Zeitenwende

Entwicklung des Bergbausektors in Indien

Indien verzeichnet in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum. Davon hat auch die Bergbauindustrie profitiert. Allerdings scheinen in Indien die Uhren langsamer zu gehen, was man daran sieht, dass Indiens Bergbau weltweit noch keine große Beachtung erfährt. Doch wie ist die Lage in Wirklichkeit? Dieser Beitrag liefert eine Analyse und interessante Antworten. 

1 Wirtschaftsentwicklung

Indien ist inzwischen die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt und wird bei anhaltendem Wachstum zum Ende dieser Dekade auf Rang drei hinter den USA und China stehen. Trotzdem im letzten Jahrzehnt beachtliche Erfolge in der Armutsbekämpfung erzielt wurden, bleibt Indien aber ein Land der Gegensätze, insbesondere zwischen arm und reich. Bild 1 zeigt die Prognosen des Wirtschaftswachstums für die aktuellen Jahre gemäß dem WEO (World Economic Outlook) des Internationalen Währungsfonds vom April 2023. Im Jahr 2020 hat Indien mit 5,8 % zwar stärkere Verluste im BIP als die anderen großen Volkswirtschaften hinnehmen müssen, anschließend hat sich die Wirtschaft aber kräftig erholt und ist am Wirtschaftswachstum von China vorbeigezogen mit prognostizierten 5,9 % Wachstum im Jahr 2023 und 6,3 % im Jahr 2024.

 

Die indische Regierung ist dabei, die Verkehrsinfrastruktur kräftig auszubauen. Der Anteil der Eisenbahn am Güterverkehr soll von derzeit etwa 27 % auf 40 bis 45 % in 10 Jahren erhöht werden. Die Zahl der Flughäfen ist seit 2014 von 74 auf 147 gestiegen, bis 2035 werden es mehr als 200 sein. In die Hafeninfrastruktur der 80 Seehäfen des Landes will die indische Regierung 30 Mrd. US$ investieren. Die staatliche Eisenbahngesellschaft Indian Railways hat Anfang 2023 für 3 Mrd. € insgesamt 1200 Lokomotiven bei Siemens Mobility bestellt. Die indische Airline Air India, die zur Tata Unternehmensgruppe gehört, hat im größten Flugzeug-Deal der Geschichte 290 Jets bei Boeing und 250 Jets bei Airbus bestellt. Die Reederei Hapag-Lloyd steigt mit einem Anteil von 40 % bei JMBPL, einem führenden privaten indischen Terminal- und Transportunternehmen, ein.

 

2 Übersicht zur Bergbauindustrie

Die Bergbauindustrie in Indien ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Anteil des Bergbausektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt je nach Jahr bei zuletzt 2,2 bis 2,5 %. Gemessen am BIP des Industriesektors liegt der Anteil bei 10 bis 11 %. Am weltweiten Bergbau kommt Indien aber lediglich auf einen Anteil von 3 % und nimmt damit allenfalls einen 10. Platz im globalen Ranking ein. Doch Indien ist reich an Ressourcen und verfügt über große Reserven an Kohle, Eisenerz, Manganerz, Bauxit, Chrom und unterschiedlichsten Mineralien. Nur etwa 20 % der Mineralreserven wurden bisher abgebaut. Im weltweiten Maßstab wird der indische Bergbau noch nicht besonders beachtet. Lange Jahre war der Bergbausektor durch Staatsunternehmen geprägt. Mit der Privatisierung ist der Anteil der „Public Sector Undertakings“ (PSU) am Bergbau inzwischen aber auf unter 45 % gefallen.

 

Im Finanzjahr 2022 ist der indische Bergbausektor nach aktuellen Zahlen des Bergbauministeriums um 12,2 % gewachsen (Bild 2). Im Bild sind die Anteile der wichtigsten Sektoren über die letzten Jahre dargestellt. Auf Metalle entfiel im Finanzjahr 2022 nur ein Anteil von 39 %, auf Nichtmetalle entfielen 5,2 %. Den größten Anteil mit 55,2 % machen alle übrigen Minerale (insbesondere Kohle und sonstige Kohlenwasserstoffe) aus. Die wichtigsten Metalle sind Eisenerz mit einem Anteil von 78,1 % am Umsatz, Zink-Konzentrat 6,7 %, Chrom 3,9 %, Silber 3,5 %, Bauxit 2,0 %, Blei-Konzentrat und Manganerz jeweils 1,8 %, Kupferkonzentrat 0,9 % und Gold 0,5 %. Die wichtigsten Nichtmetalle sind Kalkstein (91,8 %), Phosphorit (7,2 %) und Magnesit (0,4 %). Das Bergbauministerium (Ministry of Mines) ist zuständig für Abbaulizenzen und die Exploration aller Bodenschätze außer für Kohle, Erdgas, Erdöl und Uran.

