In Zeiten von Corona im neuen Gewand

Berliner Konferenz „Mineralische Nebenprodukte und Abfälle“ als Webkonferenz

B‌estens vorbereitet war auch diese Berliner Konferenz für den 18. und 19. Mai 2020 vom Veranstalter, dem Thomé-Kozmiensky Verlag GmbH Neuruppin – aber dann kam alles anders. Mit großem Aufwand und noch größerem Engagement hatten die Verlagsmitarbeiter unter Einbeziehung eines jungen Software-Unternehmens in nur drei Wochen die technische Infrastruktur dafür geschaffen, dass die Konferenz nicht ausfallen musste, sondern als Webkonferenz stattfinden konnte. Es galt Bewährtes zu überprüfen und neue Wege zu gehen, wie es Frau Elisabeth Thomé-Kozmiensky, Geschäftsführerin des o. g. Verlags in ihrer Begrüßungsrede formulierte. Den Teilnehmern der Konferenz wurde eine Fülle neuer Möglichkeiten eröffnet: per App konnte man seinen Terminplan individuell zusammenstellen und Informationen zu den einzelnen Vorträgen abrufen. Zur Konferenz selbst waren die Live-Teilnahme online sowie der Austausch mit den Vortragenden und die Vernetzung mit anderen Teilnehmern möglich. Trotz dieser erschwerten Bedingungen konnten die Veranstalter über 200 Teilnehmer verzeichnen. Im Rahmen der Einführung in das Programm bedankte sich Frau Dr.-Ing. Stephanie Thiel,  VIVIS Verlag GmbH Neuruppin als Programmkoordinatorin bei den etwa 40 (4/5 der ursprünglich angemeldeten) Autoren für ihre virtuelle Teilnahme an der Konferenz.

Das Team des Thomè-Kozmiensky Verlag GmbH, Neuruppin; erste Reihe: 3. von links: Geschäftsführerin M. Sc. Elisabeth Tomé-Kozmiensky, 2. von rechts: Frau Dr.-Ing. Stefanie Thiel, Programmkoordinatorin
© Sera Z. Curc

Das Team des Thomè-Kozmiensky Verlag GmbH, Neuruppin; erste Reihe: 3. von links: Geschäftsführerin M. Sc. Elisabeth Tomé-Kozmiensky, 2. von rechts: Frau Dr.-Ing. Stefanie Thiel, Programmkoordinatorin
© Sera Z. Curc
Die Vormittagssitzung der Plenarveranstaltung am 1. Konferenztag war der Thematik Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz gewidmet. In seinem beeindruckenden Einführungsvortrag „Klimaschutz muss international gedacht werden“ stellte Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ehrenpräsident des Club of Rome, anhand zahlreicher Fakten den Zusammenhang zwischen Klimaschutz und mineralischen Nebenprodukten und Abfällen her. Er warnte eindringlich davor, nichts gegen die Klimaveränderungen zu unternehmen. „Es nützt nicht viel, wenn Deutschland den Kohleausstieg praktiziert, aber weltweit 600 neue Kohlekraftwerke gebaut werden! Die einzige Politikoption, die Klimakatastrophe abzuwenden ist der sog. Budgetansatz,“ ist Prof. Weizsäcker überzeugt (das gleiche Budget der CO2-Emissionen pro Kopf ist auf alle Länder der Welt gerecht verteilt [Anm. der Autorin])

In weiteren Vorträgen wurden der Beitrag der Verwertung von Hausmüllverbrennungsaschen und von metallurgischen Nebenprodukten sowie von Deponien zum Klimaschutz, aber auch die unendliche Geschichte der Ersatzbaustoffverordnung und damit der Mantelverordnung behandelt.

