12. Rohstofftag

Rohstoffsicherung im Spiegel moderner Anforderungen

Unter dem Leitmotto „Rohstoff.Wirtschaft.Zukunft“ luden die IHK Magdeburg und Dessau-Roßlau ebenso wie der Unternehmerverband Mineralische Baustoffe (UVMB) und das Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt zum 12. Rohstofftag in die Welterbestadt Quedlinburg ein. Den Themen entsprechend trafen auch im lichtdurchfluteten Veranstaltungsort Palais Salfeldt Tradition und Moderne aufeinander. Über 100 Interessierte und Fachkundige sowie Unternehmen aus der Branche fanden sich hier am 25. August 2026 zu den Fachvorträgen und der Möglichkeit des Austausches zusammen.

In seiner Eröffnungsansprache zum 12. Rohstofftag 2026 in Quedlinburg betonte Stefan Korneck (IHK-Vizepräsident Magdeburg) die Dringlichkeit der Rohstoffsicherung besonders auch in Bezug auf heimische Lagerstätten
© Michael Schlutter

In seiner Eröffnungsansprache zum 12. Rohstofftag 2026 in Quedlinburg betonte Stefan Korneck (IHK-Vizepräsident Magdeburg) die Dringlichkeit der Rohstoffsicherung besonders auch in Bezug auf heimische Lagerstätten
© Michael Schlutter
Stefan Korneck, Vizepräsident der IHK Magdeburg sowie Oberbürgermeister der Stadt Quedlinburg Frank Ruch eröffneten die Veranstaltung mit treffenden Worten. Der Spagat zwischen Rohstoffsicherung, Akzeptanz und Nachhaltigkeit sei fast so herausfordernd wie die stetig wachsenden Anforderungen an die Branche. Dabei sei gerade Rohstoffsicherung die Voraussetzung für Infrastruktur. Denn ohne diese Rohstoffe gäbe es weder Beton noch Asphalt. Besonders die regionale Rohstoffgewinnung und die Sicherung heimischer Lagerstätten müssten verstärkt mitgedacht werden. Mit dem Rohstoffsicherungskonzept seien dafür schon essenzielle Weichen gestellt. Ebenso sollten jedoch Akzeptanzförderung der Rohstoffgewinnung und ihre Zukunftsfähigkeit in den Fokus rücken.

Die Akzeptanz der Rohstoffsicherung wurde im ersten Themenblock, moderiert von Juliane Wolf (GF Industrie & Infrastruktur IHK Magdeburg), aus europäischem Blickwinkel von Michael Schmidt (Deutsche Rohstoffagentur) beleuchtet
© Michael Schlutter

Die Akzeptanz der Rohstoffsicherung wurde im ersten Themenblock, moderiert von Juliane Wolf (GF Industrie & Infrastruktur IHK Magdeburg), aus europäischem Blickwinkel von Michael Schmidt (Deutsche Rohstoffagentur) beleuchtet
© Michael Schlutter

Rohstoffgewinnung global, national, regional

Moderiert von Juliane Wolf, Geschäftsführerin Industrie und Infrastruktur der IHK Magdeburg, widmete sich der erste Themenblock des Tages dem Thema Akzeptanz. Diese sei essenziell, um überhaupt in einer Moderne denken zu können, denn auch Erneuerbare Energien seien ohne Rohstoffe nicht denkbar. Michael Schmidt (Deutsche Rohstoffagentur) nahm in seinem Vortrag „Rohstoffe für die Energiewende – Potenziale und Akzeptanz in Europa?“ den europäischen Blick auf das Thema ein. Angesichts der aktuellen Rohstoffrelevanz müsse dabei auch die Verteidigungsindustrie mitgedacht werden. Global sei die Bedeutung von Rohstoffen und die Notwendigkeit von Investitionen in ihre Wertschöpfung längst angekommen. Für Deutschland wünsche er sich mehr Kommunikation und Transparenz sowie eine größere Risikobereitschaft bei Investitionen, wenn eine größere Unabhängigkeit erreicht werden solle. Ein wichtiger Schritt sei der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen mit der ersten Lithium-Raffinerie. Sein Fazit: „Wenn wir hier die Investitionen nicht hinkriegen, dann schaffen wir es auch nicht woanders.“

Auch Dr. Danilo Wolf (Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt) plädierte für gemeinsames Handeln. In seinem Vortrag „Akzeptanz der Rohstoffgewinnung in Sachsen-Anhalt aus dem Blickwinkel des LEP“ richtete er den Blick auf die regionale Perspektive. Die Akzeptanz habe sich mancherorts von der NIMBY- zur BANANA-Einstellung verschoben (frei übersetzt: Bauen? Aber nicht auch nur ansatzweise!). Gewinnungsstätten würden häufig als störend empfunden: Rohstoffabbau solle zwar stattfinden, aber bitte woanders. Dabei bilde gerade die Rohstoffgewinnung die globale Basis wirtschaftlicher Entwicklung. Ohne Risikobereitschaft und gemeinsames Handeln werde es nicht funktionieren.

