Hosokawa Alpine und Aydin Madencilik: Drei Jahrzehnte Partnerschaft auf Basis von Vertrauen

Teil 4: Dietmar Alber trifft Sedat Aydin und Hande Aydin Uslu in Gemlik/Türkei

Nach den Besuchen bei Jordan Minerals in Amman,  ACCM in Kairo und Erciyes Mikron in Istanbul (siehe AT MINERAL PROCESSING 02/2026, 03/2026 und 04/2026) führte die vierte Station von Dietmar Albers Abschiedstour nach Gemlik bei Bursa in der Türkei. Dort traf er Sedat Aydin und dessen Tochter Hande Aydin Uslu, die gemeinsam Aydin Madencilik vertreten – einen der langjährigsten Partner von Hosokawa Alpine in der türkischen Calciumcarbonat-Industrie.

Begleitet wurde Dietmar Alber von AT MINERAL PROCESSING-Redakteur Lukas Höpfner sowie Görkem Cardak, Geschäftsführer von Mikronsis und seit vielen Jahren Vertreter von Hosokawa Alpine in der Türkei.

Aydin Madencilik setzt bereits seit Ende der 1990er Jahre auf die Technologie von Hosokawa Alpine. Was damals mit technischer Beratung und einer gemeinsamen Vision begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer vertrauensvollen Partnerschaft, geprägt von technischer Kompetenz, gegenseitigem Respekt und langfristigem Denken. Im Gespräch blicken Sedat Aydin und Hande Aydin Uslu auf die Anfänge des Unternehmens zurück, sprechen über die Entscheidungen, die das Wachstum geprägt haben, über den zunehmenden Wettbewerb, die Bedeutung hochwertiger Rohstoffe, den Ausbau des Exportgeschäfts sowie ihre Erwartungen an zukünftige Aufbereitungstechnologien.

Vom Steinbruchbesitzer zum GCC-Pionier –
der Beginn einer Erfolgsgeschichte

AT MINERAL PROCESSING: Herr Aydin, vielen Dank, dass Sie uns heute empfangen. Erzählen Sie uns doch bitte, wie Ihr Unternehmen entstanden ist und welche Idee hinter der Gründung stand. Und wie kam Hosokawa Alpine schließlich ins Spiel?

Sedat Aydin: Meine Familie ist seit Generationen im Bergbau tätig. Schon mein Großvater und mein Vater arbeiteten in dieser Branche, und zunächst war auch ich im Familienunternehmen tätig. Irgendwann reifte jedoch der Entschluss, ein eigenes Unternehmen aufzubauen.

Ich besaß bereits einen Steinbruch mit hochwertigem Kalkstein und erkannte darin die Chance, in das Calciumcarbonat-Geschäft einzusteigen. Was mir jedoch fehlte, waren Erfahrungen in der Verarbeitung von GCC und vor allem die Frage, mit welcher Technologie und welchem Partner ich diesen Weg gehen sollte.

Also besuchte ich Fırat Plastik, einen der führenden Hersteller von PVC-Rohren in der Türkei. Der Firmeninhaber war ein langjähriger Bekannter meines Großvaters. Ich fragte ihn: „Ich habe den Rohstoff und möchte in das Calciumcarbonat-Geschäft einsteigen. Wo soll ich anfangen?“

Mir war klar, dass die Mahltechnik der Schlüssel zum Erfolg sein würde. Nur wusste ich nicht, welchem Hersteller ich vertrauen konnte. Seine Antwort kam ohne Zögern: „Wenn du dich für Alpine entscheidest, erhältst du erstklassige Technologie – und deine Kunden werden niemals die Qualität deiner Produkte infrage stellen.“ Das war das erste Mal, dass ich den Namen Hosokawa Alpine hörte.

Nachdem die Entscheidung für Alpine gefallen war, suchte ich nach einer Möglichkeit, Kontakt zum Unternehmen aufzunehmen. Damals wurde Hosokawa Alpine in der  Türkei von Mustafa Ercin vertreten, der den ersten Kontakt herstellte. Wie es der Zufall wollte, fand die Powtech genau zu der Zeit statt, als ich dabei war, mein Unternehmen zu gründen. Also fuhr ich zur Powtech nach Nürnberg – das muss 1997 gewesen sein – und dort traf ich Dietmar Alber zum ersten Mal.