Teilnehmer der Podiums-Diskussion; obere Reihe von links: Prof. Dr. Ernst-Ulrich Weizsäcker, Dipl.-Ing. Carsten Spohn; Thomas Reiche; untere Reihe von links: Journalist Joachim Mahrholdt, Dipl.-Verww. Hartmut Haeming
© Thomè-Kozmiensky Verlag GmbH

Teilnehmer der Podiums-Diskussion; obere Reihe von links: Prof. Dr. Ernst-Ulrich Weizsäcker, Dipl.-Ing. Carsten Spohn; Thomas Reiche; untere Reihe von links: Journalist Joachim Mahrholdt, Dipl.-Verww. Hartmut Haeming
© Thomè-Kozmiensky Verlag GmbH
Die Live-Podiumsdiskussion stand ebenso unter der Thematik „Klimarelevanz und Kreislaufwirtschaft“. Moderiert vom Journalisten Joachim Mahrholdt, Berlin, diskutierten Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Dipl.-Verw. Hartmut Haeming, Vorsitzender der InwesD, Köln, und die Geschäftsführer Thomas Reiche, FEhS, Duisburg, sowie Dipl.-Ing. Carsten Spohn, ITAD Düsseldorf, virtuell. Durch die hervorragend funktionierende Technik waren auch Kommentare, Fragen und deren Beantwortung durch die Konferenzteilnehmer möglich.

In der Nachmittagssession befassten sich die Referenten mit der Umsetzung des EU-Kreislaufwirtschaftspakets im deutschen KrWAbfG, insbesondere hinsichtlich der rechtlichen Bedeutung für die Bewirtschaftung mineralischer Nebenprodukte und Abfälle. Nach den einzelnen Beiträgen gab es jeweils eine Live-Diskussionsrunde mit den Referenten, Moderatoren und dem Publikum an den Bildschirmen.

Am zweiten Konferenztag wurde die Videokonferenz traditionell in den vier folgenden Sektionen durchgeführt:

Rückstände aus der Verbrennung von Abfällen

Nebenprodukte aus der Metallurgie und Reststoffe aus dem Bergbau

Bauabfälle (Mineralfasern, teerhaltiger Straßenaufbruch, Asbest)

Deponien (Marktsituation und Deponiebedarf, Mineralische Abfälle aus dem Rückbau von kerntechnischen Anlagen, Deponietechnik und Klimaschutz)

In den einzelnen Fachbeiträgen wurden neue Aufbereitungs- und Anlagentechniken, aber auch Analysenmethoden, ökobilanzielle Betrachtungen und die Herstellung von Recyclingprodukten vorgestellt. Es wurde aber auch auf die erheblichen Schwierig­keiten beim Recycling neuer Produkte wie Textilbeton, Verbundmaterialien oder Asbest und PCB-verunreinigte Restmassen hingewiesen, die die Politik meist nicht sehen will. Es gab für die Zuschauerschaft eine Fülle von Informationen, die ins Internet eingestellt , bzw. als Livestream aufgezeichnet wurden.

Obgleich eine Webkonferenz niemals einen Life-Kongress ersetzen kann, ist die Veranstaltung positiv einzuschätzen. Durch die hervorragende Organisation und den strengen zeitlichen Ablauf war es möglich, am zweiten Konferenztag problemlos zwischen den einzelnen Sektionen zu wechseln. Natürlich wurden die Möglichkeiten zum Gedankenaustausch in den Konferenzpausen und zu der geselligen Abendveranstaltung schmerzlich vermisst. Trotzdem:  ein großes Dankeschön an das Team des Veranstalters – besser eine aufwendige und auch für die Teilnehmer etwas anstrengende Videokonferenz, als die Veranstaltung ausfallen zu lassen. Die Teilnehmer erhielten insgesamt die Möglichkeit, sich über den aktuellen Stand der Thematik zu informieren. Außerdem stehen dafür auch die meisten der in das Tagungsprogramm aufgenommenen Vorträge im Fachbuch „Mineralische Nebenprodukte und Abfälle 7 – Aschen, Schlacken, Stäube und Baurestmassen“, Thomé-Kozmiensky Verlag GmbH, Neuruppin 2020, ISBN 978-3-944 310-52-4 zur Verfügung.

Die nächste Berliner Konferenz „Mineralische Nebenprodukte und Abfälle“ findet – hoffentlich wieder in konventioneller Form – vom 13. – 14. September 2021 in Berlin statt.

www.vivis.de

Autorin:

Dr. Brigitte Hoffmann; Consulting Kreislaufwirtschaft/Umweltschutz, Oberschöna

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