Wettbewerb

Afrikas chancenreiche Minenindustrie

Zusammenfassung: Afrika gilt als rohstoffreich. Bisher existierte aber ein gravierendes ­Süd-Nordgefälle. Während Südafrikas Minenindustrie weit entwickelt ist, wurden übrige rohstoffreiche Länder lange vergessen. Jetzt ist aber ein enormer Wettbewerb um die Ressourcen Afrikas zwischen etablierten globalen Minengesellschaften und chinesischen Unternehmen entbrannt. Welche Länder dabei die Nase vorn haben und um welche ­Ressourcen und Projekte es dabei geht, wird in dem nachfolgenden Bericht examplarisch dargestellt.

1 Einleitung

Nach einer Präsentation von Dr. Dambisa Moyo auf der „African Mining Indaba 2013“, dem weltweit wichtigsten Kongress der Minenindustrie mit 7500 Teilnehmern im Februar dieses Jahres, war die Aufregung groß. Die promovierte Ökonomin, die gemäß dem Time Magazine zu den TOP 100 einflussreichsten Personen in 2009 zählte, hatte eine „Keynote-Speech“ zum Thema „Winner Take All: China’s Race for Resources and What it Means to the World“ gehalten. Zum gleichen Titel war ein Jahr zuvor ein Buch von ihr erschienen. In ihrer Rede betrachtete die aus Sambia stammende und als kritisch und mit kontroversen Ansichten bekannte Moyo die Rolle China’s zu der Ressourcensicherung in Afrika als symbiotische Beziehung zwischen China und den Ländern Afrikas. China sei dabei das zu schaffen, was westliche Staaten und allen voran die USA und Europäer versäumt hätten bzw. was von dort nicht geleistet wird.

In der Tat hat in den letzten Jahren aufgrund weltweit knapper werdender Ressourcen die Minenindustie in Afrika an Einfluss gewonnen. Und dies ist zu einem großen Anteil auf den Rohstoffhunger Chinas zurückzuführen. Die Mineralgehalte von Erzen in China sind in vielen Fällen unterhalb der Standards, wie man sie in Australien, Brasilien, Kanada oder Südafrika vorfinden kann [1]. Möglicherweise trägt auch die Chinapolitik dazu bei, die eigenen Rohstoffressourcen zu schonen und für einen möglichst langen Zeitraum zurückzuhalten – vielleicht so lange, bis die Rohstoffpreise sich weiter verdoppelt oder verdreifacht haben. Im Moment wird das auf unter 8 % abgeschwächte Wirtschaftswachstum Chinas nicht nur in der weltweiten Minenindustrie mit Besorgnis registriert. Aber wie lange wird die Hausse auf den Rohstoffmärkten anhalten und was bedeutet das für Afrika?

2 Afrikas Minenindustrie

In der „African Mining Vision 2050“ geht es der Afrikanischen Union, der „United Nations Economic Commission for Africa“ (ECA) und der Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) vereinfacht darum, seitens der afrikanischen Staaten mehr Früchte aus den reichen Bodenschätzen zu ernten und damit die sozioökonomische Entwicklung und das Wachstum Afrikas voranzutreiben. Von den 54 afrikanischen Staaten sind allein 24 von den Bodenschätzen abhängig, wobei diese Staaten auf mehr als 75 % ihrer Ausfuhren mit Bodenschätzen kommen. Trotzdem haben die Ausfuhren bisher nur wenig zu einer nachhaltigen Entwicklung in den Ländern beigetragen. Die Minenindustrie ist in den meisten Staaten wenig entwickelt, ein Downstream-Processing bzw. die Veredelung nach der Aufbereitung der Rohstoffe fehlt zumeist, so dass weniger Einnahmen erwirtschaftet werden. Die bisherigen durchschnittlichen Explorationsausgaben in Afrika liegen mit 5 US$/km2 mehr als ein Zehntel unterhalb der Ausgaben in Australien oder Südamerika.