Ich war nicht allein. Ein enger Freund begleitete mich, half beim Übersetzen und unterstützte mich bei den technischen Gesprächen. Er war weder Geschäftspartner noch finanziell am Projekt beteiligt. Er tat es ausschließlich aus Freundschaft. Rückblickend bedeutete mir diese Unterstützung sehr viel.

Dietmar Alber: Ja, an dieses erste Treffen erinnere ich mich noch sehr gut.

Sedat Aydin: Als ich die Technologie von Hosokawa Alpine kennengelernt hatte, war ich überzeugt, dass genau das die richtige Lösung für mein Unternehmen war.  Allerdings gab es ein großes Problem: Die Investition lag weit über dem, womit ich gerechnet hatte. Der Preis war drei- bis viermal höher als ursprünglich geplant. Ehrlich gesagt war ich zunächst schockiert.

Was mich damals besonders beeindruckte, war Dietmars Reaktion. Er blieb vollkommen ruhig und konzentrierte sich sofort darauf, eine Lösung zu finden, anstatt über das Problem zu sprechen. Er sagte zu mir: „Das bekommen wir hin. Ich brauche keine Anzahlung.  Alles, was wir benötigen, ist ein Akkreditiv Ihrer Bank mit verlängertem Zahlungsziel, sodass die Rückzahlung erst nach der Inbetriebnahme der Anlage beginnt.“

Dieser  Vorschlag veränderte alles. Zu diesem Zeitpunkt verfügte ich schlicht nicht über das notwendige Kapital für eine Investition dieser Größenordnung. Also sprach ich mit meinem Vater und meiner Bank, organisierte die Finanzierung und konnte das Projekt schließlich realisieren.

Die erste Maschine, die wir kauften, war eine Walzenschüsselmühle AWM 1200 von Hosokawa Alpine. Damals war diese Technologie noch neu – nicht nur für mich, sondern auch innerhalb des damaligen Alpine-Portfolios.

Bereits während der Powtech wurden wir uns einig. Wenn ich mich richtig erinnere, unterzeichneten wir sogar noch auf der Messe das erste Dokument – im Grunde eine handschriftliche Absichtserklärung mit dem vereinbarten Nettopreis auf einer Proforma-Rechnung. Nach der Messe reiste ich gemeinsam mit Dietmar Alber nach Augsburg und besichtigte die Fertigung sowie das Technikum von Hosokawa Alpine. Besonders das Technikum hat mich nachhaltig beeindruckt. Spätestens nach diesem Besuch wusste ich, dass ich den richtigen Technologiepartner gefunden hatte.

Bevor jedoch alles endgültig besiegelt werden konnte, musste ich noch ein schwieriges Telefonat führen. Ich rief meinen Vater an und sagte: „Ich habe gerade eine Mahlanlage gekauft – und sie kostet drei Mal mehr als ursprünglich geplant.“ Natürlich war er zunächst schockiert. Nachdem wir jedoch ausführlich über die Chancen gesprochen hatten, entschied er sich, mich zu unterstützen. Ich gründete das Unternehmen, übernahm die Verantwortung für das Geschäft und für die Investition. Für die Finanzierung benötigte ich allerdings die Bürgschaft meines Vaters. Ohne sein Vertrauen wäre all das nicht möglich gewesen.

So begann die Geschichte von Aydin Madencilik – und gleichzeitig eine Partnerschaft mit Hosokawa Alpine, die inzwischen seit fast drei Jahrzehnten besteht.

Früher Erfolg ebnet den Weg für weitere Investitionen

AT MINERAL PROCESSING: Wie ging es nach dieser ersten Investition weiter?

