Rohstofftag Brandenburg 2016 in Potsdam

Nach mehr als 15 Jahren setzte Brandenburg in diesem Jahr die Tradition seines Rohstofftags fort und stieß dabei auf großes Interesse. Über 150 Teilnehmern aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik waren der Einladung zum Rohstofftag am 14. September zur IHK nach Potsdam gefolgt. Die Veranstaltung bot ein breites Themenspektrum zu Fragen der Nutzung heimischer Rohstoffe, der Energieerzeugung, Rohstoffsicherung, Biodiversität und der gesellschaftlichen Akzeptanz der Rohstoffwirtschaft. Die gemeinsame Veranstaltung wurde getragen durch das Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg, das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR), den Unternehmerverband Mineralische Baustoffe (UVMB) sowie durch die Industrie- und Handelskammern (IHK) des Landes Brandenburg.

Das Vortragsprogramm vertiefte dabei insbesondere die Nutzung der Braunkohle und deren wirtschaftliche Bedeutung für die Lausitz sowie die Entwicklungstrends zur langfristigen Nachfrage nach Rohstoffen für die Bauwirtschaft. Gleichzeitig wurden die stetig steigenden Anforderungen des Umweltrechts thematisiert, auf die sich die Bergbau- und Rohstoffwirtschaft langfristig einstellen muss.

Dass Rohstoffgewinnung und Artenschutz sich durchaus vereinbaren lassen, erklärte Thomas Weber von der Cemex Zement GmbH am Beispiel des Kalksteintagebaus Rüdersdorf eindrucksvoll. Kalksteinabbau und Fledermausschutz stehen hier nachweislich nicht im Widerspruch. Über den langen Weg zur Akzeptanz und den Umgang mit berechtigten Forderungen einer Bürgerinitiative im Vorfeld einer geplanten Bohrung zur Förderung von Erdgas berichtete Dr. Jens Nissen von der Bayerngas GmbH aus Beeskow.

„Brandenburg ist eine Schatzkammer für mineralische Rohstoffe. In Rüdersdorf werden seit 800 Jahren Kalksteine gefördert, die sich in vielen Bauten in Berlin wiederfinden“, sagte Albrecht Gerber, Minister für Wirtschaft und Energie in seinem Grußwort. Über 20 Mio. Tonnen Steine und Erden würden jährlich in Brandenburg gefördert. Dazu kommen Erdgas, Erdöl und – vor allem – mehr als 30 Mio. Tonnen Braunkohle pro Jahr. Zwar habe man nun mit der tschechischen EPH-Gruppe nach dem Verkauf der Lausitzer Braunkohle durch den schwedischen Energiekonzern Vattenfall einen „verlässlichen Partner gefunden, aber nur bei stabilen energiepolitischen Rahmenbedingungen“, appellierte Gerber an die Bundespolitik. Nur mit einer vernünftigen Energiepolitik, einem Netzausbau und neuen Speichertechnologien sei die geplante „Decarbonisierung Deutschlands bis 2050“ möglich.

„Wissen ist der Rohstoff der Zukunft“ – diesen Leitspruch übertrug der Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam Prof. Dr. Mario Tobias und Gastgeber des Rohstofftags in seiner Begrüßung auf die Rohstoffwirtschaft: „…wichtig zu wissen ist es, wie wir in Zukunft mit unseren Rohstoffen effizient umgehen“. Das beträfe besonders die Braunkohle aber auch Kiese und Sande, „die den Bauboom in Berlin überhaupt erst ermöglicht haben“.

Diese Aussage griff UVMB-Geschäftsführer Bert Vulpius auf, und setzte sich kritisch mit der Rohstoffsicherung im Rahmen der Landes- und Regionalplanung in Brandenburg auseinander. So sind die Forderungen des Bundesgesetzgebers aus dem Raumordnungsgesetz von 2008 zur vorsorgenden Rohstoffsicherung bisher nicht in die Regionalplanung eingegangen. „Das kritisieren wir seit langem. Seit 2008 sind drei Regionalpläne neu aufgestellt worden, ohne dieses Thema zu berücksichtigen.“ Vorsorgende Rohstoffsicherung sei insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, weil sich der „Erkundungsvorlauf für mineralische Rohstoffe“ in den letzten 25 Jahren wesentlich verringert habe, so Vilpius. In diesem Zeitraum sind etwa 550 Mio. Tonnen an Baurohstoffen aus Brandenburger Lagerstätten dem Markt als Bauprodukte zur Verfügung gestellt worden. Deshalb müsse die Vorratsbasis gestärkt und Rohstoffpotentiale langfristig vorsorgend gesichert werden. „In den Regionalplänen sind die raumordnerischen Voraussetzungen für die vorsorgende Sicherung und die Gewinnung von standortgebundenen einheimischen Rohstoffen zu schaffen. Dazu sind Vorranggebiete für den Rohstoffabbau sowie Vorranggebiete für die langfristige Sicherung von Rohstofflagerstätten festzulegen“, laute die Forderung des UVMB, so Vulpius. Wie so etwas gehe, zeige die vorbildliche Umsetzung in den Landesentwicklungsplänen der mitteldeutschen Länder.

