GIPO installiert individuelle Brecheranlage bei ROHRDORFER ZEMENT GmbH
GIPO, ein renommierter Schweizer Hersteller von Aufbereitungsanlagen, hat in bemerkenswert kurzer Projektzeit eine individuell konfigurierte Vorbrechanlage an den Steinbruch der ROHRDORFER ZEMENT GmbH in Gmunden/Österreich geliefert.
Die beiden Standorte der Rohrdorfer Gruppe in Oberösterreich haben eine lange Geschichte: Bereits 1908 nahm das Zementwerk in Gmunden den Betrieb auf und wurde zunächst mit Kalksandstein aus dem nahegelegenen Steinbruch versorgt. Nach kurzer Zeit hatte sich jedoch herausgestellt, dass dort das gewünschte Material nicht ausreichend in passender Qualität vorhanden war. Darum ging man bereits 1910 ins 20 km entfernte Ebensee und begann den Abbau von Kalkstein.
Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung stieg die Zementproduktion nach dem Krieg stetig an, sodass immer mehr Kalkstein aus Ebensee abgebaut und ins Werk transportiert wurde. Das Zementwerk wurde bis ins Jahr 2004 von der Familie Hatschek geführt und anschließend durch die ROHRDORFER ZEMENT GmbH übernommen. Die Rohrdorfer Gruppe beschäftigt etwa 2100 Mitarbeiter und unterhält 160 Standorte in Deutschland, Österreich, Italien und Ungarn, wo regelmäßig in moderne Technik investiert wird.
Neue Vorbrechanlage im Steinbruch Ebensee
Die in Ebensee geförderten Mengen sind über die Jahre auf nun durchschnittlich 500 000 t gestiegen. Eine Rekordförderung wurde im Jahr 2021 mit 600 000 t erreicht. Diese Dimensionen machen klar, dass der Vorbrecher als Herzstück der Anlage reibungslos funktionieren muss, damit der Ablauf von Materialsprengung, Zerkleinerung und Abtransport in sauberen Zyklen und effizient funktioniert. Heute arbeiten im Zementwerk Gmunden etwa 140 Mitarbeitende und etwa 10 Auszubildende. Das Zementwerk wird vom Steinbruch Ebensee aus über Förderbänder und Bahntransport versorgt; dort sind 10 Mitarbeiter beschäftigt.
Melanie Lettner ist Abteilungsleiterin für die Steinbrüche in Gmunden und Ebensee und kümmert sich um den Abbau der Rohstoffe sowie um die Rohstoffplanung und -sicherung. Christian Grabner ist Projektleiter und in der Instandhaltungsplanung tätig. Er hat die Beschaffung der neuen Vorbrechanlage für den Steinbruch Ebensee vom ersten Gespräch mit Jesse Gasser, Außendienst bei GIPO, bis zur gemeinsamen Inbetriebnahme begleitet. Die Leistung der GIPO B1490 beträgt 600 t/h bei einer Körnung von ca. 0 – 200 mm.
Individualität steht im Fokus
Christian Grabner erzählt: „Unser alter Vorbrecher hatte schon 28 Jahre gedient und in dieser Zeit 12 Mio. t Gestein verarbeitet, wir brauchten nun etwas Neues, das aber gut in unsere bestehende Infrastruktur passt. Nach mehreren Anfragen an namhafte Firmen war GIPO das einzige Unternehmen, das wirklich auf unsere Wünsche und Vorstellungen eingegangen ist und nicht versucht hat, uns eine Anlage quasi aus dem Katalog zu verkaufen. Weiterhin war mir persönlich wichtig, dass ich von den Planungen bis zur Inbetriebnahme immer einen Ansprechpartner habe, das hat mit Jesse Gasser wirklich sehr gut funktioniert.“
Zudem habe man vorab die Möglichkeit gehabt, mit anderen Kunden des Schweizer Herstellers zu sprechen, die bereits mit GIPO-Anlagen arbeiten. Eine solche Transparenz sei sehr überzeugend. Beim Besuch in der Schweiz schaute sich das Rohrdorfer Projektteam Produktion und Lager von GIPO an und war direkt überzeugt, dass nicht nur qualitativ hochwertig produziert wird, sondern dass aufgrund des sehr umfangreichen Lagers die Lieferung von Ersatzteilen im Bedarfsfall sehr schnell gehen würde.