Südafrika nimmt auf dem afrikanischen Kontinent zumindest in der Minenindustrie eine Sonderstellung ein und dies gleich in mehrerer Hinsicht. Zum einen ist die Minenindustrie in Südafrika weit entwickelt [2] und gehört im Vergleich zu anderen Ländern zur Weltspitze, was auch durch führende Minengesellschaften wie De Beers, Anglo Gold Ashanti oder Anglo American Platinum zum Ausdruck kommt. Zum anderen sind die Bodenschätze in Südafrika teilweise schon soweit ausgebeutet, dass für eine Reihe von wichtigen Rohstoffen die Produktionsmengen bereits seit Jahren abnehmen (Bild 1). Bei Diamanten wurden die größten Fördermengen in 2005 erreicht, bei Gold in 1993, bei Kupfer in 1991 und bei den Platingruppenmetallen (PGM) in 2006. Besonders dramatisch ist der Rückgang um über 70 % bei der Goldgewinnung, obwohl man über die weltweit größten Ressourcen verfügt.

Von einer Reihe von Firmen der Minenindustrie, Analysten und Journalisten wird in der letzten Zeit darüber hinaus verstärkt das Bild gezeichnet, Südafrika sei instabil, insbesondere im Vergleich zu anderen wichtigen Minenländern in Afrika (siehe z.B. [3]). Dazu werden aus der jüngsten Vergangenheit Streiks, Gewalt und blutige Auseinandersetzungen und die Debatten der regierenden ANC über die Nationalisierung der Minenindustrie und höhere Steuern angeführt. Streiks sollen allein im letzten Jahr zu Produktionsausfällen in Wert von 1,5 Mrd. US$ geführt haben. Die Wirtschaftspolitik von Ländern wie Botswana, Sambia oder Ghana sei dagegen stabil, Politik und Gesetze dort seien industriefreundlich und somit sei das Risiko von Investoren aus der Minenindustrie in diesen Staaten geringer. Dabei darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass diese Länder oftmals deutlich schlechtere Infrastrukturen besitzen und deshalb zusätzliche Investitionen nötig sind, um Exporte der Bodenschätze zu ermöglichen.

3 Rohstoffe und Ressourcen

Afrika ist reich an Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen. Der Kontinent verfügt über etwa 30 % der weltweiten Reserven. Bei Diamanten, Gold, Platingruppenmetallen, Chrom, Mangan, Kobalt und Vanadium steht Afrika in der Produktion und bei den weltweiten Reserven vorn (Bild 2). So kommt man bei Diamanten auf 88 % der weltweiten Reserven in 2005, 42 % bei Gold, 60 % bei den Platingruppenmetallen (PGM), 82 % bei Mangan und 95 % bei Vanadium mit jeweils ersten Plätzen. Bei der Minenproduktion besitzt man bei den oben genannten Bodenschätzen ebenfalls erste Plätze, aber bei Gold (22 % der weltweiten Minenproduktion in 2005), Kobalt (18 %), Mangan (36 %) und Vanadium (51 %) liegt man im Vergleich zu den Reserven mit der Produktion deutlich zurück.

Die Kohleförderung hängt derzeit noch sehr an Südafrika, obwohl Kohle in etwa 15 afrikanischen Staaten abgebaut wird. Bild 3 zeigt die Entwicklung der Fördermengen seit dem Jahr 2000 mit einem Ausblick auf 2017 für Südafrika und die restlichen afrikanischen Förderländer. Zu den wichtigsten sonstigen Ländern zählen Mosambik, Tansania, Botswana und Zimbabwe. In 2010 hatte Südafrikas Anteil an der afrikanischen Kohleförderung bei 98,3 % gelegen, mit einer Fördermenge von 254,5 Mio. Tonnen (Mt). Die übrigen Staaten kamen auf 1,7 % bzw. 4,5 Mt. Größere Abbaumengen werden in den kommenden Jahren neben Südafrika in erster Linie für Mosambik, Tansania und Zimbabwe gesehen. Die anderen Förderländer werden in ihren Abbaumengen wahrscheinlich stagnieren. Es wird erwartet, dass der Anteil von Südafrika in 2017 auf 86,3 % fällt, während die übrigen Staaten auf 13,3 % zulegen.