Sedat Aydin: Unsere erste AWM 1200 hat unsere Erwartungen sogar übertroffen. Das Geschäft entwickelte sich sehr positiv und wir waren sowohl mit der Leistungsfähigkeit der Anlage als auch mit der Qualität unserer Produkte äußerst zufrieden. Deshalb dauerte es nicht lange, bis wir gemeinsam mit Dietmar Alber bereits über die nächste Investition nachdachten.

Leider geriet die Türkei damals in eine schwere Wirtschaftskrise. Unter normalen Marktbedingungen hätte sich die Investition deutlich schneller amortisiert. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage dauerte es jedoch rund vier Jahre, bis sich die Anlage bezahlt gemacht hatte. Trotzdem hatte ich nach den Erfahrungen mit der ersten Anlage genügend  Vertrauen, um erneut in Technologie von Hosokawa Alpine zu investieren.

Dietmar Alber: Wenn ich mich richtig erinnere, gehörte die erste Coatieranlage bereits zur ersten Hosokawa Alpine Anlage. Die zweite Investition folgte erst einige Zeit später.

Sedat Aydin: Ja, genau. Unsere-Contraplex-Coatieranlage CW 400 war bereits Bestandteil der ersten Investition. Damals waren wir das einzige Unternehmen in der Türkei, das mikronisiertes Calciumcarbonat mit dieser Technologie produzierte. Das verschaffte uns einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.

Die  Vorteile zeigten sich sofort. Der Energieverbrauch war geringer als bei konventionellen  Verfahren. Noch wichtiger war jedoch die deutlich engere und gleichmäßigere Partikelgrößenverteilung – genau das, was Kunden aus der Kunststoffindustrie erwarteten.

Von Anfang an belieferten wir führende Unternehmen ihrer jeweiligen Branchen. Viele dieser Kunden zählen auch heute, fast drei Jahrzehnte später, noch immer zu unserem festen Kundenstamm. Sie sind uns treu geblieben, weil wir ihnen vor allem eines bieten konnten: eine gleichbleibend hohe Produktqualität.

Natürlich kommt es in jeder Produktionsanlage gelegentlich zu kleineren Prozessabweichungen. Das lässt sich nie vollständig vermeiden. Entscheidend ist jedoch, dass unsere Produktqualität über fast 30 Jahre hinweg außergewöhnlich konstant geblieben ist. Und genau diese Konstanz ist im GCC-Geschäft von entscheidender Bedeutung.

Dietmar Alber: Ich erinnere mich noch gut an einen Besuch Ihres Werks mit einer polnischen Kundengruppe im Rahmen einer Referenzbesichtigung. Am Ende fragte der Geschäftsführer, ob er eine Produktprobe mitnehmen dürfe, weil ihn die außergewöhnliche Gleichmäßigkeit Ihres Materials beeindruckt hatte.

Sedat Aydin: Ja, daran erinnere ich mich ebenfalls sehr gut. Diese Gleichmäßigkeit entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis der richtigen Technologie und eines konsequent beherrschten Produktionsprozesses. Damals habe ich etwas gesagt, das auch heute noch uneingeschränkt gilt: „Konstanz ist der Schlüssel – nicht nur für eine gleichbleibend hohe Produktqualität, sondern ebenso für eine zuverlässige und langfristig stabile Versorgung unserer Kunden.“

Technologischer Vorsprung durch moderne Verfahren und bessere Rohstoffe

Sedat Aydin: Als ich das Unternehmen gründete, gab es in der Türkei nur wenige Hersteller von Calciumcarbonat. Heute ist der Wettbewerb deutlich intensiver. Das überrascht nicht, denn das Land verfügt über hervorragende Kalksteinvorkommen.

Viele Produzenten arbeiten nach wie vor mit klassischen Kugelmühlen. Die Produkte unterscheiden sich jedoch grundlegend. Kugelmühlen erzeugen in der Regel eine deutlich breitere Partikelgrößenverteilung. Unsere Kunden – insbesondere aus der Polymerindustrie – verlangen dagegen coatierte GCC-Produkte mit einer engen Kornverteilung, hoher Homogenität und reproduzierbarer Qualität. Genau diese Anforderungen hören wir bis heute immer wieder.