Die Situation für die Planung beinhaltete einige Herausforderungen: Der Steinbruch ist sehr weit oben am Berg gelegen. Man hatte dort recht wenig Platz, um die Maschinen anzuordnen. Alle Komponenten der etwa 200 t schweren Anlage mussten in einem logistischen Kraftakt dorthin transportiert werden: Der Brecher fuhr mit Hilfe eines transportablen Dieselaggregats mit 300 PS selbst den Berg auf 730 m Höhe hinauf.
Anforderungen der Auftraggeber
Eine Anforderung an die Anlage war, dass man sie in drei verschiedenen Varianten anordnen kann, so dass diese in voraussichtlich 8 Jahren an einen anderen Standort versetzt werden kann. Weiterhin war ein Rollenrost gewünscht, um vor dem Brecher die kleinen Materialbestandteile zuverlässig aussieben zu können, sodass ausschließlich zu brechendes Material durch den Backenbrecher mit Einlaufgröße 1330 x 900 mm geht. Der Aufgeber, der das Material von zwei Muldengrößen fassen kann, sorgt für eine kontinuierliche Bestückung des Brechers und somit auch für einen kontinuierlichen Materialfluss. „Unser Ziel ist immer, unsere Anlagen so zu konzipieren, dass sie den Ansprüchen des Material-Abnehmers voll gerecht werden“, erklärt Jesse Gasser.
Ebenso war es den Auftraggebern wichtig, dass kein elektrisches Bauteil direkt an der Anlage angebracht ist. Dort sind nur notwendige Motoren und Sensoren, während die Elektronik in einem Container sicher neben der Anlage verbaut und somit vor Vibrationen und äußeren Einflüssen geschützt ist. Auch diesen Wunsch setzte GIPO um, sodass Störungen und Stillstände an der Anlage vermieden werden.
Weiterhin wurde von GIPO eine wichtige Vorgabe im elektrischen Bereich umgesetzt, dass man, wie in der Rohrdorfer Gruppe üblich, mit einer Steuerung von Siemens arbeitet. Durch intensive Abstimmung und Zusammenarbeit gelang die optimale Einbindung auch der elektrischen Komponenten in die bestehende Infrastruktur.
Doch in Ebensee hatte nicht nur GIPO besondere Vorgaben zu beachten, auch die ROHRDORFER ZEMENT GmbH, deren Steinbruch und damit die neue Brecheranlage sich im Sichtfeld des Ortes befindet, arbeitete in diesem Fall mit einer sehr transparenten Kommunikation mit den Anrainern. Gemeinsam mit dem Bürgerbeirat von Ebensee wurden Maßnahmen zum Schutz vor Lärm und Staub definiert, sodass Rohrdorfer in der Nähe der Brecheranlage Lärmschutzwände und eine Staubbindeanlage installierte.
Vorteile der Anlage: Langlebig, robust, sicher
Melanie Lettner fasst zusammen: „Für uns war wichtig, dass GIPO eine echte individuelle Anpassung der Anlage auf unserem Steinbruch vornehmen konnte, was nun nicht nur für reibungslose Abläufe, sondern auch für Arbeitssicherheit sorgt. Dadurch, dass die komplette Anlage aus einer Hand kommt, läuft alles sauber und gut zusammen. Die Zusammenarbeit mit GIPO hat sehr gut funktioniert.“
Ebenso wichtig war allen Beteiligten, dass alle Maßnahmen für eine sichere und auch bequeme Bedienung getroffen wurden: Plattformen und Geländer von oben bis unten sind dabei selbstverständlich. Aber es wurden auch die Mitarbeiter gefragt, mit welchen Funktionen die Fernbedienung belegt werden soll und wo sich beispielsweise die Not-Aus-Knöpfe befinden müssen. „Besonders wichtig war uns auch, dass alle Bereiche, an denen regelmäßig Wartungsarbeiten stattfinden und Komponenten gewechselt werden, leicht zugänglich sind, z. B. die Motoren von Hydraulikpumpen oder die Wälzlager des Rollenrosts“, so Grabner. Ebenso könne man den Brecher elektrisch um 20 m hin- und herbewegen, um diesen zu reinigen.