Die hochwertigen Beiträge des Tages luden zu regem Austausch und Fragen aus dem Publikum ein
© Michael Schlutter

Die hochwertigen Beiträge des Tages luden zu regem Austausch und Fragen aus dem Publikum ein
© Michael Schlutter
Dafür plädierte ebenso UVMB-Geschäftsführer Bert Vulpius. Mit seinem Vortrag „Aktenzeichen ungelöst: Ein neues Mindset gegen den Genehmigungsstau“ richtete er den Fokus auf die Unternehmen. Ein gemeinsames Denken und ein neues Mindset seien ebenso notwendig wie eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren, die regional und national Investitionen und Investitionsbereitschaft fördern und damit auch das BIP stärken könne. Unternehmen müssten ihre Potenziale besser ausschöpfen und Herausforderungen frühzeitig erkennen. Auch ein suboptimales Beschwerdemanagement könne den Unmut der betroffenen Bevölkerung unnötig verstärken. Hier schließt sich der Kreis erneut nach mehr Kommunikation und Transparenz: Ein Tag der offenen Tür, gute Öffentlichkeitsarbeit oder soziales Engagement könnten zu einem ausgewogenen Geben und Nehmen und damit zu mehr Akzeptanz beitragen. Ein neues Mindset bedeute damit: das Bewusstsein für gesellschaftliche Herausforderungen schärfen, die eigene Rolle kritisch reflektieren und daraus eine Kultur des Ermöglichens entwickeln. Der neue LEP Sachsen-Anhalt, dessen Veröffentlichung für Ende September angekündigt ist, sei ein Vorzeige-Beispiel für gelungene Zusammenarbeit und ein wichtiger Schritt zur Rohstoffsicherung.

Erfolgreicher Rohstofftag 2026 in Quedlinburg: Ermöglicht durch das exzellente Zusammenspiel von Organisation, Moderation und der Expertise der Referentinnen und Referenten des Tages
© Michael Schlutter

Erfolgreicher Rohstofftag 2026 in Quedlinburg: Ermöglicht durch das exzellente Zusammenspiel von Organisation, Moderation und der Expertise der Referentinnen und Referenten des Tages
© Michael Schlutter

Kommunikation als Schlüssel

Wie wirkungsvolle Kommunikation zum entscheidenden Faktor für die zunehmende Akzeptanz heimischer Rohstoffsicherung werden kann, erläuterte Dr. Stefanie Walter (Lots* – Gesellschaft für veränderte Kommunikation) in ihrem Beitrag „Rohstoffbewusstsein und -akzeptanz – Chancen und Anforderungen an Kommunikation“. In ihren Augen scheiterten Infrastrukturprojekte nicht an mangelnder Planung, sondern an fehlender Kommunikation – und damit letztlich an fehlendem Vertrauen. Eine besondere Chance liege in der großen Zahl der Menschen, die sich noch keine feste Meinung gebildet haben. Dafür könnten auch die eigenen Ressourcen eines Unternehmens, insbesondere die Beschäftigten, genutzt werden. Ebenso sollten Unternehmensverbände und lokale Politik mit ins Boot geholt werden. Wenn alle Bereiche ineinandergreifen und wohlwollend zusammenarbeiten, können Transparenz und Akzeptanz wachsen – zum Vorteil aller Beteiligten.

Thomas Putzmann (Cemex) bestätigte diesen Ansatz aus Unternehmenssicht in seinem anschließenden Vortrag „Rohstoffbewusstsein und -akzeptanz – ein Erfahrungsbericht der Cemex Kies Rogätz GmbH“. Auch aus seiner langjährigen Erfahrung gehen Transparenz und Vertrauen Hand in Hand. Die daraus entstehenden Erfolge seien messbar und sollten von Unternehmen auch sichtbar gemacht werden. Bei Cemex zeigt sich dies etwa am Bruterfolg der Zwergseeschwalbe, die über 30 Jahre als ausgestorben galt, aber auch in freiwilligen Projekten gegen Flut und Dürre sowie in Bildungsangeboten für unterschiedliche Alters- und Berufsgruppen. So wird etwa die Archäologische Gesellschaft eingeladen, während an der Sekundarschule mögliche Berufsfelder vorgestellt oder jüngeren Schulkindern das „Grüne Klassenzimmer“ nähergebracht wird. Auch Sponsoring und Community Work stärken die Verbindung zur Region und damit die Akzeptanz – am wirkungsvollsten, wenn darüber auch berichtet wird.