 

In Indien sind derzeit 1319 Minenbetriebe erfasst, 545 für metallische Mineralien und 774 für nichtmetallische Mineralien, ohne den Energiesektor [1]. Der Bergbau in Indien erfolgt in 19 Bundesstaaten, 7 davon (Odisha, Chhattisgarh, Karnataka, Rajasthan, Jharkhand, Madhya Pradesh und Maharashtra) erzielen allein einen Anteil von 97 % der Einnahmen. Indien kommt bei zahlreichen Mineralien und Metallen auf einen hohen Selbstversorgungsanteil. Bild 3 liefert einen Überblick mit dem Finanzjahr 2021 als Basis [2]. Eine vollständige Selbstversorgung ist bei Eisenerz und Zink gegeben. Hohe Anteile von 76 bis 95 % bestehen noch bei Chrom, Bauxit und Primärblei. Kupfer kann immerhin zu 50 % durch den lokalen Erzabbau gewonnen werden, bei Mangan liegt der Anteil nur bei 40 %, trotz relativ großer Produktionsmengen.

 

3 Kohlebergbau

Die indische Regierung will die Kohleförderung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes weiter ausbauen. Zuständig für den Kohlebergbau in Indien ist das „Ministry for Coal“. Es wird sowohl Steinkohle als auch Braunkohle produziert, wobei der Anteil der Steinkohleproduktion mit etwa 94 % deutlich überwiegt. Bild 4 zeigt die Entwicklung der lokalen Kohleproduktion und der Importe zur Befriedigung des indischen Bedarfs. Nach knapp 900 Millionen Jahrestonnen (Mta) Kohle im Finanzjahr 2018 ist der Bedarf auf fast 1150 Mta im Finanzjahr 2023 gestiegen, wobei ein deutlicher Anstieg mit 13,5 % nach dem Coronajahr erfolgte. Die lokale Kohleproduktion ist dabei von 690 Mta auf 893 Mta gestiegen, die Importe sind von 23,2 % nach einem zwischenzeitlichen Anstieg auf 25,2 % im Coronajahr wieder auf 22,1 % gefallen, was mit der staatlichen Förderung der heimischen Produktion einhergeht.

 

Im Finanzjahr 2022 wurden 65,5 % der Kohle zur öffentlichen Stromerzeugung eingesetzt, weitere 3,6 % wurden in Indus-triekraftwerken verwendet, 6,4 % gingen in die Stahlerzeugung zur Herstellung von Kokskohle und nur 0,7 % gingen in die Zementindustrie zur Klinkererzeugung. Bild 5 zeigt, welches die größten Steinkohleproduzenten im heimischen Markt sind. Man erkennt, dass es nur zwei wichtige Produzenten gibt: das Staatsunternehmen Coal India Limited (CIL) mit zahlreichen Tochtergesellschaften sowie Singareni Collieries Company Ltd (SCCL). Daneben gibt es Unternehmen, die für ihren eigenen Bedarf produzieren wie beispielsweise das Kraftwerksunternehmen Reliance Power Limited oder die Stahlunternehmen Tata Steel und Jindal Steel. Bei Braunkohle sind die wichtigsten Unternehmen Neyveli Lignite, Gujarat Mineral Development und Barmer Lignite Mining. Inzwischen gewinnt in Indien aber die Debatte über einen Kohleausstieg kräftig an Fahrt.