Weiterhin ist die Aufgabe des Materials auf den Plattenbandförderer schonender für die Anlage. Früher wurde alles direkt auf den Brecher aufgegeben, nun wird der Aufprall gedämpft und gleichzeitig entsteht weniger Lärm für die Anrainer. Bei einem Stillstand musste man früher den Brecher manuell ausräumen, bei der GIPO-Anlage kann man die Drehrichtung umkehren und diesen so automatisch leerräumen.
Enge Abstimmungen als Voraussetzung
Das ganze Projekt wurde für eine Anlage dieser Größenordnung trotz vieler Abstimmungsgespräche sehr zügig umgesetzt: Vom ersten Kontakt am 24.6.2024 dauerte es nicht einmal 1,5 Jahre bis zur Abnahme im Werk von GIPO, die am 1.12.2025 stattfand. Jesse Gasser erinnert sich: „Unser Ziel war, die Anlage vor Weihnachten 2025 am Berg zu haben, was im österreichischen Winter nicht unkritisch war, aber am 18.12. war der Transport abgeschlossen.“
Melanie Lettner lobt die gute Unterstützung der lokalen Firmen, die bei den Vorbereitungen am Brecherplatz 220 m³ Beton, 25 t Bewehrungsstahl verbaut sowie die notwendigen Anpassungen am vorhandenen Gebäude vorgenommen haben. „Wir haben am 1.11.2025 den alten Brecher abgestellt, dann begann der Umbau am Berg.“ Ab diesem Zeitpunkt bis zur endgültigen Fertigstellung musste das für das Zementwerk benötigte Material aus dem Freilager entnommen werden, sodass die Einhaltung des Zeitplans von hoher Bedeutung war.
Die Endabnahme mit Leistungstest war ursprünglich für Anfang April 2026 geplant. Diese konnte schon einen Monat früher erfolgen, sodass seit dem 4. März im Normalbetrieb produziert werden kann. Christian Grabner: „Das lief sehr gut, wir brauchten lediglich noch ein paar Anpassungen zwischen unserer eigenen Software und der Software der Anlage. Ansonsten hieß es eigentlich: Einschalten und direkt produzieren. Das und die stabile Bauweise der ganzen Anlage haben uns und die Kollegen wirklich überzeugt.“
Nach kleineren Anpassungen wie dem Anbringen von zusätzlichen Blechen, die den Alltag für die Nutzer vereinfachen sollen, wurde die neue Brecheranlage Anfang Mai auf Einladung von GIPO gemeinsam mit allen Beteiligten mit einem Grillfest am Berg eingeweiht.
Vorbrechanlage
Die Vorbrechanlage besteht aus einer raupenmobilen Backenbrechanlage und einer kufenmobilen Aufgabeeinheit. Das Material wird über die Aufgabeeinheit mit Plattenband-Abzug kontinuierlich auf die Brechanlage zugeführt. Über den Rollenrost mit einer Nutzbreite von 1270 mm und 10 Rollen wird feuchtes und klebriges, feines und plattiges Korn wie auch verunreinigtes Material ausgeschieden. Dadurch wird nicht nur die Brechleistung erhöht, sondern auch der Verschleiß reduziert und der Backenbrecher entlastet. Während des Klassiervorgangs ergibt sich zusätzlich eine optimale Materialführung und Übergabe zum Backenbrecher hin. Der bewährte, sehr robuste und hartgesteinstaugliche konzipierte Backenbrecher GIPO B 1490 mit einem Einlauf von 1330 x 900 mm bricht das Material auf ein Endkorn 0/200 mm.
Technische Daten:
Raupenmobiler Backenbrecher Typ GIPO B 1490
Rollenrost: Breite 1270 mm/10 Rollen
Backenbrecher-Einlauf: 1330 x 900 mm
Elektroantrieb
Backenbrecher: 160 kW
Nebenantriebe: 200 kW
Aufgabeleistung: ca. 600 t/h
Einsatzgewicht: ca. 110 000 kg
Kufenmobile Aufgabeeinheit Typ GIPO PB
Aufgabetrichter Inhalt: 40 m3
Einsatzgewicht: ca. 90 t