„Die Naturschutzverbände haben dazu gelernt und kommen jetzt aus einer neuen Stoßrichtung“, warnte Prof. Dr. Bernd Dammert von der Kanzlei Rechtsanwälte Dr. Dammert &
Steinforth aus Leipzig vor unliebsamen Überraschungen. Nach einigen Niederlagen hätten die Umweltverbände festgestellt, dass sich der Rohstoffabbau über das Bergrecht nicht oder nur schwer verhindern lasse. Jetzt konzentriere man sich vor allem auf das Umweltrecht. „Diese Verbände sind gut organisiert, verfügen über ausreichend finanzielle Mittel und dürfen nicht unterschätzt werden“, weiß Dammert. Gut beraten seien hier Unternehmen, welche bei den entsprechenden Abwägungsverfahren ein „öffentliches Interesse an der Rohstoffgewinnung“ fundiert nachweisen können. „In diesem Prozess steigt die Bedeutung der Rohstoffverbände, welche die Entwicklung beobachten und so die Interessen der Unternehmen bündeln können“, so Dammert.

Nach dem Vortrag von Uwe Grosser, Vorstand Bergbau des gemeinsamen Vorstands der Vattenfall Europe Mining AG und der Vattenfall Europe Generation AG kamen beim interessierten Fachpublikum Fragen auf, ob die „Decarbonisierung Deutschlands bis 2050“ wirklich ein realistisches und wirtschaftlich erstrebenswertes Ziel sein kann. Mit der Braunkohle verfügt Deutschland über einen günstigen heimischen Energieträger, der langfristig verfügbar ist und eine Versorgung der angeschlossenen Kraftwerke rund um die Uhr gewährleistet. Sie ist weiterhin ein Garant für Arbeit, Ausbildung und Wertschöpfung in der Lausitz, so Grosser.

Nach der planmäßigen Beendigung der Kohleförderung im Tagebau Cottbus-Nord stellte er die zukünftige Entwicklung im Lausitzer Braunkohlenrevier mit den verbleibenden vier Großtagebauen und den vier Kraftwerksstandorten dar. Im Bereich des Tagebaus Cottbus-Nord wird mit der Flutung in den Jahren 2018/2019 begonnen. Hier entsteht mit dem Cottbusser Ostsee nach ca. 6 Jahren Flutung und einer Wasserfläche von 19 km² Deutschlands größter künstlich angelegter See. Mit besonderem Interesse verfolgten die Teilnehmer die Ausführungen Grossers zum neuen Eigner der Lausitzer Braunkohlentagebau und Kraftwerke.

Thomas Schroschk, Abteilungsleiter Steine-Erden-Bergbau und Energie im Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, stellte in seinem Vortrag die wirtschaftliche Bedeutung seines Amtes heraus. Neben dem klassischen Bergbau auf Braunkohle und Steine- und Erden-Rohstoffe sind der Bohrlochbergbau auf Erdöl und Erdgas, die Untergrundspeicherung und die Nutzung geothermischer Potentiale, der Sanierungs- und Altbergbau, die Energietrassenplanung sowie die Verwertung von mineralischen Abfällen weitere Schwerpunktthemen. Mit der Abteilung Geologie nimmt das LBGR auch die Aufgaben des Geologischen Landesdienstes wahr. Rohstoff-, Ingenieur- und Hydrogeologie erbringen wichtige Vorleistungen für die Nutzung der Geopotentiale Brandenburgs. Die mögliche Nutzung des Lausitzer Kupferschiefers stellt für das Land ein wirtschaftlich interessantes Zukunftsprojekt dar, so Abteilungsleiter Schroschk.

UVMB-Geschäftsführer Bert Vulpius bedankte sich in seinen Schlussworten bei allen Referenten und Organisatoren des Rohstofftags. Mit „es werden mit Sicherheit nicht wieder 15 Jahre ins Land gehen“, stellte er eine Neuauflage des Rohstofftags Brandenburg in Aussicht.

Autoren/Authors: Bert Vulpius und Michael Schlutter

www.uvmb.de

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