Die Länder Afrikas haben in 2010 45,4 Mt Eisenerz gefördert. Südafrika nimmt dabei mit 81,3 % bzw. 36,9 Mt eine führende Stellung ein (Bild 4). Eisenerz wird in 16 afrikanischen Staaten abgebaut. Zu den wichtigsten Ländern neben Südafrika zählten bisher Mauretanien, Ägypten und Algerien. In 2013 wurden bereits größere Mengen in Guinea, Sierra Leone and Gabun gefördert. Bis zum Jahr 2017 wird sich den Prognosen zufolge das Bild deutlich ändern. Insgesamt sollen bis dahin 212 Mt jährlich Eisenerz abgebaut werden, das entspricht einer Erhöhung fast um das 5-fache. Zum wichtigsten Exportland für Eisenerz wird demnach Guinea mit einer projektierten Menge von 119 Mt in 2017. Süd­afrika wird mit 49,5 Mt auf den 2. Platz verdrängt. Daneben werden Gabun, Mauretanien und Sierra Leone auf Mengen größer 10 Mt kommen. Bei der Aufstellung ist Kamerun noch nicht einmal berücksichtigt, obwohl dort momentan einige der interessantesten Projekte vorangebracht werden.

Bei der Goldgewinnung hat Südafrika seine ehemalige Vormachtstellung in Afrika bereits in 2010 an die übrigen Länder verloren (Bild 5). Dabei ist zunächst augenfällig, dass die Goldförderung von 605 t in 2000 auf 479 t in 2010 abgenommen hat. Südafrika hat dabei seinen Anteil von 430,8 t (71,2 %) auf 188,7 t (39,4 %) zurückschrauben müssen. Als neue wichtige Minenländer sind bis 2010 Ghana (76,3 t), Tansania (39,4 t), Mali (36,3 t), der Sudan (26,3 t), Burkina Faso (24,1 t) und Guinea (15,2 t) hinzugekommen. Für 2017 wird eine Fördermenge von 737 t erwartet. 223 t (30,3 %) werden bis dahin aus Südafrika kommen, 116 t aus Ghana, 56,3 t aus Tansania, 51,8 t aus Burkina Faso, 49 t aus Mauretanien und 45,6 t aus Mali. In 2017 wird in insgesamt 25 afrikanischen Staaten Gold gewonnen.

Bei Diamanten hat Südafrika schon seit längerer Zeit seine ehemalige Vormachtstellung verloren (Bild 6). In 2000 hatte man noch 10,8 Mio. Karat (Mcts) bzw. 18 % gewonnen. Bis 2010 reduzierte sich der Wert auf 8,9 Mcts (12,4 %). Zu den wichtigsten Minenländern zählten in 2010 bereits Botswana (21,0 Mcts), die Demokratische Republik Kongo (16,8 Mcts), Angola (13 Mcts) und Zimbabwe (8,4 Mcts). Zimbabwe wird bis zum Jahr 2017 mit einer Menge von 10 Mcts Südafrika mit einer Menge von 9,1 Mcts überholen. Die führende Stellung werden Botswana (28 Mcts), die Demokratische Republik Kongo (19,5 Mcts) und Angola (10 Mcts) haben. Daneben werden Diamanten in einem nennenswerten Umfang in 8 weiteren Staaten gefördert, darunter befinden sich die Zentralafrikanische Republik, die Republik Kongo, die Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Lesotho, Sierra Leone und Tanzania.