Bereits zu Beginn unserer Zusammenarbeit empfahl Dietmar Alber ein anderes Anlagenkonzept: ein energieeffizientes Zwei-Technologien-Konzept. Die gröberen und mittleren GCC-Produkte im Bereich von etwa D97 = 10 – 80 µm werden auf Hosokawa Alpine AWM-Walzenschüsselmühlen hergestellt. Für die feineren Produkte unterhalb von D97 = 10 µm bis hinunter zu etwa D97 = 3 µm kommt dagegen die Hosokawa Alpine ATR-Rührwerkskugelmühle zum Einsatz.

Zwar bedeutete dieses Konzept zwei separate Investitionen, rückblickend war es jedoch genau die richtige Entscheidung. Über das gesamte Produktspektrum hinweg ermöglichen beide Technologien einen deutlich geringeren spezifischen Energieverbrauch als klassische Kugelmühlen und liefern gleichzeitig eine wesentlich höhere Produktqualität.

Anfangs arbeiteten wir ausschließlich mit Material aus unserem eigenen Steinbruch. Die Qualität des Kalksteins war gut, allerdings hatte das Material einen leicht cremefarbenen Farbton und war nicht reinweiß. Als neue Wettbewerber mit deutlich weißeren Rohstoffen auf den Markt kamen, wurde uns schnell klar, dass wir unsere Rohstoffbasis verbessern mussten. Deshalb erwarben wir einen weiteren Steinbruch in der Region Bursa. Damit erhielten wir Zugang zu wesentlich weißerem Kalkstein und konnten die Qualität unserer Produkte nochmals deutlich steigern.

Parallel dazu stieg die Nachfrage nach immer feineren Calciumcarbonat-Produkten kontinuierlich an – insbesondere seitens der Hersteller von PVC-Fensterprofilen. Diese Kunden benötigten beschichtete Ultrafeinprodukte mit einer äußerst engen Partikelgrößenverteilung und hervorragender Homogenität. Aus diesem Grund entschieden wir uns etwa im Jahr 2007 für eine Investition in die Hosokawa Alpine ATR-Technologie, kombiniert mit einem neuen Hosokawa Alpine Contraplex-Coatiersystem.

Die ATR-Rührwerkskugelmühle eröffnete uns den Einstieg in den Markt für ultrafeine GCC-Produkte. Bei der Planung der Anlage dachten wir bereits einen Schritt weiter. Obwohl zunächst nur eine ATR installiert wurde, waren sowohl das Hallenkonzept als auch das Coatiersystem von Anfang an so ausgelegt, dass jederzeit eine zweite ATR-Linie ergänzt werden konnte. Diese vorausschauende Planung verschafft uns bis heute die notwendige Flexibilität für weiteres Wachstum.

Dietmar Alber: Noch vor der ATR-Investition hatten Sie bereits einen Alpine Ultrafeinsichter TTC 500 gekauft.

Sedat Aydin: Das stimmt. Anfangs war ich mir nicht sicher, wie groß der Markt für ultrafein beschichtetes GCC tatsächlich werden würde und wie schnell unsere Kunden diese Produkte akzeptieren würden. Doch als wir die steigende Nachfrage erkannten, wurde schnell deutlich, welches Potenzial in diesem Marktsegment steckt. Das bestärkte uns darin, konsequent weiter in die ATR-Technologie zu investieren.

Dietmar Alber: Ich erinnere mich noch an eine interessante Geschichte rund um das Contraplex-Coatiersystem. Görkem Cardak und ich saßen während einer Geschäftsreise in der Lobby eines Hotels in Aksaray, als völlig unerwartet einer meiner indonesischen Kunden hereinkam. Ich fragte ihn erstaunt, was ihn ausgerechnet nach Aksaray geführt habe – eine Stadt, die nun wirklich nicht zu den typischen Reisezielen internationaler Besucher gehört. Er lächelte und erklärte, dass er auf der Suche nach einem gebrauchten Alpine-Contraplex-Coatieranlage sei. Da erinnerte ich mich sofort daran, dass Ihre ursprüngliche Contraplex CW 400 im Zuge der Werkserweiterung ersetzt worden war. Also rief ich Sie an und fragte, ob die Anlage noch verfügbar sei. Sie antworteten, dass Sie sie verkaufen würden, sofern der Preis stimme.