 

CIL ist in der Kohleproduktion in Indien das Unternehmen der Superlative. Das Unternehmen wurde erst 1975 gegründet mit einer Produktion von 79 Mta. Im Finanzjahr 2023 wurden 703 Mta Kohle produziert, was CIL zu dem weltweit größten Unternehmen der Branche macht. Stand April 2023 verfügte das Unternehmen über insgesamt 322 Kohleminen (Bild 6), davon 171 Übertage und 138 Untertage. Die Minen befinden sich in 83 Kohleabbaugebieten über 8 Bundesstaaten verteilt. CIL besitzt insgesamt 11 Tochtergesellschaften, darunter Eastern Coalfiels Limited (ECL), Bharat Coking Coal Limited (BCCL), Mahanadi Coalfields Limited (MCL), Western Coal-fields Limited (WCL) und South Eastern Coalfields Limited (SECL). MCL kommt mit über 190 Mta auf die größten Fördermengen aller Tochtergesellschaften. CIL produziert knapp 80 % der Kohle in Indien und versorgt 55 % des Kraftwerksbedarfs in Indien.

 

Bei hohen Aschegehalten von 35 bis 50 % kommt indische Steinkohle auf niedrige Brennwerte von durchschnittlich 18,4 MJ/kg, im Vergleich zu 25,1 MJ/kg für Kohle aus Aus-tralien und Südafrika. Derartige Kohle wird zuweilen auch als Ballastkohle bezeichnet. Die relativ geringe Kohlequalität und hohe Anforderungen für Kokskohle sowie neue Emissionsnormen für Kraftwerke seit dem Jahr 2015 haben dazu geführt, dass Kohle vor der Verwendung verstärkt gewaschen werden muss [3]. Aufgrund der relativ hohen spezifischen Dichte von 1,4 bis 1,6 g/cm3 bieten sich hierfür HMS-Verfahren an. Im Jahr 2020 verfügte Indien über Kohle-Waschkapazitäten (Bild 7) in Höhe von 216 Mta, davon 80 % für Kokskohle und 20 % für Kraftwerkskohle. In den letzten Jahren sind insbesondere die Kapazitäten für Kraftwerkskohle gestiegen. Allein CIL plante im Jahr 2022 die Inbetriebnahme von 9 weiteren Anlagen mit 30 Mta Kapazität.

 

4 Eisenerz, Manganerz und Bauxit

Indien ist weltweit zum zweitgrößten Produzenten von Rohstahl aufgestiegen. 2022 wurden 79,9 Mta Roheisen produziert nach 76,6 Mta im Jahr 2021. Bild 8 zeigt die in Indien produzierten Mengen an Eisenerz. Von 2018 auf 2022 ist die Produktion von 201 Mta auf 250 Mta gestiegen. Nach dem Einbruch der Zahlen im Jahr 2021 um 8,1 % hat sich die indische Eisenerzindustrie mit einem beeindruckenden Wachstum von 22,5 % zurückgemeldet. Im weltweiten Maßstab nimmt Indien mit Eisenerz-Reserven in Höhe von 5,5 Mrd. t einen vorderen Platz ein. Führend sind allerdings Australien mit 51 Mrd. t vor Brasilien mit 34 Mrd. t. Über 85 % der Reserven in Indien sind von hoher bis mittlerer Qualität und können direkt in Hochöfen oder für die Herstellung von direkt reduziertem Eisen verwendet werden. Indien kann seinen Bedarf vollständig aus eigener Produktion decken und exportiert darüber hinaus einen kleinen Anteil.

 

In Indien gibt es 7 Unternehmen, die Eisenerz produzieren. Als die drei größten gelten die National Mineral Development Corporation (NMDC), Tata Steel und die Steel Authority of India (SAIL). NMDC hat im Jahr 2022 mit einer Produktion von 141,3 Mta einen neuen Allzeit-Produktionsrekord aufgestellt. Das Unternehmen betreibt 4 Minen in Chhattisgarh und Karnataka. Die 2 größten sind die BKL Mine (Bild 9) und die KDL Mine, die zuletzt beide auf eine Produktion von mehr als 50 Mta kamen. In der BKL Mine in Bailadila beträgt der durchschnittliche Eisengehalt des Erzes 66 %. Tata Steel, die weltweit 35 Mta Roheisen erzeugen, hat zuletzt in den 4 Minenbetrieben in Jharkhand und Odisha eine Menge von 36 Mta Eisenerz für den Eigenbedarf produziert. SAIL besitzt 7 Minen in 3 Bundesstaaten und hat im Jahr 2022 eine neue Höchstmenge von 33,8 Mta Eisenerz produziert.