Die Pausen boten den perfekten Rahmen für Austausch und Netzwerken aller Beteiligten
© Michael Schlutter

Die Pausen boten den perfekten Rahmen für Austausch und Netzwerken aller Beteiligten
© Michael Schlutter

Die Zukunft der Rohstoffwirtschaft

Den zweiten Themenblock eröffnete Dr. Axel Wenke (Neptune Energy Deutschland GmbH) mit seinem Vortrag „Lithium aus der Altmark: Regionale Wertschöpfung für einen erfolgreichen Strukturwandel“ und damit auch den Blick auf die Potenziale seltener Rohstoffe. Auch er sieht in der regionalen Wertschöpfung eine Chance für einen erfolgreichen Strukturwandel – verbunden mit einer historischen Verpflichtung zur Nachhaltigkeit. Nur so könne nachhaltiger Erfolg gelingen. Die Altmark Gasförderung zeigt, dass dies möglich ist: Seit 1969 wird dort Gas gefördert, ohne dass die Landschaft ihren grünen Charakter verloren hat. Heute befindet sich der erste deutsche Standort mit Produktionslizenz für Lithium in der Pilotphase, 2027 soll die Demonstrationsphase beginnen. Ziel ist es, Lithium aus der Sole zu gewinnen. Auch wenn das Verfahren teurer sein dürfte als beispielsweise die Förderung in Südamerika, zeigt sich hier erneut: Rohstoffunabhängigkeit ist eine Investition, die sich langfristig lohnt.

Wie Unternehmen ihr Engagement für verantwortungsvolles Produzieren und Arbeiten sichtbar machen können, erläuterte Jakob Grän (Bundesverband der Deutschen Transportbetonindustrie e.V.) mit seinem Beitrag „BTB-Nachhaltigkeitsbericht und das CSC – Wo steht die Transportindustrie?“. Der an den Regelwerken von CSC und GRI orientierte Branchennachhaltigkeitsbericht soll Transparenz schaffen und den Beitrag der verbandlich organisierten Unternehmen sichtbar machen. Gleichzeitig soll der Bericht helfen, gegenüber Ländern wie Belgien und den Niederlanden aufzuholen, die bereits erfolgreiche Branchennachhaltigkeitsberichte etabliert haben. Die Ergebnisse sind online unter www.transportbeton.org abrufbar. Für teilnehmende Unternehmen bietet der Bericht zudem einen konkreten Vorteil: Sie erhalten Punkte im Concrete Sustainability Council (CSC). Dessen Label unterstützt nachhaltiges Bauen, da CSC-zertifizierte Betone bei Gebäudezertifizierungen wie DGNB und BREEAM zusätzlich honoriert werden.

Krönenden Abschluss des Tages bot die Exkursion zum Tagebau Lehof der WOLFF & MÜLLER Quarzsande GmbH
© UVMB/Devrient

Krönenden Abschluss des Tages bot die Exkursion zum Tagebau Lehof der WOLFF & MÜLLER Quarzsande GmbH
© UVMB/Devrient
Welche Vorbilder für zukunftsfähige Landnutzung existieren, zeigte Dr. Raul Köhler (Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften) in seinem Beitrag „Rekultivierung im Lausitzer Braunkohlenbergbau – Angewandte Forschung für eine nachhaltige Landnutzung“. Sanierung und Rekultivierung seien unumstritten notwendig, müssten jedoch die jeweiligen Bodenverhältnisse und Gegebenheiten berücksichtigen. Herausforderungen wie der pH-Wert oder der erhöhte Saatgutbedarf auf rekultivierten Flächen stehen dabei auch Chancen gegenüber – etwa durch alternative Wertschöpfungsketten mit Sonderkulturen wie Wacholder, Lavendel oder Sorghum. Auch Eisenhydroxid-Schlamm (EHS) könne bei der forstwirtschaftlichen Rekultivierung zur Bodenverbesserung eingesetzt werden. Rekultivierung und Sanierung sind damit nicht nur notwendig, sondern ein Forschungsfeld mit großem Potenzial.

Genau dieses Zusammenspiel von Forschung und Praxis machten Holger Gille und Mike Apitzsch von der WOLFF & MÜLLER Quarzsande GmbH zum Abschluss des 12. Rohstofftags erlebbar. Bei einer Exkursion durch den nahegelegenen Tagebau Quarzsand Lehof konnten die Teilnehmenden die Bereiche Verwiegung, Verladung, Lagerung, Gewinnung sowie Nass- und Trocknungswerk kennenlernen. Dabei wurde deutlich, wie nachhaltige und zugleich moderne Rohstoffgewinnung praktisch umgesetzt werden kann. Ein gelungener Abschluss, der die Rohstoffsicherung in all ihren Facetten sichtbar machte – von der Theorie bis zur Praxis.

www.uvmb.de

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 01-02/2017

Rohstofftag Brandenburg 2016 in Potsdam

Nach mehr als 15 Jahren setzte Brandenburg in diesem Jahr die Tradition seines Rohstofftags fort und stieß dabei auf großes Interesse. Über 150 Teilnehmern aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik...

mehr
Ausgabe 07-08/2016

Bergbau versus Recycling oder sinnvolle Ergänzung?

Unter dem Motto „Die Zukunft beginnt mit dem Rohstoff – ?Herausforderungen für die internationale Rohstoffwirtschaft und -forschung“ trafen sich etwa 100 Fachleute aus Wirtschaft, Forschung und...

mehr