Ohne lange zu überlegen, fuhren wir gemeinsam von Aksaray zu Ihrem Werk, besichtigten die Maschine – und noch am selben Tag kaufte mein indonesischer Kunde die Anlage. Er entschied sich letztlich für Ihr hervorragend gepflegtes Alpine-System und gegen eine deutlich ältere und wesentlich teurere Maschine, die ihm an anderer Stelle angeboten worden war.

Sedat Aydin: Ja, an diese Geschichte erinnere ich mich ebenfalls noch sehr gut.

Internationale Märkte erfolgreich erschließen

AT MINERAL PROCESSING: Wie hat sich der Markt im Laufe der Jahre entwickelt? Ich nehme an, dass Sie sich anfangs vor allem auf den türkischen Markt konzentriert haben, da die Produktion feiner GCC-Produkte in der Türkei damals noch sehr begrenzt war. Wann gewann der Export für Ihr Unternehmen an Bedeutung?

Hande Aydin Uslu: Ich bin 2010 in das Unternehmen eingetreten. Zuvor hatte ich in den USA Elektrotechnik und Elektronik  studiert und anschließend ein Studium im Bereich Finanzwesen absolviert. Dort konnte ich auch erste Berufserfahrungen sammeln. Die Rückkehr in die Türkei bedeutete für mich einen großen kulturellen Wechsel, denn die Art, Geschäfte zu machen, unterscheidet sich in beiden Ländern deutlich.

Von Anfang an machte ich mir Gedanken darüber, wie wir unsere internationale Reichweite ausbauen und neue Märkte über unsere bisherigen Absatzgebiete hinaus erschließen könnten. Ich fragte mich: ‚Wo auf der Welt könnten wir unsere Produkte noch verkaufen?‘ Angesichts der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und der weltweiten Nachfrage nach Calciumcarbonat war ich überzeugt, dass sich selbst in weit entfernten Überseemärkten Chancen bieten würden. Eines Tages entdeckte ich einen potenziellen Kunden in Brasilien und sagte zu meinem Vater: ‚Ich werde Calciumcarbonat nach Brasilien verkaufen.‘ Anfangs war er eher skeptisch und hielt das nicht für möglich. Doch ich glaubte an diese Chance und verfolgte die Idee weiter. Für mich ging es darum, eine neue Perspektive in das Unternehmen einzubringen: die Überzeugung, dass Calciumcarbonat praktisch überall auf der Welt Abnehmer finden kann – unabhängig von geografischen Entfernungen.

Von Brasilien aus erschlossen wir Schritt für Schritt weitere Auslandsmärkte – zunächst Chile und Kanada, später viele weitere Länder. Heute exportiert Aydin Madencilik seine Produkte in zahlreiche Regionen der Welt. Das internationale Geschäft ist inzwischen zu einer der wichtigsten Säulen unseres Unternehmens geworden.

Eine Sache hat uns beim Eintritt in neue Märkte immer wieder geholfen: Sobald wir unseren Kunden erklären, dass unsere Produkte mit Technologie von Hosokawa Alpine hergestellt werden, erkennen sie den Namen sofort. Weltweit steht Hosokawa Alpine für hochwertige Aufbereitungstechnologie, Zuverlässigkeit und gleichbleibende Produktqualität. Dieser gute Ruf verschafft uns bereits beim ersten Gespräch Glaubwürdigkeit und erleichtert den Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen erheblich.

AT MINERAL PROCESSING: Würden Sie also sagen, dass der Name Hosokawa Alpine Ihnen auch geholfen hat, internationale Märkte zu erschließen?

Hande Aydin Uslu: Ja, ohne Zweifel. Gerade wenn die Logistik anspruchsvoll ist oder wir erstmals mit einem neuen Kunden zusammenarbeiten, schafft der Name Hosokawa Alpine sofort Vertrauen.