Was für Diamanten gilt, trifft auch in ähnlicher Weise auf die Gewinnung von Kupfer zu. In 2000 hatte Südafrika mit 137 000 t noch einen Anteil von 29,1 % an der afrikanischen Fördermenge von 430 000 t (Bild 7). In 2010 betrug die Menge noch 103 000 t and der Anteil nur noch 6,9 %. Zu den beiden wichtigsten Ländern haben sich in Afrika Zambia (820 000 t in 2010) und die Demokratische Republik Kongo (440 000 t in 2010) entwickelt. In 7 weiteren afrikanischen Staaten wird Kupfer abgebaut. Bis zum Jahr 2017 wird für Südafrika mit 106 000 t in etwa eine konstante Fördermenge aber nur noch ein Anteil von 3,8 % an der Gewinnung prognostiziert. Zambia mit 1 600 000 t und die Demokratische Republik Kongo mit 991 000 t werden auch in 2017 den Löwenanteil liefern. Die übrigen Minenländer haben auch zukünftig keine große Bedeutung.

4 Aufstrebende Minenländer und Projekte

Neben Südafrika stehen über 15 weitere Minenländer im Fokus der internationalen Minenindustrie. Tabelle 1 liefert einen Überblick, in welchen Ländern ein signifikanter Ausbau der Minenindustrie nach bestimmten Bodenschätzen erfolgt. Neben den aufgelisteten Ländern gibt es derzeit daneben interessante Projekte in zahlreichen anderen Ländern wie Äthiopien, Ägypten, Elfenbeinküste, Kenia, Lesotho, Liberia, Marokko, Namibia, Niger, Nigeria, Senegal, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik. Die Minenbestimmungen in den Staaten sind recht unterschiedlich. In neueren Minengesetzen (Tabelle 2) wird versucht, die Staatseinnahmen durch die Minenindustrie zu erhöhen. Allgemein können die Staatsabgaben in den meisten Staaten im Vergleich zu Südafrika aber noch als moderat angesehen werden. Dort beträgt die „Royalty Rate“ bis zu 7 % und die Unternehmenssteuer (Corporate Income Tax) 37 %. Einige Länder und Projekte werden nachfolgend exemplarisch dargestellt:

4.1 Kohleabbau in Mosambik

Mosambik könnte seine Kohleproduktion von 0,05 Mt in 2010 auf 42 Mt in 2017 ausbauen. Die größten Kohlevorkommen liegen im Landinnern in der Tete Provinz, etwa 600 km von dem Hafen Beira entfernt. Die umfangreichsten Konzessionen zum Abbau von Kohle haben Vale und Rio Tinto. Ein weiteres Projekt wird von der Minas de ­Revuboè vorangetrieben, an denen inzwischen Anglo American mit 59 % beteiligt ist. Die brasilianische Vale ist seit 2004 in dem Land. Man hat dort das Moatize Projekt entwickelt. ­Moatize 1 (Bild 8) ist seit 2011 in Betrieb. Die Förderkapazität der Mine beträgt 11 Millionen Jahrestonnen (Mta), 70 % ist Hüttenkohle, 30 % ist Kraftwerkskohle. Moatize 2, welches zurzeit gebaut wird, soll die Förderkapazität von Vale verdoppeln. Das Problem ist, dass die Eisenbahnlinie nach Beira nur eine Kapazität von 6 Mta erlaubt.

Im Februar 2013 war der Eisenbahnverkehr für mehrere Wochen ganz unterbrochen, weil starke Regenfälle und Überschwemmungen die Bahnschienen unterspült hatten. Vale baut deshalb eine zweite Bahntrasse von Tete zum Hafen Nacala im Norden Mosambiks. Die Trasse geht über 912 km, davon 237 km durch das benachbarte Malawi. Wenn die Trasse fertig ist, sollen 18 Mta Kohle darüber laufen. Ein ähnliches Problem wie Vale hat auch Rio Tinto, die bereits 4 Mrd. US$ in ihr Kohleprojekt in Mosambik investiert haben. Experten gehen davon aus, das 20 Mrd. US$ nötig sind, um die Bahntransporte und Verschiffungsanlagen in dem Land auszubauen. Weil auch bei Rio Tinto der Kohletransport noch nicht gelöst ist, plant man eventuell einen Rückzieher aus dem Land. 3 Mrd. US$ wurden bereits abgeschrieben. Als Interessent ist z.B. Coal India im Gespräch.