 

Bei Manganerz kommt Indien mit einer Produktionsmenge von etwa 2,7 Mta weltweit auf einen 5. Platz im Ranking, gemessen an der Manganausbeute. Der durchschnittliche Mangangehalt im Erz liegt bei 32 bis 33 %. Bild 10 zeigt die Produktionsmengen der letzten Jahre. Die wichtigsten Erzproduzenten sind Manganese Ore India Limited (MOIL) mit 45,8 % Marktanteil im Jahr 2022, Sandur Manganese & Iron Ores Ltd (10,6 %) und Tata Steel (10,5 %). MOIL, ein 100 %iges Staatsunternehmen, betreibt 11 Minen, davon 7 in Maharashtra und 4 in Madhya Pradesh. Alle diese Minen sind etwa ein Jahrhundert alt. Bis auf 4 Minen werden alle im Untertage-Verfahren abgebaut. Die Balaghat Mine zählt zu den größten Minen der Welt (Bild 11). Das Bergwerk hat inzwischen eine Abbautiefe von fast 400 m ab der Oberfläche erreicht. In der Dongri Buzurg Tagebau-Mine in Maharashtra wird ein Manganerz produziert, welches von der Trockenbatterieindustrie verwendet wird. Ansonsten gehen fast 95 % in die Stahlherstellung.

 

Weltweit wurden im Jahr 2022 etwa 68,461 Mta Primär-aluminium erzeugt nach Daten des International Aluminium Instituts (IAI). China kommt mit einer Produktionsmenge von 40,43 Mta allein auf einen Anteil von 59,1 %, gefolgt von Russland mit 3,71 Mta und 5,4 % Anteil. Mit einer Menge von 3,5 Mta Primäraluminium ist Indien weltweit der drittgrößte Hersteller. Für 1 t Primäraluminium werden je nach Qualität 6 bis 7 t Bauxit benötigt. Bild 12 zeigt die Bauxit-Produktionszahlen der letzten Jahre für Indien. Danach sind die Zahlen trotz hoher Einbußen in den Jahren 2020 und 2021 insgesamt auf 23,8 Mta angestiegen. Im Finanzjahr (FY) 2017 hatte die Produktion allerdings schon bei 24,75 Mta gelegen. Auch bei der Anzahl der Bauxitminen ergibt sich eine merklich abnehmende Tendenz. Die wichtigsten Bauxitminen befinden sich in den Bundesstaaten, Chhattisgarh, Gujarat, Jharkhand, Madhya Pradesh, Maharashtra und Odisha.

 

Die wichtigsten Bauxit-Produzenten in Indien sind Hindalco, Nalco und Balco. Hindalco gehört zu der Aditya Birla Gruppe und verfügt über 20 Bauxitminen in 4 Bundestaaten. Im Jahr 2020 hat das Unternehmen mit einer Produktionsmenge von 9,599 Mta einen Anteil von 40,3 % produziert. Hindalco ist einer der größten Produzenten von Primäraluminium in Asien (ohne chinesische Hersteller) und über seine Tochtergesellschaft Novelis auch der größte Recycler von Aluminium. Nalco (National Aluminium Company Limited) kommt mit einer Produktionsmenge von 7,51 Mta Bauxit auf einen Anteil von 31,5 %. Deren Panchpatmali Bauxitmine (Bild 13) in Odisha erstreckt sich über eine Ausdehnung von 18 km und verfügt über Bauxiterz-Reserven etwa 310 Mt. Dritter wichtiger Bauxit-Produzent ist Balco (Bharat Aluminium Company Limited), die zu der Vedanta-Unternehmensgruppe gehören. Vedanta ist zudem mit 2,286 Mta der größte Aluminiumhersteller Indiens. 

 

5 Andere Metallerze

Indien nimmt im weltweiten Maßstab nur bei wenigen Metallen vordere Plätze im Ranking ein. Zu diesen Metallen zählen Chrom, Blei und Zink. Bild 14 zeigt die Produktionsmengen für diese Metalle in den letzten Jahren. Mit einer Produktionsmenge von 3,8 Mta Chrom im Jahr 2022 kam Indien auf Platz 4 im weltweiten Ranking hinter Südafrika, der Türkei und Kasachstan. Die wichtigsten Produzenten für Chrom sind Tata Steel mit 1,79 Mta bzw. 47,2 % Anteil an der Produktion. Das Unternehmen betreibt 3 Minen (Bild 15) im Bundesstaat Odisha. Auf dem 2. Platz im Ranking in Indien bei der Chromgewinnung folgt die Odisha Mining Company (OMC), die ein Staatsbetrieb ist und auf einen Anteil von 30,7 % kommt. Auf dem 3. Platz folgt die Indian Metals & Ferroalloys (IMFA) Ltd mit einem Anteil von 14,8 %. Zu den weiteren kleinen Produzenten zählen die Ferro Alloys Corp sowie Balasore Alloys Ltd.