Auf vielen internationalen Märkten kennt man Aydin Madencilik zunächst noch nicht – den Namen Hosokawa Alpine dagegen sehr wohl. Dieses Vertrauen in die Marke gibt uns bereits beim ersten Kontakt eine hohe Glaubwürdigkeit. Die Kunden verbinden Hosokawa Alpine mit bewährter Technologie, zuverlässiger Leistung und einer konstant hohen Produktqualität. Dadurch entsteht schnell Vertrauen – und genau dieses Vertrauen öffnet uns häufig Türen, die sonst verschlossen geblieben wären.

Das Unternehmen für die nächste Generation aufstellen

AT MINERAL PROCESSING: Wir haben bereits über die Geschichte Ihres Familienunternehmens gesprochen. Wann begann der Generationswechsel und wie prägt er heute die zukünftige Ausrichtung von Aydin Madencilik?

Hande Aydin Uslu: Mein Vater ist nach wie vor Geschäftsführer unseres Unternehmens. Der Generationswechsel ist deshalb noch nicht abgeschlossen. Ich habe die Leitung des Unternehmens zwar noch nicht vollständig übernommen, bin aber für unser internationales Geschäft und alle finanziellen Angelegenheiten im Unternehmen verantwortlich. Im Moment ergänzen wir uns sehr gut. Mein Vater bringt jahrzehntelange technische und unternehmerische Erfahrung mit, während ich mich auf die internationale Marktentwicklung, den Ausbau unserer Kundenbeziehungen und die Identifizierung neuer Wachstumschancen konzentriere. Außerdem ist mein Ehemann Ugur Uslu Maschinenbauingenieur (M.Sc.) und mein Bruder İbrahim Aydin Wirtschaftsingenieur. Beide tragen den Titel „stellvertretender Geschäftsführer“, wobei mein Ehemann für administrative Angelegenheiten zuständig ist und mein Bruder für die Rohstoffproduktion verantwortlich ist.

Unser Ziel besteht nicht einfach darin, das Unternehmen fortzuführen. Wir möchten auf dem aufbauen, was mein Vater geschaffen hat, und seine Erfahrung mit neuen Ideen, internationalem Wachstum und kontinuierlicher Innovation verbinden.

Eines hat sich im Laufe der Jahre sehr deutlich gezeigt: Der eigentliche Mehrwert liegt in den ultrafeinen Produkten. Genau dort entscheidet die Technologie über den Erfolg und genau dort sind Kunden bereit, für gleichbleibende Qualität und hohe Leistungsfähigkeit zu bezahlen.

Unsere größte Herausforderung ist heute die Produktionskapazität. Bei einigen unserer ultrafeinen Produkte nutzen bestehende Kunden bereits nahezu unsere gesamte Produktionsleistung. Da die Nachfrage kontinuierlich wächst, beschäftigen wir uns intensiv mit einer weiteren Investition in Hosokawa Alpine ATR-Technologie.

Darüber hinaus beobachten wir neue Coatiertechnologien sowie innovative Additive sehr aufmerksam, um die Leistungsfähigkeit unserer Produkte weiter zu verbessern. Gleichzeitig sind Investitionsentscheidungen deutlich schwieriger geworden. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich ständig. Logistik, Energiepreise, Rohstoffkosten und geopolitische Entwicklungen können sich innerhalb kurzer Zeit erheblich ändern. Dennoch gilt für uns ganz klar: Wer langfristig wettbewerbsfähig bleiben möchte, muss kontinuierlich investieren.

Dietmar Alber: Beobachten Sie auch in der Farben- und Lackindustrie eine steigende Nachfrage nach besonders feinen GCC-Produkten?

Hande Aydin Uslu: Ja, eindeutig. Insbesondere aus der Farbenindustrie erhalten wir immer häufiger Anfragen nach GCC-Slurries. Feine Calciumcarbonat-Slurries ermöglichen es Lackherstellern, einen Teil des deutlich teureren Titandioxids (TiO₂) zu ersetzen und dadurch die Rezepturkosten zu senken, ohne die gewünschten Produkteigenschaften zu beeinträchtigen.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die für den Slurry erforderlichen Dispergiermittel bereits im Produkt enthalten sind.  Zusammen mit dem Wasser werden sie Bestandteil der Formulierung und erleichtern dem Kunden die Weiterverarbeitung.