4.2 Eisenerzabbau in Kamerun

Westafrika entwickelt sich zu einem der interessantesten Eisenerzabbaugebiete. Insbesondere die hohen Eisenerzgehalte der Hematit- und Magnesit-Vorkommen, die teilweise über 60 % hinausgehen und die selbst eine direkte Erzverschiffung (DSO = Direct Shipping Ore) ermöglichen und damit das Interesse zahlreicher großer Minengesellschaften hervorrufen. Allen voran Kamerun, was bereits als das neue Pilbara (wichtigstes Eisenerzvorkommen in Australien) bezeichnet wird. Bild 9 zeigt den Eisenerzgürtel in Kamerun, Gabun und der Republik Kongo mit den wichtigsten momentanen Projekten. In Kamerun verfügen eine große Anzahl von Unternehmen über sogenannte High-grade-Vorkommen, darunter Affero, Aluvance, Legend Mining, Sinosteel, Sundance Resources und last-but-not least West African Minerals (WAFM). In der Republik Kongo laufen Projekte von Core Mining, Equatorial Resources und Sundance Resources. In Gabun hat die chinesische CMEC ein Projekt. Die Karte enthält nicht die Eisenerzprojekte von Rio Tinto, Xstrata und Cape Lambert in Gabun bzw. der Republik Kongo.

Kamerun dürfte beim Seetransport von Eisenerz im Vergleich zu Brasilien, Australien, Indien und Südafrika einigermaßen wettbewerbsfähig sein, insbesondere was die Verschiffung nach Europa angeht (Bild 10). Der Standortvorteil Australiens in Bezug auf China ist ohnehin nicht zu schlagen. China geht es aber auch darum, die Abhängigkeit von Australien bei Eisenerz zu reduzieren. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Sinosteel in ein Eisenerzprojekt in Lobe investiert, das nur 40 km vom dem Kribi-Tiefseehafen entfernt liegt. Der Hafen wird von der China Harbour Engineering Company in mehreren Phasen errichtet, wobei Phase 1 in 2014 in Betrieb gehen soll. Bisher wurden 660 Mio. US$ in das Projekt investiert. Währenddessen ist ein Deal zwischen der australischen Sundance Resources und der chinesischen Sichuan Hanlong Group bezüglich des Mbarga-Nabeba Eisenerzprojektes im April 2013 geplatzt, nachdem von den Chinesen Deadlines für die Finanzierung wohl nicht eingehalten wurden.

4.3 Eisenerzabbau in Sierra Leone

Eines der weltweit 10 größten Eisenerzprojekte wird zur Zeit von African Minerals Limited (AML) in Sierra Leone entwickelt. Das Tonkolili-Projekt wird in drei Phasen errichtet. Phase 1 mit einer geplanten Produktion von 20 Mta ist seit dem 4. Quartal 2011 in Betrieb (Bild 11). Im 2. Quartal 2013 soll die volle Leistung in Phase 1 erreicht werden. 1,9 Mrd US$ wurden bisher in das Projekt gesteckt. Für Phase 2 mit einer Leistung von 30 Mta werden weitere 3,0 Mrd. US$ investiert. Mit dem Projekt wurde eine 200 km Eisenbahnlinie zum Pepel Port und eine Verschiffungsanlage gebaut. Um 20 Mta Leistung zu erreichen, sind täglich 8 Züge mit 100 Waggons, angetrieben durch jeweils 4 Schmalspur-Lokomotiven (Bild 12), für eine Fracht von 7000 t erforderlich. Als Projektpartner für das Eisenbahnprojekt wurde China Railways Materials (CRM) gewonnen. CRM hat 300 Mio. US$ in das Projekt investiert und damit 12,3 % Anteil an AML erhalten. Eine noch größere Summe von 1,5 Mrd. US$ hat die Shandong Iron & Steel Group (SISG) für die Entwicklung von Phase 2 in das Projekt gesteckt, womit sich SISG u.a. einen Discount für Liefermengen von bis zu 10 Mta sichert.

