken, Stäube, Baurestmassen –, ISBN 978 –3-944310-72-5 Thomé-Kozmiensky Verlag GmbH, Neuruppin 2023 enthalten oder abrufbar über http://www.vivis.de/fachbuecher/neuerscheinungen  

www.vivis.de

Autorin:

Dr. Brigitte Hoffmann,Consulting Kreislaufwirtschaft/Umweltschutz, Oberschöna/Deutschland

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