Die größte Herausforderung bleibt allerdings die Logistik. Da Slurries einen hohen Wasseranteil enthalten, steigen die Transportkosten mit zunehmender Entfernung erheblich. Deshalb lassen sich Slurry-Produkte wirtschaftlich meist nur innerhalb eines begrenzten geografischen Radius vermarkten. Trockenes GCC-Pulver dagegen kann – vorausgesetzt, die Produktqualität stimmt – wirtschaftlich in nahezu alle Regionen der Welt exportiert werden.

Mit nachhaltiger Energie in die Zukunft

AT MINERAL PROCESSING: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit heute in Ihrem Unternehmen? Sind CO₂-Reduzierung und Nachhaltigkeitsziele bereits wichtige Anforderungen Ihrer Kunden?

Hande Aydin Uslu: Um ehrlich zu sein, spüren wir derzeit noch keinen nennenswerten Druck seitens unserer Kunden in Bezug auf Nachhaltigkeit oder CO₂-Reduktion. Kaufentscheidungen werden heute nach wie vor in erster Linie von Produktqualität, gleichbleibender Qualität, Liefersicherheit und Preis bestimmt.

Dennoch betrachten wir Nachhaltigkeit als einen wichtigen Bestandteil unserer langfristigen Unternehmensstrategie. Die Herstellung von mikronisiertem Calciumcarbonat ist sehr energieintensiv. Deshalb macht es sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn, unseren Stromverbrauch und gleichzeitig unseren CO₂-Fußabdruck zu reduzieren.

Eines der Projekte, mit denen wir uns derzeit intensiv beschäftigen, ist der Bau eines eigenen Windparks. Die Genehmigungsverfahren sind komplex und mit zahlreichen behördlichen Auflagen verbunden. Es handelt sich daher um ein langfristiges Vorhaben. Trotzdem sehen wir darin ein großes Potenzial. Sollte das Projekt realisiert werden, könnten wir künftig einen Großteil unseres Strombedarfs selbst decken. Bei entsprechendem Windaufkommen wäre es sogar möglich, überschüssige Energie in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen.

Auch die Nutzung von Solarenergie haben wir untersucht. Aufgrund unseres hohen Energiebedarfs wären dafür jedoch sehr große Flächen erforderlich. Für unseren Standort erscheint Windenergie deshalb die deutlich sinnvollere und wirtschaftlichere Lösung.

AT MINERAL PROCESSING: Nachhaltigkeit ist für Sie also nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Entscheidung?

Hande Aydin Uslu: Ganz genau. In einer energieintensiven Branche wie der unseren sind Energieeffizienz und der Einsatz erneuerbarer Energien sowohl ökologische als auch betriebswirtschaftliche Entscheidungen. Niedrigere Energiekosten stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit und leisten gleichzeitig einen Beitrag zur Verringerung der CO₂-Emissionen. Wir sind überzeugt, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg langfristig Hand in Hand gehen müssen.

Blick nach vorn – Anforderungen an die Aufbereitungstechnologie von morgen

AT MINERAL PROCESSING: Wenn Sie künftig erneut in Technologie von Hosokawa Alpine investieren würden – welche Erwartungen hätten Sie an die nächste Generation der Aufbereitungstechnik?

Sedat Aydin: Das größte Wachstumspotenzial liegt eindeutig im Bereich ultrafeiner Produkte. Genau dorthin entwickelt sich der Markt, und genau dort können wir uns nachhaltig vom Wettbewerb unterscheiden. Deshalb besteht unsere wichtigste Anforderung heute in einer höheren Produktionskapazität für unsere feinsten GCC-Produkte.

