Rohstoffkolloquium 2026

Zukunftsthemen im Hier und Jetzt

Am 23. April 2026 trafen sich über 75 Interessierte zum 23. Rohstoffkolloquium in Schönebeck. Die beliebte Veranstaltung, ausgerichtet vom Unternehmerverband Mineralische Baustoffe (UVMB) e.V., widmet sich in jedem Jahr aktuellen, interessanten und auch drängenden Themen. So lag der Fokus in diesem Jahr insbesondere auf neuen Verfahren, Richtlinien sowie auch Herausforderungen und zeigte zugleich Möglichkeiten der Partizipation und Mitwirkung auf und ermutigte, die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen.

Die Referierenden des 23. Rohstoffkolloquiums (v. l.): Clemens Köppen, Dominic Rädel, Silvia Tolkmitt, Oliver Fox, Prof. Dr. Götz Brückner und UVMB-Geschäftsführer Bert Vulpius
© Michael Schlutter

Die Referierenden des 23. Rohstoffkolloquiums (v. l.): Clemens Köppen, Dominic Rädel, Silvia Tolkmitt, Oliver Fox, Prof. Dr. Götz Brückner und UVMB-Geschäftsführer Bert Vulpius
© Michael Schlutter
Im IGZ INNO-LIFE Schönebeck eröffnete Bert Vulpius (UVMB) die Veranstaltung mit dem aktuellen Branchenfilm des Bundesverbandes Mineralische Rohstoffe (MIRO). Unter dem Titel „Was nützen Scheine ohne Steine“ verdeutlicht der Film die Auswirkungen langwieriger Genehmigungsverfahren auf Rohstoffversorgung, Infrastruktur und Baukosten – und setzte damit den thematischen Rahmen des Tages: Bürokratieabbau, Beschleunigung und Beteiligung. Größter Wunsch und Ziel sei eine Reform der Genehmigungsverfahren und die Notwendigkeit einer handhabbaren Rohstoffversorgung. Der Film ist online verfügbar und kann nach Bedarf auch in die eigene Unternehmenswebsite eingebettet werden.

Verknüpfung von Wunsch und Wirklichkeit

Ergänzend dazu zeigte Prof. Dr. Götz Brückner (petersenpartners Rechtsanwälte) in seinem Vortrag „Effizienten Betriebsplanverfahren“, wie Verfahren bereits innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens optimiert werden können. Sein Ansatz: durchdachte Strukturierung, abgestimmte Kommunikation, Online-Konsultationen und das frühzeitige Einbinden kritischer Fachbehörden, um Verzögerungen zu vermeiden und Abläufe effizienter zu gestalten. Dazu sollte zu Beginn mit einer metaphorischen Lupe auf alle einzelnen Schritte geschaut werden. Gefolgt von einer sinnvollen Planung über alle Phasen hinweg. Allein dieses Mitdenken aller Phasen könne Nachprüfungen und Verzögerungen vermeiden. So entsteht ein rollierendes System, ohne Stillstand oder lange Wartezeiten. Sein Fazit: „Je besser ich die ersten Schritte durchführe, desto besser wird auch die Erstellung des Planfestellungsbeschlusses.“ Zur Vertiefung dieses Themas wird im Herbst auf Initiative des UVMB ein vertiefendes Seminar angeboten.

Rund 70 Interessierte folgten der Einladung des UVMB und ebenso gespannt den Fachvorträgen des Tages
© Michael Schlutter

Rund 70 Interessierte folgten der Einladung des UVMB und ebenso gespannt den Fachvorträgen des Tages
© Michael Schlutter
Einen europarechtlichen Blick ergänzte Clemens Köppen (MIRO) mit seiner Einordnung der EU-Bodenüberwachungsrichtlinie. Ziel sei die Überwachung und Bewertung der Bodengesundheit innerhalb der Mitgliedstaaten. Deutschland hatte sich klar dagegen positioniert, in der Befürchtung, dass sie die Vielfältigkeit der Gegebenheiten nicht realistisch betrachten würde. Zielstellung für die nationale Umsetzung muss es sein, dass die Richtlinie minimalinvasiv umgesetzt und eine größere Änderung des BBodSchG vermieden wird.

Transparenz könne auch bei der Gewinnung von Fachkräften ein entscheidender Faktor sein, wie Dominic Rädel (RH Media GmbH) anschaulich in seinem Vortrag „Zeig, was du kannst – und du bekommst, wen du brauchst“ aufzeigte. Denn häufig läge hinter einem Fachkräfteproblem eher ein Sichtbarkeitsproblem. Gerade Social Media könne aber dazu beitragen, mit subtiler, aber konstanter Präsenz Vertrauen aufzubauen. Dabei gewinnen regelmäßige Einblicke in Projekte, Menschen vor Ort und authentische Kurzvideos. Das zähle mehr als Hochglanz. Sein Erfolgsschlüssel: Social Recruiting kombiniert mit bezahlter Ausspielung (Paid Ads) sowie einer klaren Ansprechperson und schneller Reaktionszeit.