Ein zweites nicht ganz so großes Projekt wird von London Mining vorangetrieben. Die Marampa Hämatit-Eisenerzmine befindet sich etwa 150 km nordöstlich der Hauptstadt Freetown. Dabei handelt es sich um ein Brownfield Projekt, welches bis 1975 von der Development Corporation of ­Sierra Leone (DELCO) mit bis zu 2,5 Mta ausgebeutet wurde. Die Projektentwicklung begann 2010, in 2011 wurden bereits 1,5 Mta abgebaut. Bis 2017 soll die Abbaukapazität auf 5,0 Mta Eisenerz gesteigert werden. Dazu wurden neue Aufbereitungsanlagen (Bild 13) errichtet. Die Ressouren der noch vorhandenen Bodenschätze werden mit ca. 123 Mt mit einem Eisenerzgehalt von 31,2 % beziffert. Zusätzlich sollen etwa 42,5 Mt Tailings aus der vorhandenen Mine mit einem Resteisengehalt von 21,7 % aufbereitet werden. Das Eisenerzkonzentrat wird mittels Lkw und Flussschiffen zum nächsten Verschiffungshafen transportiert.

4.4 Goldgewinnung in Tansania

Die Exporte der Minenindustrie Tansanias haben sich in den letzten 10 Jahren von 254 Mio. US$ auf mehr als 1 Mrd. US$ erhöht. Die wesentlichen neuen Projekte betreffen die Förderung von Kohle, Gold, Diamanten und Nickel. Die Goldgewinnung ist eine der Erfolgsgeschichten der letzten Jahre. Tansania entwickelte sich zum viertgrößten Goldproduzenten in Afrika hinter Südafrika, Ghana und Mali. Zu den größten Goldproduzenten in Tansania zählen momentan African Barrick Gold, AngloGold Ashanti und Resolute Mining. Explorationsprojekte werden darüber hinaus von Shanta Gold, Lake Victory Mining, Gallery Gold, MDN Northern Mining, Sub-Sahara Resources und Tan Range Exploration durchgeführt. Geita ist die größte Gold-Tagebaumine (Bild 14) von AngloGold Ashanti in Afrika. Die Mine produzierte in 2012 etwa 531 kOz Gold, was 13,5 % der Produktion der Nr. 5 der Weltrangliste in 2012 entspricht.

Platz 1 bei den Gold-Produktionsmengen in Tansania fällt allerdings an African Barrick Gold (ABG), die über die 4 Minen Bulyanhulu, Buzwagi, North Mara und Tulawaka verfügen. Etwa 626 kOz Gold wurden in 2012 produziert. Die Mine Bulyanhuhu lieferte 236 kOz, dort liegen auch die größten Reserven mit etwa 10,6 MOz. Die Tagebaumine North Mara (Bild 15) kam auf 193 kOz. Die Reserven dort werden mit 3,0 MOz beziffert. Einen Anteil von 166 kOz an der Produktionsmenge steuerte die Tagebaumine Buzwagi (Bild 16) bei. Die Reserven dort werden mit 2,7 MOz beziffert. Tulawaka schließlich ist die kleinste Mine mit einer Produktion von gerade 31,0 kOz. In 2013 wird der Betrieb dort geschlossen. ABG ist der größte ausländische Investor in Tansania. Seit 2012 flossen etwa 2,25 Mrd. US$ in das Land. Die Steuereinnahmen des Staates durch ABG in 2012 beliefen sich allein auf 150 Mio. US$. In 2013 werden weitere 445 Mio. US$ in die Erweiterung der Produktionsanlagen investiert.