Für weiteres Wachstum haben wir bereits die notwendigen Voraussetzungen geschaffen. Gebäude, Infrastruktur, Coatieranlagen und verfügbare Produktionsflächen wurden von Anfang an so ausgelegt, dass zusätzliche Kapazitäten jederzeit integriert werden können, sobald der Markt dies erfordert.

Dietmar Alber: Aus technischer Sicht gibt es durchaus Möglichkeiten, die Kapazität weiter zu steigern. Wird etwas feineres Aufgabematerial eingesetzt, lässt sich der Durchsatz häufig erhöhen. Eine weitere Option wäre der Austausch des vorhandenen Alpine ATP-Sichters 315/6 gegen einen größeren ATP Next Generation (ATP/NG) 500/3. Die optimale Lösung hängt jedoch immer von der geforderten Endproduktspezifikation ab. Zwar kann der größere Sichter die Kapazität deutlich erhöhen, für die feinsten Trenngrenzen ist er jedoch nicht in jedem Fall die beste Lösung.

Sedat Aydin: Genau diese Erfahrung haben wir gemacht. Einen unserer Sichter haben wir bereits gegen ein größeres Modell ausgetauscht und dadurch die Produktionskapazität deutlich erhöht. Bei unseren feinsten Produkten – typischerweise mit 92 – 94 % unter 2 µm – bleibt die Kapazität jedoch nach wie vor der begrenzende Faktor.

Die eigentliche Herausforderung besteht heute nicht mehr darin, diese ultrafeinen Produkte herstellen zu können. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, größere Mengen zu produzieren, ohne Kompromisse bei der Qualität und der außergewöhnlichen Produktkonstanz einzugehen, die unsere Kunden seit vielen Jahren von uns erwarten.

Mehr als eine Geschäftsbeziehung – eine Freundschaft über drei Jahrzehnte

AT MINERAL PROCESSING: Zum Abschluss unseres Gesprächs: Dietmar Alber ist nach fast vier Jahrzehnten bei Hosokawa Alpine inzwischen im Ruhestand. Was bedeutet es für Sie persönlich, dass er auf seiner Abschiedstour noch einmal langjährige Kunden und Freunde besucht?

Sedat Aydin: Dietmar ist für mich ein ganz besonderer Mensch. Vom ersten Tag an habe ich ihm vollkommen vertraut. Im Laufe der Jahre ist aus unserer geschäftlichen Zusammenarbeit weit mehr geworden als eine Kunden-Lieferanten-Beziehung. Dietmar ist nicht nur ein Geschäftspartner – er ist ein echter Freund.

In der Türkei haben Freundschaft, Vertrauen und Gastfreundschaft einen sehr hohen Stellenwert. Genau so würde ich auch unsere Beziehung beschreiben. Wir haben gemeinsam viele erfolgreiche Jahre erlebt, Herausforderungen gemeistert und zahlreiche schöne Momente miteinander geteilt. Ich wünsche mir von Herzen, dass diese Freundschaft noch viele Jahre bestehen bleibt.

Hande Aydin Uslu: Auch ich möchte hier gerne noch etwas hinzufügen. Als  Vertreterin der zweiten Generation kenne ich Sie natürlich noch nicht so lange wie mein Vater. Trotzdem erleben wir immer wieder, dass Sie für uns da sind, wenn wir Unterstützung benötigen oder technische Fragen haben. Ihre Hilfsbereitschaft und Ihre Bereitschaft, Ihre Erfahrung mit uns zu teilen, haben sich über all die Jahre nie verändert.

Mein Vater sagt oft: „Ich habe einen Freund in Deutschland.“ Ich glaube, dieser eine Satz beschreibt unsere Beziehung besser als viele andere Worte. Und deshalb gilt: Wann immer Sie in die Türkei kommen, werden Sie bei unserer Familie jederzeit herzlich willkommen sein.

AT MINERAL PROCESSING: Herr Aydin, Frau Aydin Uslu, herzlichen Dank für dieses offene und inspirierende Gespräch. Wir wünschen Ihnen, Ihrer Familie und dem gesamten Team von Aydin Madencilik weiterhin viel Erfolg.

www.hosokawa-alpine.com

www.aydinmadencilik.com

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