Staatssekretär Sven Haller informierte über den aktuellen Verfahrensstand der Rohstoffsicherung im Landesentwicklungsplan Sachsen-Anhalt
© Michael Schlutter

Staatssekretär Sven Haller informierte über den aktuellen Verfahrensstand der Rohstoffsicherung im Landesentwicklungsplan Sachsen-Anhalt
© Michael Schlutter

Durchblick im Planungsdickicht

Im zweiten Vortragsblock ordnete Staatssekretär Sven Haller (Ministerium für Infrastruktur und Digitales) den aktuellen Stand zur Rohstoffsicherung im Landesentwicklungsplan Sachsen-Anhalt ein und bekannte sich klar zur regionalen Rohstoffversorgung als strategische Aufgabe. Er betonte: „Wer sich von externen Lieferketten abhängig macht, macht sich verletzlich.“ Der neue Landesentwicklungsplan soll Ende Juli 2026 in Kraft treten. Das sei zwar ambitioniert, jedoch machbar. Eine verantwortungsvolle Rohstoffpolitik dürfe durchaus pragmatisch sein. Frühzeitige Erkenntnisse zu Lagerstätten seien dabei essenziell. Dabei soll schon Bestehendes Vorrang haben, da hier die Akzeptanz größer sei. Neu gegenüber dem alten LEP ist die Aufnahme landesweit bedeutsamer Kiessandlagerstätten. Auch Themen wie Rekultivierung und Nachnutzung sollen langfristig mitgedacht werden. All das führe langfristig zu mehr Verlässlichkeit sowie Unabhängigkeit und damit Sicherheit.

Wie sich Artenschutz und Rohstoffgewinnung miteinander verbinden lassen, zeigte Oliver Fox (UVMB) am Beispiel „Dynamischer Habitate“. Gerade Gewinnungsstätten böten wertvolle Lebensräume, die mit guter Planung und Eigeninitiative aktiv in Schutzkonzepte integriert werden können. Er betont: „Gesetzlicher Artenschutz hat seine Berechtigung, aber er muss praxisnah sein!“ Denn auch die Natur sei dynamisch und von ihr könne man sich einiges abgucken. In Tagebauen seien die vielfältigsten Lebensräume vorzufinden. Möglichkeiten und Maßnahmen, ohne die Gewinnung zu gefährden, seien bspw. Ersatzflächen für die Feldlerchen oder Ersatzhabitate für Eidechsen. Auch „wandernde“ Artenschutzflächen seien mit guter Planung und Vorlauf möglich. Durch etwas Eigeninitiative könnten Unternehmen so bereits viel zum Artenschutz beitragen.

Die Pausen boten den idealen Rahmen für Austausch zu den drängenden und auch spannenden Themen der Branche
© Michael Schlutter

Die Pausen boten den idealen Rahmen für Austausch zu den drängenden und auch spannenden Themen der Branche
© Michael Schlutter
Den runden Schlusspunkt setzte Silvia Tolkmitt (Redeker Sellner Dahs) mit einem Blick auf die EU-VO zur Wiederherstellung der Natur und deren mögliche Auswirkungen auf die Rohstoffbranche. Ihr Appell: Beteiligungsmöglichkeiten frühzeitig nutzen und eigene Interessen aktiv einbringen. Bis zum 25. Juni 2026 können Akteure der Rohstoffbranche ihre Anliegen und Sorgen zum ersten Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans (z. B. Flächendruck) bei der offiziellen öffentlichen Beteiligung einbringen (beteiligung.bundesumweltministerium.de). Anders als bei Richtlinien, sind Verordnungen verpflichtend und auch zeitliche Zwischenschritte klar benannt. Sie rät daher dazu, Kriterien schon frühzeitig bei der Wiedernutzbarmachung einzubinden. Ideal sei es, die Belange des Artenschutzes und die Belange der Rohstoffgewinnung nicht als Gegensatz zu sehen und letztere transparenter zu machen. Dafür können die möglichen Beteiligungsmöglichkeiten genutzt werden, um sich mit den eigenen Bedenken und Chancen einzubringen. Auch die Idee, sich selbst als Kooperationspartner anzubieten, kann für mehr Sichtbarkeit sorgen. Sie betont: „Keine Angst, keine Polemik.“ Sie ermutigt dazu, bereits jetzt nach W-VO zu denken und die schon vorhandenen Instrumente zu nutzen.

Das Rohstoffkolloquium machte deutlich: Die Herausforderungen wachsen – aber ebenso die Möglichkeiten zur Mitgestaltung. Genehmigungen, Artenschutz, Fachkräfte und Nachhaltigkeit lassen sich nicht isoliert betrachten. Entscheidend wird sein, frühzeitig zu planen, transparent zu kommunizieren und sich als Branche aktiv in politische und gesellschaftliche Prozesse einzubringen. Denn klar wurde auch: Nach dem Kolloquium beginnt die eigentliche Arbeit.

www.uvmb.de

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