4.5 Diamanten in Botswana

Die Staatseinnahmen, die Botswana aus seinen Bodenschätzen erwirtschaftet, werden zu über 95 % aus der Diamantenindustrie erzielt, wobei neben Diamanten auch Gold, Kupfer und Nickel abgebaut werden. Zuletzt wurden allerdings nur Rohdiamanten im Wert von 3,06 Mrd. US$ verkauft, was gegenüber dem Jahr 2011 Einbußen von 28,7 % ausmacht (Bild 17). Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass 2011 ein außerordentlich gutes Jahr mit Exportzuwächsen von 54,3 % war. Botswana ist weltweit führend bei dem wertbezogenen Diamantenabsatz. Zu den gewonnenen Rohdiamanten kommt noch der Handel der Diamond Trading Company Botswana (DTCB) hinzu, über die De Beers inzwischen seinen Handel mit Diamanten betreibt, nachdem man sich aus London zurückgezogen hat. In 2012 wurden aus Drittländern Rohdiamanten im Wert von etwa 2 Mrd. US$ zur Weiterverarbeitung bezogen.

De Beers ist auch das mit Abstand führende Unternehmen der Diamantenindustrie in Botswana. Man besitzt dort Debswana, ein 50/50 Gemeinschaftsunternehmen von De Beers und der Republik Botswana, mit den 4 Minen Orapa, Letlhakane, Damtshaa und Jwaneng. In 2012 wurden in Botswana Diamanten in Höhe von 20,22 Mcts gewonnen, das sind 72,5 % der Fördermenge des Unternehmens. Die größte Produktion erzielte die Orapa Mine (Bild 18) mit 11,09 Mcts. In der Mine Jwaneng wurden noch 6,02 Mcts gewonnen. Dort wurde Cut-8 gerade in Betrieb genommen, was die Lebenszeit dieser weltweit reichsten Mine (Bild 19) bis zum Jahr 2028 verlängert. Zu den weiteren Minengesellschaften, die in Botswana Diamanten gewinnen, zählen Lucara Diamonds (0,303 Mcts in 2012) sowie Mantle Diamonds. Explorationsprojekte werden u.a von Petra Diamonds, Gem Diamonds, Firestone Diamonds, Pangolin und Botswana Diamonds durchgeführt. Botswana Diamonds hat ein Joint-Venture mit der russischen Alrosa angekündigt, die mit 34.4 Mcts in 2012 der weltgrößte Diamanten-Produzent waren.

5 Chinas Griff nach Afrikas Ressourcen

Die chinesisch-afrikanischen Beziehungen erleben zurzeit ein goldenes Zeitalter. Seit 2009 ist China Afrikas größter Handelspartner. Der Handel mit Afrika wuchs von ca. 10 Mrd. US$ im Jahr 2000 auf 135 Mrd. in 2011 und 156 Mrd. in 2012. Chinesische Investitionen sind wichtiger als westliche Hilfsgelder geworden. Kritiker meinen indes, China lässt sich seine Investitionen teuer mit Rohstoffen bezahlen und überflutet die Länder Afrikas im Gegenzug mit billigen Industriegütern und Konsumwaren. In 2011 sind die Mineninvestitionen der Chinesen in Afrika von 1,5 Mrd. US$ auf 15,6 Mrd. US$ gestiegen. Meist ermöglichen zinsgünstige Kredite der chinesischen Staatsbanken wie der China Export Import Bank (EXIM) oder der China Development Bank Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Unternehmen. Ein weiterer Vorteil der chinesischen Firmen besteht in der sektorübergreifenden Zusammenarbeit insbesondere im so wichtigen Infrastrukturbereich.