 

Die Hindustan Zink Limited (HZL) ist in Indien der größte Hersteller von Blei- und Zink-Konzentrat. Das Unternehmen, welches zur Vedanta Unternehmensgruppe zählt, hat im Jahr 2022 insgesamt 1,017 Mta Blei- und Zink-Konzentrat produziert. Damit kommt man bei diesen Metallen in Indien auf einen Marktanteil von 51,8 %. Im Jahr 2022 wurden 0,246 Mta Zink raffiniert (Bild 16), das entspricht einem Wachstum von 18 %. Das Unternehmen betreibt 4 Blei-Zinkminen (Bild 17), die sich alle im Bundestaat Rajasthan befinden. Auch im internationalen Ranking nimmt HZL einen vorderen Platz ein. Man ist der zweitgrößte integrierte Zinkproduzent der Welt. Daneben ist man der sechstgrößte Silberproduzent und außerdem verfügt man mit der Rampura Agucha Mine über den weltweit größten untertägigen Zinkabbau. 

 

Neben den genannten Metallerzen werden in Indien vor allem Kupfer, Gold und Silber abgebaut. Im internationalen Vergleich spielen die bisherigen Fördermengen allerdings keine Rolle. 2022 wurden 72,7 kt Kupferkonzentrat gewonnen. Größter Produzent ist die Hindustan Copper Limited (HCL), ein Staatsunternehmen, dessen Minen und Aufbereitungsanlagen sich über 5 Bundesstaaten verteilen. In der Malanjkhand Kupfermine (Bild 18) befinden sich größere Kupferreserven von 221 Mt bei durchschnittlichen Kupfergehalten im Erz von 1,31 %. Ein anderer Kupferproduzent ist Vedanta, dessen Produktion derzeit aber stillsteht. Bei der Goldgewinnung bahnt sich ein größeres Projekt im Bundesstaat Andrah Pradesh an. Die dortige Goldmine Chigargunta-Bisanatham soll über Reserven von 1,83 Mt Gold bei einem Goldgehalt von 5,15 g/t im Erz verfügen. Das Eisenerzunternehmen NMDC will mit einer Investition von 60 Mio. US$ in das Projekt einsteigen.

 

6 Ausblick

Über die künftige Entwicklung des Bergbaus in Indien gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Auf der einen Seite steht die wirtschaftliche Entwicklung Indiens und die bisher vergleichsweise geringe Nutzung vorhandener Ressourcen, was gute Aussichten für den Bergbau bedeutet. Auf der anderen Seite wird auch der industrielle Umbau der Wirtschaft hin zu Klimaneutralität vor Indien nicht Halt machen. Entsprechend sind in Indien insbesondere die Kohle-, Stahl- und Aluminiumindustrie gefordert, d.h. die Industrien, die momentan für das größte Wachstum im heimischen Bergbau gesorgt haben. Manche Aussagen der Wirtschaft hin zu klimaneutralen Strategien lassen noch reale Minderungsziele und zeitliche Eckdaten vermissen. Andererseits zeigt z.B. die Entwicklung bei CIL, dem weltweit größten Kohleproduzenten, dass man auch bereits Solarenergie produziert und damit jährlich etwa 5600 t CO2 einspart. Dies ist natürlich bisher nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Literatur

[1] Ministry of Mines: National Mineral Scenario 2021-22. Government of India 2023, New Delhi/India

[2] Ministry of Mines: Annual Report 2022-23 by the Ministry of Mines. Government of India 2023, New Delhi/India

[3] teri: Economic and Environmental Impact of Coal Washing in India 2020. Prepared by teri, The Energy and Resources Institute, 2020, New Delhi/India

Autor:

Dr.-Ing. Joachim Harder, OneStone Consulting Ltd., Varna/Bulgarien

www.onestone.consulting




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