Zu den wichtigen Investitionen chinesischer Firmen in der letzten Zeit zählen u.a. die Übernahme des südafrikanischen Kupfer- und Kobaltproduzenten Metorex durch die ­Jinchuan Group, die Beteiligung der CITIC Group an der südafrikanischen Goldminenunternehmen Gold One International, die 47 % Beteiligung der Aluminium Corporation of China (Chinalco) an Rio Tintos Simandou-Eisenerzprojekt in Guinea, die Beteiligung von Shandong Iron & Steel an dem Tonkolili-Eisenerzprojekt von African Minerals in Sierra Leone, der Kauf der australischen Extract Resources, die ein Uranerz-Projekt in Namibia entwickeln und schließlich die Beteiligung von China Minmetals an Anvil Mining, die ein Kupfererz-Projekt in der DR Kongo vorantreiben. In anderen Projekten beispielsweise in Gabun, Zimbabwe oder Ghana lässt sich China die Unterstützung bei Infrastrukturprojekten durch die Ausfuhr von Ressourcen vergüten.

Andererseits stehen China und die chinesischen Unternehmen in Afrika im Wettbewerb zu den etablierten globalen Minengesellschaften wie BHP Billiton, Anglo American, Rio Tinto, Barrick Gold oder Xstrata. Xstrata besitzt zum Beispiel drei Beteiligungen an Eisenerzprojekten in Mauretanien. Mit der mehrheitlich in Staatsbesitz befindlichen Société Nationale Industrielle et Minière (SNIM) besitzt man ein 50/50 Joint Venture an dem aussichtsreichen Guelb el Aouj Projekt. In der Republik Kongo hat man eine 50+ Mehrheit an Jumelies Limited (BVI) in Bezug auf das Zanaga-Eisenerzprojekt. Logisch ist, dass die globalen Minengesellschaften nicht bereit sind, das Feld den Chinesen zu überlassen. Zudem engagieren sich mit Brasilien, Russland und Indien ebenfalls Minengesellschaften aus den übrigen BRIC-Staaten in Afrika. Zu den herausragenden Firmen dort zählen Vale und Norilsk Nickel. Aus Indien sind bisher überwiegend Ölgesellschaften aktiv.

6 Ausblick

Für die Minenindustrie in Afrika ist ein goldenes Zeitalter herangebrochen. Ressourcen wie Eisenerz, Gold, Diamanten, Kupfer, Nickel usw. sind heiß begehrt. Das hohe Wirtschaftswachstum in China heizt momentan noch die weltweite Nachfrage an und trägt zur allgemeinen Rohstoffverknappung bei. Bis 2015 will China den Ländern Afrikas weitere 20 Mrd. US$ an günstigen Krediten für dringend benötigte Infrastrukturmaßnahmen zukommen lassen. China sichert sich dabei im Gegenzug und immer breiter den Zugang zu Afrikas Ressourcen. Je mehr sich China einen direkten Zugang zu den Rohstoffen verschafft, umso geringer wird für die chinesische Wirtschaft die Abhängigkeit von Importen z.B. aus Australien. Internationale Minengesellschafter haben dies längst erkannt und sich dem Wettbewerb mit den Chinesen gestellt. Zu hoffen ist bei alldem, dass sich nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung der Staaten Afrikas verbessert, sondern dass dort auch eine nachhaltige Entwicklung erfolgt.

[1] Harder, J.: Appetite for Commodities – What will become of China? AT Minerals Processing, 5/2012, pp 50-60

[2] Harder, J.: South Africa’s Well-being – Overview of the Mining Industry in South Africa. AT Minerals Processing, 10/2009, pp 36-49

[3] Esterhuizen, I.: Opportunities for SA Mining Firms Lay ­Elsewhere in Africa. Miningweekly.com, 10th January 2013

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